Türkischer Panzer in Syrien | Bildquelle: dpa

Kampf gegen IS in Syrien Türkei will bis Rakka vorrücken

Stand: 27.10.2016 15:14 Uhr

Die türkische Armee will bei ihrer Anti-IS-Operation in Nordsyrien bis Rakka vorstoßen, eine Hochburg der Islamisten. Kurdische Verbände, die ebenfalls gegen den IS kämpfen, sollen aber außen vor bleiben. Die USA signalisierten bereits Unterstützung für den Plan.

Die türkische Armee soll nach Angaben von Staatschef Recep Tayyip Erdogan im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bis zu deren Hochburg Rakka vorstoßen. "Zunächst rücken wir auf Al Bab vor", sagte Erdogan im türkischen Fernsehen. Die vom IS besetzte Stadt Al Bab liegt nahe der türkischen Grenze. "Danach werden wir Richtung Manbidsch vorstoßen und dann Richtung Rakka", sagte Erdogan.

Ohne kurdische Verbände

Während Al-Bab und Rakka im Norden Syriens zu den letzten und wichtigsten Städten in den Händen des IS zählen, steht Manbidsch unter Kontrolle syrischer Kurden. Ankara betrachtet die syrische Kurdenpartei Demokratische Union (PYD) und deren bewaffneten Arm, die Volksverteidigungseinheiten (YPG), als Terroristen. Die Türkei will die YPG deshalb unbedingt aus der geplanten multinationalen Offensive gegen die IS-Hochburg Rakka heraushalten.

Wie Erdogan weiter sagte, hat er US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat bereits über seine militärischen Absichten und seine Ablehnung einer Kurden-Beteiligung informiert. Washington signalisierte Unterstützung für die Offensive: "Wir haben sicherlich die militärische Kapazität, mehr als eine Operation gleichzeitig zu unterstützen", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Im Kampf gegen den IS betrachtet Washington die YPG bislang als Partner - unterstützt jedoch gleichzeitig das Vorrücken der türkischen Armee.

Offensiven in Syrien und Irak

Im September hatte die türkische Armee eine bislang beispiellose Offensive im Norden Syriens begonnen und unterstützt seitdem die syrischen Rebellen im Kampf gegen den IS mit Panzern und Bodentruppen. Dabei geht sie auch gegen kurdische Einheiten vor, die ebenfalls gegen den IS kämpfen. Auch im Nordirak hat die türkische Armee entgegen des ausdrücklichen Wunschs der Regierung in Bagdad Truppen stationiert.

Erdogan warnte vor einer Ausbreitung der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordwesten des Irak. "Sindschar ist dabei, ein neues Kandil zu werden", sagte Erdogan mit Blick auf die irakische Bergregion an der Grenze zur Türkei, die der PKK als Rückzugsgebiet dient. "Das werden wir nicht zulassen", sagte Erdogan.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2016 um 17:00 Uhr

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