US-Vizepräsident Pence beim Corona-Briefing im Weißen Haus. Im Hintergrund: Chef-Immunologe Fauci. | Bildquelle: MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/Shutter

Coronavirus in den USA Pence sieht Erfolg trotz Infektionsrekord

Stand: 26.06.2020 21:55 Uhr

Fast 40.000 gemeldete Corona-Fälle an einem Tag - das ist ein neuer Tageshöchststand in den USA. Vizepräsident Pence sieht trotzdem "bemerkenswerte Fortschritte" im Kampf gegen das Virus. Chef-Immunologe Fauci ist weniger euphorisch.

Trotz Rekordzahlen bei Corona-Neuinfektionen in den USA sieht US-Vizepräsident Mike Pence deutliche Erfolge im Kampf gegen das Virus. "Wir haben wirklich bemerkenswerte Fortschritte gemacht", sagte Pence beim ersten Briefing der Coronavirus-Taskforce des Weißen Hauses seit fast zwei Monaten. Zwar steige die Zahl der bestätigten Neuinfektionen besonders in südlichen Bundesstaaten. Die Zahl der Todesopfer sinke aber landesweit. Die Lage sei daher deutlich besser als vor zwei Monaten. Es gebe ausreichend medizinische Ausrüstung wie Beatmungsgeräte und Gesichtsmasken.

Südliche Bundesstaaten besonders betroffen

Mit fast 40.000 gemeldeten Fällen hatte die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA am Donnerstag nach Statistiken der Johns-Hopkins-Universität einen neuen Höchststand erreicht. Bereits in den vergangenen zwei Wochen hatten die Infektionszahlen im Süden der USA dramatisch zugenommen, nachdem dort die meisten von Corona-Beschränkungen wieder aufgehoben worden waren.

Der führende US-Immunologe in der Corona-Krise, Anthony Fauci, sagte bei dem Briefing mit Pence, in bestimmten Gegenden stehe man vor ernsten Problemen. Angesichts der Entwicklung planen einige Bundesstaaten, angekündigte Lockerungen vorerst nicht umzusetzen. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge betrifft das etwa Texas, Arizona, Florida oder New Mexico.

Hohe Zahlen wegen vieler Tests?

Pence - der der Coronavirus-Taskforce im Weißen Haus vorsteht - sagte, viele der Fälle von Neuinfektionen beträfen junge Menschen, die oft keinerlei Symptome zeigten und von denen nur wenige infolge einer Covid-19-Erkrankung sterben würden. Fauci mahnte die Jungen, Rücksicht auf andere zu nehmen. Denn auch wenn sie weniger gefährdet seien, könnten sie andere anstecken.

Die steigende Zahl der bestätigten Neuinfektionen führte Pence auf eine Ausweitung von Tests zurück - und folgte damit der Argumentation von US-Präsident Donald Trump.

Trump hatte die steigenden Fallzahlen schon vor Bekanntwerden des Rekords heruntergespielt. "Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine Fälle", sagte Trump in einem Interview des Senders Fox News. Die USA hätten bislang rund 30 Millionen Menschen auf das Virus getestet.

Pence verteidigt Wahlkampfveranstaltungen

Pence nutzte das Briefing, um die Wiederaufnahme von Wahlkampfveranstaltungen zu verteidigen, für die Trump von Gesundheitsexperten kritisiert worden war. "Die Freiheit der Rede, das Recht, sich friedlich zu versammeln, sind in der Verfassung der Vereinigten Staaten verankert. Und wir haben im Herbst diesen Jahres eine Wahl vor uns", sagte Pence. Auch in einer Gesundheitskrise hätten die Amerikaner ihre verfassungsmäßigen Rechte. Er rief dazu auf, weiterhin den Richtlinien zum Schutz vor einer Ausbreitung des Virus zu folgen.

Insgesamt haben sich laut Johns-Hopkins-Universität 2,4 Millionen Menschen in den USA offiziell mit dem Coronavirus angesteckt. Die Gesundheitsbehörde CDC schätzt allerdings, dass bisher wahrscheinlich nur ein Bruchteil der Infektionen erfasst wurde. "Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen", sagte CDC-Direktor Robert Redfield.

Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, kritisierte die Regierung für ihren Umgang mit der Corona-Krise. Der Widerstand gegen die Wissenschaft, das "Leugnen" und die verspätete Reaktion auf die Pandemie habe zu Todesfällen geführt, sagte Pelosi.

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