Der Direktor des National Park Service vor dem Stonewall Inn

100 Jahre National Park Service Stonewall - das etwas andere Denkmal

Stand: 29.08.2016 12:07 Uhr

Ein Park, die Straße, das Stonewall Inn: So sieht das jüngste nationale Denkmal der USA aus. Wo 1969 mitten in New York der Aufstand von Schwulen, Lesben und Transgendern gegen Polizeigewalt und Unterdrückung begann, informieren heute zwei Park-Ranger über deren Geschichte.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Elliot hat die Worte von Präsident Obama noch im Ohr. 2012 war das. Dem alten Mann stehen die Tränen in den Augen. Er sitzt auf einer Parkbank im Christopher Park in New York City. 20 Meter entfernt liegt das Stonewall Inn. Da, wo alles begann. Und Elliot, der alte Mann, hat nie geglaubt, dass seine Parkbank einmal Teil eines Nationalen Monuments sein würde, dass das Stonwall Inn ein nationales Denkmal sein würde.

"Schwule sind einfach nur Menschen. Homosexuell zu sein ist keine Neigung. Es passiert. Und es ist mir eben auch passiert. So ist das", sagt Elliot. "Es wurde höchste Zeit", sagt der alte Mann unter Tränen. Am 24. Juni dieses Jahres geschah, was Eliott höchste Zeit fand. Präsident Barack Obama erklärte Stonewall zum 412. Nationaldenkmal der USA - in einer Reihe mit der Freiheitsstatue.

Shawn Gazela, Park-Ranger des National Park Service erklärt seither hier den Besuchern, wie es damals im Land und in New York war, bevor Schwule und Lesben hier aufstanden, um für ihre Rechte zu kämpfen: "1969, als der Aufstand begann, war es hier nicht illegal, schwul zu sein, aber niemand durfte weniger als drei Kleidungsstücke tragen, die nicht zum Geschlecht passten. Kein Mann durfte die Hand eines anderen halten, Alkohol an Schwule auszuschenken, war verboten", erzählt Gazela.

Alle Seiten der US-Geschichte erzählen

Hier im Stonewall begann an jenem Freitag dem 27. Juni 1969 in der Christopher Street, was jetzt Teil der amerikanischen Geschichte ist: Der Aufstand von Schwulen, Lesben, Transgender gegen Polizeigewalt und gegen Unterdrückung. 3,1 Hektar ist das jüngste Nationaldenkmal groß. Ein Park, die Straße, das Stonewall Inn. Auch darum nämlich gehe es beim National Park Service, sagt der Park-Ranger. Alle Seiten, nicht nur die schönen, der amerikanischen Geschichte zu erzählen: "Es geht auch um die hässlichen Seiten. Sklaverei, den Bürgerkrieg. Oder eben auch um die Unterdrückung der LGBT-Community im Land."

Gerade arbeiten sie daran, Führungen zu entwickeln, Besuchern nahezubringen, was dieser Ort bedeutet. Zwei Park-Ranger sind von 12 bis 20 Uhr dort. Verteilen Broschüren, beantworten Fragen. Hier gehe es um Geschichten von Menschen, das wolle er den Besuchern nahebringen, sagt Gazela, der Park-Ranger, der stolz ist, hier Dienst tun zu dürfen.

Denkmal für die Ewigkeit

Stonewall National Monument - 2015 war es, als der Gouverneur von New York genau hier erstmals vom Obersten Gerichtshof genehmigt ein schwules Paar traute. Geschichte auch das. Der Jubel hallte durch die Christopher Street. Heute sitzen hier Touristen, staunen und stehen vor der Statue zweier ganz in Weiß gefärbter Männer, die sich an der Schulter halten. Ein Nationaldenkmal der etwas anderen Art. Eins, sagt Shawn, das egal was in den USA passiere, jetzt für die Ewigkeit Denkmal bleiben werde: "Das ist und wird, solange die amerikanische Regierung besteht, ein Nationaldenkmal bleiben. Es wird immer geschützt sein. Das kann niemanden widerrufen."

Nationalparks werden vom Kongress benannt, Nationaldenkmäler vom Präsidenten. Eliott, der alte Mann, der seit Jahrzehnten hier neben dem Park wohnt und damals den Aufstand aus der Ferne sah, ist Obama unendlich dankbar. Und Tommy Lennigan Schmidt, der sich selbst den letzten Überlebenden der Stonewall Riots nennt, sagt, Obama habe als erster Präsident Stonewall in einer Antrittsrede erwähnt - und damit Geschichte geschrieben und Stonewall für die Geschichte bewahrt.

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