Video-Chronologie der Katastrophe Tschernobyl in der tagesschau 1986

Stand: 26.04.2016 08:20 Uhr

Am Anfang lag nur die dürre Meldung einer sowjetischen Nachrichtenagentur vor, erst peu à peu offenbarte sich das Ausmaß der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Wie tagesschau und tagesthemen im April 1986 über das Unglück berichteten, sehen Sie hier.

"In der Sowjetunion hat sich offenbar ein ernster Atomunfall ereignet": Mit diesen Worten informiert Sprecher Werner Veigel erstmals in der tagesschau über das Reaktorunglück in Tschernobyl - am 28. April 1986, und damit zwei Tage nach dem GAU. Zu diesem Zeitpunkt verschweigen die sowjetischen Behörden noch das Ausmaß der Katastrophe. "Es wird aber nicht gesagt, wann sich das Unglück ereignet hat oder wodurch es verursacht wurde", so der tagesschau-Sprecher.

Moskau mauert

Einen Tag später sickern immer mehr Informationen durch: "Im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl ist es offenbar zu dem gefürchteten GAU gekommen, dem Größten Anzunehmenden Unfall", so tagesschau-Sprecherin Daniela Witte. UdSSR-Korrespondent Peter Bauer berichtet, dass in den sowjetischen Medien das Thema fast keine Rolle gespielt hat. "Zu den Gerüchten und Meldungen über ein sowjetisches Hilfeersuchen an westdeutsche und schwedische Stellen war hier in Moskau nichts in Erfahrung zu bringen - nicht einmal eine kurze Bestätigung", erklärt Bauer.

Auch in der Bundesrepublik wird zu diesem Zeitpunkt noch beschwichtigt. Auf die Frage, ob eine Gefährdung für die Bundesrepublik auszuschließen sei, antwortet Innenminister Friedrich Zimmermann: "Ja, absolut auszuschließen. Denn eine Gefährdung besteht nur in einem Umkreis von 30 bis 50 Kilometern um den Reaktor."

"Gewisse Menge radioaktiver Stoffe"

Ausführlicher berichten am selben Abend die tagesthemen über die Katastrophe. Korrespondent Peter Bauer wird aus Moskau zugeschaltet. Er verweist auf ein knappe offizielle Meldung, wonach "eine gewisse Menge radioaktiver Stoffe" aus dem AKW Tschernobyl ausgetreten sei. Es habe zwei Tote gegeben, die Kraftwerkssiedlung und drei Dörfer seien evakuiert worden.

Gleichzeitig berichten die tagesthemen, dass im Westen vom GAU ausgegangen wird. Sowjetische Diplomaten suchten inoffiziell Rat bei der Gesellschaft für Reaktorsicherheit in Köln.

Sowjetischer Diplomat: Lage im Griff

"Neue Einzelheiten sind am Abend über die Katastrophe im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl bekannt geworden", verliest Sprecherin Daniela Witte am 30. April. Jetzt ist die Rede von 200 Verletzten, erstmals gibt es auch ein Foto des zerstörten AKWs, ausgestrahlt vom sowjetischen Fernsehen. Der Moskauer Botschafter in Norwegen teilte mit, der Reaktorbrand sei gelöscht, man habe die Lage im Griff. Die Bundesregierung sieht zu diesem Zeitpunkt weiterhin keine gesundheitliche Gefährdung für die Menschen in der Bundesrepublik.

Nur scheibchenweise Informationen

"Immer mehr Firmen rufen ihre Mitarbeiter zurück, vor Reisen in die Region um Kiew wird gewarnt", beginnt tagesthemen-Moderatorin Ulrike Wolf die Sendung am 30. April 1986. "Wenn man doch nur wüsste, was dort in der Ukraine in Tschernobyl eigentlich passiert ist, vielleicht noch passieren kann", ergänzt sie. Informationen kommen nach wie vor nur scheibchenweise. In russischen Medien ist ein anderes Thema dominierend: Die Vorbereitungen auf den Maifeiertag.

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