Pro-russische Gefangene werden ausgetauscht | Bildquelle: AFP

Ukraine Ein Austausch, den nicht jeder will

Stand: 29.12.2019 16:34 Uhr

Manche haben lange darauf gewartet: In der Ukraine haben die Regierung und die ostukrainischen Separatisten Gefangene ausgetauscht. Ihre genaue Zahl ist noch unklar - und nicht alle wollen zurück.

Von Martha Wilczynski, ARD-Studio Moskau

Eine gute Stunde, nachdem die Busse den im dichten Nebel liegenden Checkpoint Majorske passiert haben, wurden die ersten Zahlen offiziell bestätigt: Die prorussischen Separatisten aus der selbsternannten Volksrepublik Luhansk haben 25 Gefangene an die ukrainische Seit übergeben.

Mitarbeiter des Roten Kreuzes überprüften vor Ort ihre Identität - und ob die Übergabe nach ihrem Willen geschieht. Denn letztlich müssen die Gefangenen selbst entscheiden, ob sie an dem Austausch teilnehmen wollen oder nicht. Daher konnte die genaue Zahl der zwischen Kiew und den prorussischen Separatisten auszutauschenden Gefangenen im Vorfeld noch nicht klar benannt werden.

Die Donezker Ombudsfrau Daria Morosowa erklärte vorab, die Separatisten seien bereit, der ukrainischen Seite 55 Personen zu übergeben. Die ukrainische Seite wiederum habe 87 Personen bestätigt. Die ukrainischen Behörden hätten aber auch erklärt, dass 22 Personen von der Donezker Liste auf den Austausch verzichten wollten.

Gefangenenaustausch zwischen Separatisten und ukrainischer Regierung
tagesschau 12:05 Uhr, 29.12.2019

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Kritik am Austausch einzelner Gefangener

Insgesamt sollte die ukrainische Seite 120 Gefangene an die prorussischen Separatisten in Donezk und Luhansk übergeben. Darunter sind auch Ex-Mitglieder der Spezialeinheit Berkut, die von ukrainischer Seite für die Schüsse auf dem Maidan im Jahr 2014 verantwortlich gemacht werden und gegen die bis zuletzt noch Verfahren liefen. In Kiew sorgt dies seit Tagen für laute Diskussionen. 

Dennoch gilt die Tatsache, dass dieser Gefangenenaustausch noch vor Jahresende stattfindet, als wichtiges Signal für den wiederaufgenommenen Friedensprozess im Osten der Ukraine. Auf dem Ukraine-Gipfel in Paris Anfang Dezember hatten die Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin unter Vermittlung Frankreichs und Deutschlands den Austausch als Bedingung für weitere Gespräche beschlossen.

Der nächste Schritt wäre eine vollständige Waffenruhe entlang der mehr als 400 km langen Konfrontationslinie. Angestrebter Stichtag ist der 31. Dezember.

Gefangenenaustausch zwischen Ukraine und prorussischen Separatisten
Martha Wilczynski, ARD Moskau
29.12.2019 12:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Dezember 2019 um 15:00 Uhr.

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