Der kanadische Premierminister, Justin Trudeau. | Bildquelle: REUTERS

Trudeaus "Brownface"-Foto "Ich bin stocksauer auf mich"

Stand: 19.09.2019 09:23 Uhr

Mitten im Wahlkampf holt Kanadas Premier ein Foto ein, das ihn vor fast 20 Jahren mit dunkel geschminktem Gesicht bei einer Party zeigt. Trudeau gibt sich zerknirscht und räumt ein, sich damals rassistisch verhalten zu haben.

Ein Partyfoto aus dem Jahr 2001 hat den kanadischen Premierminister Justin Trudeau mitten im Wahlkampf in Bedrängnis gebracht. Das vom "Time"-Magazin gepostete Bild zeigt ihn im Alter von 29 Jahren mit dunkel geschminktem Gesicht, Gewand und Turban auf einer Kostümparty. Thema des Abends sei "Arabische Nächte" gewesen, sagte Trudeau. Er habe mit seinem Auftritt in orientalischer Verkleidung "einen Fehler gemacht", der ihm "zutiefst leid" tue. Aus heutiger Sicht sehe er ein, dass seine Verkleidung "rassistisch" gewesen sei. "Ich bin stocksauer auf mich, ich bin enttäuscht von mir", sagte Trudeau vor Reportern.

Von seinen politischen Gegnern hagelte es dennoch Kritik. Der Chef der linken Partei New Democrat, Jagmeet Singh, warf Trudeau indes anstößiges Verhalten vor. Einige Menschen würden nun wegen des Regierungschefs erneut den Schmerz früherer rassistischer Erfahrungen durchmachen, kritisierte Singh, ein Anhänger der Sikh-Religion und Turbanträger.

Der Vorsitzende der Konservativen Partei, Andrew Scheer, sprach Trudeau die Eignung als Regierungschef ab. Sogenanntes Brownfacing sei schon 2001 rassistisch gewesen und sei es auch im Jahr 2019, sagte Scheer. Umfragen sehen ihn als aussichtsreichen Herausforderer von Trudeau bei der Wahl am 21. Oktober.

Justin Trudeau | Bildquelle: via REUTERS
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Der Wahlkampf läuft nicht gut für Trudeau.

Die bevorstehende Wahl dürfte auch der Grund dafür sein, dass das Foto jetzt so viel Wirbel macht. Welche Folgen dies nun für den als Verfechter von Multikulturalismus und Vielfalt bekannten Premier und seine Liberal Party im Wahlkampf haben wird, ist ungewiss. Trudeau geht ohnehin angeschlagen in die Abstimmung: Seine Ex-Justizministerium Jody Wilson-Raybould warf ihm zu Jahresbeginn vor, sie zu einem nachsichtigen Umgang mit einem in Korruptionsvorwürfe verstrickten Baukonzern gedrängt zu haben. Der Skandal erschütterte Trudeaus Regierung und löste etliche Rücktritt aus dessen Kabinett aus. Seine Zustimmungswerte brachen ein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. September 2019 um 09:00 Uhr.

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