Das Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers "Titanic". | Bildquelle: dpa

Schiffswrack im Atlantik Streit um Funkgerät der "Titanic"

Stand: 11.06.2020 10:47 Uhr

Mit dem Marconi-Telegrafen setzte die "Titanic" 1912 den historischen SOS-Notruf ab. Nun will eine Firma das Gerät bergen - aus dem Inneren des Schiffswracks. Die US-Regierung will dies verbieten und verweist auf die Totenruhe der Opfer.

Die für August geplante Bergung des Funkgeräts der "Titanic" stößt auf juristische Hindernisse. Das Bergungsunternehmen R.M.S. Titanic benötige für die geplante Expedition auf den Grund des Atlantiks eine Erlaubnis des US-Handelsministeriums, weil das Wrack dabei beschädigt werden könnte. Die Regierung in Washington erhob daher Einspruch gegen die Entscheidung einer Richterin in Virginia, die die Bergung im Mai erlaubt hatte.

Es geht um einen Marconi-Telegrafen, mit dem die "Titanic" am 15. April 1912 gegen 0.15 Uhr den Notruf SOS sendete, nachdem sie 35 Minuten zuvor mit einem Eisberg zusammengestoßen war.

Gedenkort für die Toten

R.M.S. Titanic hat bereits Tausende Gegenstände des gesunkenen Passagierschiff ans Tageslicht geholt, die um das Wrack verstreut lagen. Darunter sind etwa Silberbesteck, Porzellan und Goldmünzen. Um an das Funkgerät heranzukommen, müsste die Firma aber anders als bisher ins Innere des Wracks vordringen. Sie argumentiert, das Gerät würde sonst womöglich bald von den Trümmern des verfallenden Wracks begraben. Denn durch die lange Zeit im Salzwasser rostet das Wrack und wird zunehmend instabil.

Das lehnt die US-Regierung aber ab, weil im Innern des Wracks auch die menschlichen Überreste Hunderter Opfer liegen. Sie verweist auf ein Abkommen mit Großbritannien, in dem die "Titanic" als Gedenkort an die Toten des Unglücks erklärt wird, denen "angemessener Respekt" erwiesen werden müsse.

alt Guglielmo Marconi bei den Versuchen der ersten transatlantischen Radioübertragung 1902. | Bildquelle: picture-alliance / akg-images

Was ist der Marconi-Telegraf?

Das Funkgerät auf der "Titanic" wurde von dem Italiener Guglielmo Marconi entwickelt. Es hatte eine große Reichweite, was dazu führte, dass andere Schiffe den SOS-Notruf empfingen und etwa 700 der 2200 Menschen an Bord retten konnten.

Marconi war ein Pionier bei der Erforschung der drahtlosen Telegrafie und erhielt 1909 zusammen mit Ferdinand Braun den Physik-Nobelpreis. Ihm wurde sogar ein Platz auf der "Titanic" angeboten, den er allerdings ablehnte - was ihm vermutlich das Leben rettete.

Als Lehre aus dem "Titanic"-Unglück wurde 1914 das "Internationale Abkommen zum Schutz menschlichen Lebens auf See" beschlossen. Es sieht unter anderem vor, dass jedes größere Schiff ein Funkgerät an Bord haben muss.

Innerhalb weniger Stunden gesunken

Die "Titanic" war damals das berühmteste und größte Passgierschiff der Welt. 1912 sank sie jedoch auf der Jungfernfahrt von England nach New York. Während das Luxusschiff voll Wasser lief, versuchte es, über seinen Marconi-Telegrafen andere Schiffe zur Rettung zu rufen. Doch das nächstgelegene Schiff war vier Stunden entfernt - in dieser Zeit war die "Titanic" bereits im Meer versunken.

Von den 2208 Menschen an Bord überlebten nur etwas mehr als 700. Das Wrack wurde 1985 auf dem Grund des Nordatlantiks 645 Kilometer vor Neufundland in etwa 4000 Metern Tiefe lokalisiert. Seitdem hat es immer wieder Expeditionen dorthin gegeben.

Streit um Bergung von Funkmast der Titanic
Antje Passenheim, ARD New York
11.06.2020 09:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 11. Juni 2020 um 00:12 Uhr.

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