Italiens Innenminister Salvini in Rom | Bildquelle: AP

Streit über Rettungsschiffe Salvini wirft Deutschland "Erpressung" vor

Stand: 01.08.2019 19:35 Uhr

"Miserable Signale" seien aus Berlin gekommen, das Verhalten der Bundesregierung komme einer "Erpressung" gleich: Italiens Innenminister Salvini wettert gegen Deutschland. Es geht - mal wieder - um Rettungsschiffe.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat Deutschland "Erpressung" bei der Verteilung von Migranten von Rettungsschiffen vorgeworfen. "Von der deutschen Regierung sind miserable Signale gekommen", sagte der Chef der rechten Lega dem Sender Sky TG24. Berlin habe die Aufnahme von 30 Geretteten des italienischen Küstenwachenschiffs "Gregoretti" an die Bedingung geknüpft, dass die 40 Migranten auf dem deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" in Italien an Land dürften.

Dies sei "im Grunde genommen eine Erpressung seitens der deutschen Regierung", sagte Salvini. Wenn die "Alan Kurdi" in italienische Gewässer einfahre, werde man das Schiff "in Besitz nehmen". Italien sei "niemandes Flüchtlingscamp", so der Minister und benutzte Kraftausdrücke, die man mit "Ich habe die Nase voll" übersetzen könnte.

Als Beleg für seine Vorwürfe führte Salvini eine E-Mail an, die er über die europäische Kommission erhalten habe. Das Auswärtige Amt nahm dazu bisher noch nicht Stellung.

"Alan Kurdi" hält sich an Verbot

Das Schiff der Regensburger Organisation Sea-Eye hatte die Migranten diese Woche vor Libyen gerettet und wartet derzeit südlich der italienischen Insel Lampedusa auf eine Lösung. Salvini hat dem Schiff die Einfahrt verboten. Die Organisation werde sich nicht über das Verbot hinwegsetzen, sagte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler. "Es ist nicht unsere Aufgabe, uns mit der italienischen Regierung anzulegen."

Die Lage an Bord sei stabil. Sea-Eye werde die italienische Regierung aber auffordern, 15 Minderjährige, darunter drei Kleinkinder, sowie deren Eltern und eine Schwangere von Bord zu bringen. Die meisten Migranten an Bord stammen laut Sea-Eye aus der Elfenbeinküste oder aus Kamerun.

Die "Gregoretti" hatte zuvor mehr als 100 Migranten aufgenommen. Auch ihr hatte Salvini zunächst untersagt, einen italienischen Hafen anzulaufen - obwohl sie zur eigenen Küstenwache gehört. Später hatte die Regierung in Rom dem Schiff das Anlegen erlaubt, aber verboten, die Flüchtlinge von Bord zu lassen. Inzwischen haben sich mehrere EU-Länder geeinigt, die Geretteten aufzunehmen, darunter auch Deutschland. Damit durften die Menschen an Land.

Mit Informationen von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom.

Italiens Innenminister wirft deutscher Regierung Erpressung vor
Lisa Weiß, ARD Rom
01.08.2019 18:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 01. August 2019 um 21:33 Uhr.

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