Kais Saied | Bildquelle: AFP

Präsidentenwahl in Tunesien Umfragen sehen Saied deutlich vorne

Stand: 14.10.2019 00:05 Uhr

Nach der Stichwahl um die Präsidentschaft in Tunesien liegt ein Verfassungsrechtler in den Prognosen deutlich vorne. Damit regiert künftig wohl ein Parteiloser das nordafrikanische Land.

Bei der zweiten Runde der Präsidentenwahl in Tunesien sehen die Nachwahlbefragungen einen deutlichen Sieger. Der parteilose Verfassungsrechtler Kais Saied kommt nach einer Befragung von Emrhod Consulting auf 72,5 Prozent der Stimmen.

Tunesien: Parteiloser Kandidat Saied gewinnt
tagesschau 07:00 Uhr, 14.10.2019

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Sein Gegenkandidat, der bis vor kurzem inhaftierte Medienunternehmer Nabil Karoui, kommt demnach auf 27,5 Prozent wie der staatliche Fernsehsender Watania berichtete. Das Meinungsforschungsunternehmen Sigma Conseil sieht den Juristen sogar bei knapp 77 Prozent. Ein amtliches Endergebnis wird innerhalb der kommenden zwei Tage erwartet.

Eine Menschenmenge in Tunis feiert den Ausgang der Wahl. | Bildquelle: AP
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Eine Menschenmenge in Tunis feiert den Ausgang der Wahl.

"Ein neues Tunesien"

"Die Tunesier haben heute der ganzen Welt eine Lektion erteilt", sagte Saied auf einer Pressekonferenz. "Es ist ein neues Konzept einer Revolution innerhalb des Verfassungsrahmens." Der Staat werde weiter zu seinen Verpflichtungen stehen und sich an alle Regeln halten, betonte Saied. "Heute bauen wir unsere eigenen Möglichkeiten: ein neues Tunesien. 2010 haben die Menschen gerufen: wir wollen! Und heute erreicht ihr, was ihr wollt."

Der 61 Jahre alte Kais Saied wurde laut Umfragen vor allem von jungen Tunesiern und Akademikern gewählt. Er absolvierte seinen Wahlkampf ohne großes Kampagnenteam und ohne die Unterstützung einer eigenen Partei.

Schwierige Regierungsbildung

Tunesien hatte nach dem sogenannten Arabischen Frühling vor acht Jahren zwar tiefgreifende demokratische Reformen eingeleitet. Das Land kämpft aber mit großen wirtschaftlichen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist groß.

Tunesiens politisches System steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Innerhalb weniger Wochen wurden sowohl der Präsident, als auch das Parlament neu gewählt. Bei der Parlamentswahl in der vergangenen Woche wurden die bislang etablierten Parteien deutlich abgestraft. Die moderat islamistische Ennahda sicherte sich zwar 52 der insgesamt 217 Sitze im Parlament, verlor aber deutlich an Zuspruch. Auf Platz zwei folgte die von Präsidentschaftskandidat Karoui neu gegründete Partei "Kalb Tounes" (Herz von Tunesien) mit 38 Sitzen. Beide Parteien schließen eine Koalition aus. Das Parlament ist stark zersplittert, was eine Regierungsbildung nach Ansicht von Beobachtern schwierig machen könnte.

Tunesien neuer Mann: Präsident Kais Saied gewählt
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
14.10.2019 06:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Oktober 2019 um 07:00 Uhr.

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