Leerer Campus der Georgetown University in Washington DC | Bildquelle: AFP

Studierende in den USA "Der Druck fällt ab"

Stand: 15.07.2020 09:06 Uhr

Die Uni wechseln oder die USA verlassen - das drohte vielen ausländischen Studierenden in der Corona-Krise. Doch nun machte die US-Regierung einen Kehrtwende und nahm die Pläne zurück. Die Studierenden reagierten erleichtert.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Die Entscheidung kam überraschend, vor allem überraschend schnell: Ausländische Studierende dürfen sich nun doch weiter in den USA aufhalten - selbst wenn ihre Uni im Herbst coronabedingt nur Online-Seminare und Vorlesungen anbietet. Die gute Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den internationalen Studenten.

Der deutsche Student Vincent Stüber, der an der Columbia University in New York studiert, erfuhr über die soziale Medien davon: "Die Whatsapp-Gruppen waren sehr intensiv in den letzten Tagen." Es habe nicht lange gedauert, bis er Bescheid wusste.

Hochschulen klagten gegen Pläne der Regierung

Erst vergangene Woche hatte die Einwanderungsbehörde angekündigt, dass ausländische Studenten nicht mehr in den USA bleiben dürfen, sofern ihre Universitäten im kommenden Wintersemester nur Online-Unterricht anbieten. Ihr Argument: Online könne man schließlich von überall studieren.

Die Studierenden müssten entweder an eine Uni wechseln, die Präsenzveranstaltungen anbietet, oder sie müssten ausreisen, so die Drohung der Trump-Regierung. Hunderte Universitäten, darunter Harvard und das renommierte Massachusetts Institute of Technology, hatten daraufhin gegen die Pläne der Regierung geklagt.

Viele Unis sind auf internationale Studierende angewiesen

Er könne sich vorstellen, dass die US-Regierung vielleicht nur ein Zeichen setzen wollte, sagt Stüber. Was er raushöre, sei, dass die angedrohte Ausweisung laut vieler Interessengruppen "nicht im Sinne der USA ist, nicht im Sinne der Unis und vor allem nicht im Sinne der Studierenden." Diese seien schließlich unverschuldet in die Situation hineingerutscht.

Tatsächlich sind viele Colleges und Hochschulen in den USA auf die Einnahmen aus den Studiengebühren internationaler Studierender angewiesen. Auch das mag ein Faktor für die Entscheidung gewesen sein, die bei einer gerichtlichen Anhörung in Boston fiel.

Studierende der Columbia-Universität feiern ihren Abschluss. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Auch Tausende deutsche Studierende in den USA wären von der neuen Regelung betroffen gewesen.

Die Studierenden sind erleichtert

Wie viele seiner internationalen Kommilitonen kann Stüber nun erst einmal aufatmen. "Ich freue mich vor allem, dass der Druck abfällt, was diese Entscheidung bedeutet hätte", sagt er. In den vergangenen Tagen seien viele Studierende emotional von der Ankündigung betroffen gewesen. "Da wird es jetzt bei ganz vielen in meinem Umfeld und auch für mich einfacher, sich darauf wieder zu freuen und planen zu können." 

Präsident Trump hatte in der vergangenen Woche klargemacht, dass er auf die Öffnung der Schulen und Universitäten im Herbst besteht. Die Drohung, Studierende auszuweisen, könnte nach Ansicht von Beobachtern ein Versuch gewesen sein, dieser Forderung mehr Nachdruck zu verleihen.

Kehrtwende in US-Politik: Ausländische Studierende dürfen nun doch bleiben
Claudia Sarre, ARD Washington
15.07.2020 06:25 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Juli 2020 um 06:20 Uhr.

Korrespondentin

Claudia Sarre  Logo NDR

Claudia Sarre, NDR

Darstellung: