Deutsche Polizisten stehen an der deutsch-französischen Grenze | Bildquelle: dpa

Anschlag in Straßburg Grenzüberschreitende Suche nach Chekatt

Stand: 12.12.2018 21:39 Uhr

Einen Tag nach den Schüssen in Straßburg herrscht in Frankreich höchste Alarmstufe. Mit einem Großaufgebot sucht die Polizei nach dem Täter - auch in Deutschland. Von dort soll er kurz vor der Tat einen Anruf erhalten haben.

Nach dem Terroranschlag von Straßburg sucht die Polizei mit einem Großaufgebot von mehreren Hundert Einsatzkräften nach dem mutmaßlich islamistischen Attentäter Chérif Chekatt. Auch deutsche Sicherheitsbehörden fahnden nach dem 29-Jährigen und dessen Bruder Sami.

Fahndung nach Attentäter von Straßburg auch an deutscher Grenze
tagesschau 20:00 Uhr, 12.12.2018, Julia Henninger, SWR

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Auf deutscher Seite wurden die Grenzkontrollen drastisch verschärft. Deutsche und französische Sicherheitskräfte kontrollierten auf der Europa-Brücke über den Rhein Fußgänger, Pkw und Busse. Auch Zugreisende wurden von der Polizei überprüft.

"Die Maßnahmen finden in enger Abstimmung mit den französischen Polizeibehörden sowie den betroffenen Polizeien der Länder und des Bundes statt", teilte die Bundespolizei mit. Die Fahndung wurde im Laufe des Tages auf den Nordosten Frankreichs ausgedehnt.

Anruf aus Deutschland

Wie der rbb aus Sicherheitskreisen erfuhr, wurde der mutmaßliche Täter unmittelbar vor der Tat aus Deutschland angerufen. Er ging jedoch nicht ans Telefon. Unklar ist, wer ihn angerufen hat und warum. Dieser Frage gehen deutsche Ermittler nun intensiv nach.

Der Anruf ist ein weiteres Indiz dafür, dass er Verbindungen nach Deutschland hat. Den deutschen Behörden war nicht bekannt, dass der mutmaßliche Täter in Frankreich als islamistischer Gefährder geführt wird, obwohl er im Grenzbereich zu Deutschland lebt und in Deutschland in Haft gewesen ist, berichtet der rbb. Auch das Schengeninformationssytem enthielt demnach keinen Vermerk, das Chekatt in Frankreich als Gefährder geführt wird, sondern lediglich den Hinweis auf die Einreisesperre nach Deutschland.

Fahndungsfoto der Nationalpolizei von Chérif C. | Bildquelle: Police Nationale via AP
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Fahndungsfoto der Nationalpolizei von Chérif Chekatt

Behörden gehen von Terrorismus aus

Der polizeibekannte Gefährder Chekatt soll am Dienstagabend in der Straßburger Innenstadt auf Passanten geschossen beziehungsweise mit einem Messer auf sie eingestochen haben. Zwei Menschen wurden bei dem Angriff getötet. Ein Opfer sei hirntot, zwölf Menschen seien verletzt worden, sagte der Pariser Antiterror-Staatsanwalt Rémi Heitz.

Nach der Tat flüchtete der Angreifer, lieferte sich aber noch zwei Schusswechsel mit Sicherheitskräften. Der Täter wurde nach Angaben des Staatsanwalts vor seiner Flucht von Soldaten verletzt. Er sei mit einem Taxi entkommen und habe sich vom Taxifahrer etwa zehn Minuten lang chauffieren lassen, bevor er ausgestiegen sei.

"Der Terrorismus hat erneut unser Gebiet getroffen", sagte Heitz. Zeugen hätten den Angreifer "Allahu Akbar" (Allah ist groß) rufen hören. Angesichts des Zielorts, seiner Vorgehensweise und der Zeugenaussagen habe die Antiterrorabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Menschen legen Blumen und Kerzen nahe dem Straßburger Weihnachtsmarkt nieder. | Bildquelle: dpa
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Viele Menschen legten Blumen und Kerzen nahe dem Straßburger Weihnachtsmarkt nieder.

Trauer in Straßburg

Am Tag nach dem Anschlag blieb der Weihnachtsmarkt in Straßburg abgeriegelt. Bewaffnete Polizisten und Soldaten patrouillierten in der Innenstadt. Der Unterricht an Grundschulen und Vorschulen wurde ausgesetzt, Theater und Konzerthäuser blieben geschlossen. Am Münster läuteten mittags zehn Minuten lang die Glocken. Bürger legten Kerzen und Blumen für die Opfer nieder. 

Im Plenarsaal des Europaparlaments und in der Pariser Nationalversammlung gedachten die Abgeordneten mit einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags. An den öffentlichen Gebäuden der Stadt hingen die Flaggen auf Halbmast. Ein Vertreter der Großen Moschee geißelte einen "gemeinen, feigen und barbarischen Akt" und forderte die muslimischen Gläubigen auf, bei der traditionellen Freitagszeremonie auch für die Opfer zu beten.

Macron ruft zur politischen Zurückhaltung auf

Auch der Ministerrat unter Vorsitz von Präsident Emmanuel Macron beschäftigte sich mit den Ereignissen in Straßburg. Macron erinnerte an die Schrecken des Terrors in seinem Land. "Die terroristische Bedrohung ist immer noch im Herzen des Lebens unserer Nation", zitierte Regierungssprecher Benjamin Griveaux den Präsidenten.

Dies habe Macron mit einem Appell an die Politik verbunden. "Der Präsident hat gesagt, in diesen Momenten, die wir besonders seit gestern Abend, aber auch schon in den Wochen zuvor durchleben, sollte der Sinn für das Gemeinwohl jeden politisch Verantwortlichen zur Ruhe und Zurückhaltung bringen", sagte Griveaux.

Straftaten in Deutschland, Frankreich und Luxemburg

Chekatt wurde in Straßburg geboren, hat aber nordafrikanische Wurzeln. Insgesamt soll er bereits 27 mal von Gerichten verurteilt worden sein, meist wegen Einbruchs- und Gewaltdelikten. Nach Behördenangaben hat er mehrere längere Haftstrafen verbüßt, einige davon auch in Deutschland. Im Februar 2017 wurde er demnach nach Frankreich abgeschoben.

Auch in Luxemburg war er offenbar kriminell unterwegs. Seine DNA sei bei einem versuchten Einbruchsdiebstahl im Jahr 2012 am Tatort gefunden worden, sagte ein Sprecher der luxemburgischen Regierung. Danach sei auch ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet worden. Eine Vorladung habe dem Mann aber nicht zugestellt werden können, da sein Wohnort damals unbekannt gewesen sei, sagte ein Justizsprecher.

Keine Hinweise auf bevorstehendes Attentat

Bei seinem letzten Gefängnisaufenthalt habe er sich radikalisiert und sei daher in die französische Gefährderdatei aufgenommen wurden, teilten die Behörden mit. Nach Geheimdienstangaben galt er als Sicherheitsrisiko. Es habe allerdings nie Hinweise auf ein bevorstehendes Attentat gegeben.

Chekatt sollte am Dienstag vor der Tat wegen versuchten Totschlags verhaftet werden, wurde aber nicht in seiner Wohnung angetroffen. Dort stellten die Beamten eine Granate, eine Schusswaffe und mehrere Messer sicher. Vier Personen aus dem Umfeld des Tatverdächtigen seien in Polizeigewahrsam genommen worden.

Terroralarm in Frankreich - Fahndung bislang erfolglos
Martin Bohne, ARD Brüssel, zzt. Paris
12.12.2018 19:21 Uhr

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Mit Informationen von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichteten am 12. Dezember 2018 die tagesschau um 20:00 Uhr und die tagesthemen um 22:15 Uhr.

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