Warnschilder zum Coronavirus auf Mallorca | REUTERS

Nach Reisewarnung Neue Maßnahmen und Proteste auf Mallorca

Stand: 17.08.2020 18:07 Uhr

Auf Mallorca gehen Beschäftigte und Unternehmer aus der Tourismusbranche auf die Straße und verlangen mehr Unterstützung vom Staat. Der hat die Corona-Regeln für Urlauber nun noch einmal verschärft.

In Calvià auf Mallorca sind Beschäftigte der Tourismusbranche auf die Straße gegangen und forderten in der Corona-Krise mehr Hilfe vom spanischen Staat. Seit das spanische Festland und die Balearen wegen steigender Corona-Fälle offiziell zum Risikogebiet erklärt wurden, fürchten viele um ihre Existenz, weil nun kaum noch Urlauber kommen.

Auf Plakaten der Demonstranten standen Sätze wie: "Wenn uns Corona nicht tötet, bringt uns der Hunger um" oder "Wir lieben Touristen und haben ein Recht auf Arbeit". Die Protestler forderten unter anderem eine Ermäßigung der Müllgebühren und der Grundsteuer sowie staatliche Beihilfen zu laufenden Kosten wie Miete und Wasser. Etwa 35 Prozent der Wirtschaftsleistung der Inselgruppe stammen in normalen Zeiten aus dem Tourismus.

Das Nachtleben in den Partyzonen von Mallorca ist schon jetzt stark eingeschränkt - Diskos und Clubs sind geschlossen - nun kommt ein Verbot von Feiern am hellichten Tag hinzu. Als Beispiel nennt die Balearen-Regierung organisierte Partys an Swimmingpools. Außerdem dürfen künftig keine Partyboote mehr von den Häfen der Balearen auslaufen. Bisher galt hier nur eine Besucherlimit von 70 Menschen.

Kritik von Reiseveranstaltern

Zudem verbietet die Regionalregierung das Training bei Sportvereinen für die kommenden zwei Wochen, um Körperkontakt zwischen Sportlern zu verhindern. Sportwettkämpfe sind auf den Herbst verschoben.

Von den großen Tourismusunternehmen kommt Kritik zur offiziellen Reisewarnung. "Sie schadet Mallorca und verunsichert die Verbraucher", sagte Mark Tantz, Geschäftsführer von DER Touristik Deutschland. "Es ist wichtig, dass Urlauber Klarheit über ihre Reisemöglichkeiten haben." Dafür sei es notwendig, dass zwischen differenzierten Reisehinweisen und Reisewarnungen ganz klar unterschieden würde.

Tui bittet Gäste um Rückreise

Auch der Reiseanbieter Tui bedauere, dass es eine Reisewarnung für ganz Mallorca gebe statt für die Stadt Palma oder regional betroffene Orte der Insel. "Viele Gäste melden sich bei uns und möchten bleiben", so ein Tui-Sprecher. Im Hotel oder auf einer Finca auf dem Land seien sie weit entfernt von Partys. Der Veranstalter hat keine Wahl und bittet seine Gäste, in den nächsten sieben Tagen die Rückreise anzutreten. Tui hat Reisen nach Mallorca zunächst bis zum 24. August abgesagt.

Einige Anbieter lassen ihren Kunden dagegen freie Wahl, ob sie vorzeitig abreisen, oder den Urlaub wie geplant fortsetzen wollen. "Wir überlassen es den Kunden, ob sie ihren Urlaub auf Mallorca verbringen möchten", so Willi Verhuven, Geschäftsführer von Alltours. Er verwies auf Äußerungen von Außenminister Heiko Maas, wonach eine Reisewarnung kein Reiseverbot sei.

Viele Gäste wollen bleiben

Auch der Anbieter FTI lässt Pauschalurlaubern die Wahl. "Viele Gäste haben sich aber dafür entschieden, ihren Urlaub wie geplant fortzusetzen", sagte Ralph Schiller, FTI-Geschäftsführer. Insgesamt boten die Reiseveranstalter rund 30.000 Pauschaltouristen die Rückreise an.

Die Lufthansa hält unterdessen mit der Tochter Eurowings ihr Mallorca-Angebot von 180 Flügen aus Deutschland pro Woche aufrecht. Es gebe weiterhin genug Nachfrage von Menschen, die reisen wollten oder gar müssten, bestätigte ein Unternehmenssprecher.

Mit Informationen von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid