Ermittlungen im Fall Skripal | Bildquelle: AP

Fall Skripal GRU-Agent soll Anschlag koordiniert haben

Stand: 30.06.2019 11:54 Uhr

Die britische Regierung macht zwei Agenten des GRU für den Gift-Anschlag auf Skripal verantwortlich. Doch offenbar war auch ein dritter Agent beteiligt. Er soll die Aktion aus London koordiniert haben.

Ein hochrangiges Mitglied des russischen Militärgeheimdienstes GRU soll den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal im südenglischen Salisbury koordiniert haben. Das geht aus einem Bericht des Recherchenetzwerks "Bellingcat" in Zusammenarbeit mit der BBC hervor.

Der GRU-Mann befand sich demnach zum Zeitpunkt des Anschlags in London und kommunizierte mittels verschiedener Messengerdienste mit den ausführenden Agenten. Der ehemalige Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren im März 2018 dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok ausgesetzt worden. Beide entgingen nur knapp dem Tod.

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Gängiges Einsatzmuster des GRU

Den Recherchen von "Bellingcat" und BBC zufolge war es GRU-Generalmajor Denis Sergejew, der die beiden Agenten anwies. Sergejew habe sich im März 2018 in London aufgehalten, heißt es in dem Bericht. Auswertungen von Telefondaten hätten ergeben, dass er mittels Messengerdiensten wie Whatsapp und Telegram sowohl mit den beiden Agenten als auch mit dem GRU-Hauptquartier in Moskau in Kontakt stand. "Beweise, die wir zu anderen internationalen Operationen desselben Teams erhalten haben, deuten daraufhin, dass dies ein gängiges Einsatzmuster des GRU ist", heißt es weiter.

Demnach hatte sich Generalmajor Sergejew auch in Bulgarien aufgehalten, als dort 2015 ein Waffenhändler auf die gleiche Weise wie Skripal vergiftet wurde. Die bulgarischen Behörden haben die Ermittlungen in diesem Fall wieder aufgenommen.

Westliche Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, den Anschlag als Vergeltung für Skripals Tätigkeit als Doppelagent veranlasst zu haben. Der Kreml weist diese Darstellung zurück. Die britische Regierung macht zwei Agenten des GRU für den Anschlag verantwortlich.

May spricht von "unverantwortlichem" Verhalten

Auf dem G20-Treffen in Osaka hatte die britische Premierministerin Theresa May mit Blick auf den Fall Skripal von Russlands Präsident Wladimir Putin ein Ende seines "destabilisierenden Vorgehens" verlangt. May habe das Verhalten Russlands gegenüber dem Vereinigten Königreich "und seinen Alliierten" als "unverantwortlich" bezeichnet, teilte ihr Sprecher am Rande des G20-Gipfels mit.

May habe gegenüber Putin betont, ihr Land verfüge über "unbestreitbare Belege" dafür, dass Russland für den Anschlag auf Skripal verantwortlich sei. Es könne "keine Normalisierung der bilateralen Beziehungen" geben, bis Russland seine Destabilisierungsmaßnahmen beendet habe. Dazu zählten "feindselige Interventionen in anderen Ländern, Desinformation und Cyberattacken".

Der russische Staatschef hatte kürzlich erklärt, 15 Monate nach dem Attentat auf Skripal sei es an der Zeit, "endlich ein neues Kapitel" in den angespannten Beziehungen zwischen Moskau und London aufzuschlagen.

Über dieses Thema berichtete MDR Sputnik am 12. April 2019 um 18:57 Uhr.

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