Italiens Innenminister und Vizepremier Matteo Salvini gestikuliert bei einer Pressekonferenz (Archivbild). | Bildquelle: AP

"Sea-Watch 3"-Kapitänin Rackete will Salvini verklagen

Stand: 05.07.2019 15:22 Uhr

Italiens Innenminister Salvini hat die "Sea-Watch"-Kapitänin Rackete beleidigt, ihr gedroht und sie belächelt - nun will sie mit einer Klage wegen Verleumdung gegen den Politiker vorgehen.

Die untergetauchte Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete, hat über ihren Anwalt eine Klage gegen Italiens Innenminister Matteo Salvini angekündigt. Die Klage sei schon vorbereitet, sagte Racketes Anwalt Alessandro Gamberini im italienischen Rundfunk.

"Nervensäge", "verbrecherisch", "verwöhnte Kommunistin"

Basis der Klage wegen Verleumdung seien die Beleidigungen Salvinis gegen die Kapitänin. Er hatte Rackete etwa als "Nervensäge" und "verbrecherische Kapitänin" betitelt und ihr vorgeworfen, sie habe den Tod italienischer Militärangehöriger riskiert. Zuletzt bezeichnete Salvini die aus Schleswig-Holstein stammende 31-Jährige als "reiche deutsche und verwöhnte Kommunistin".

Es sei nicht einfach gewesen, alle Beleidigungen, die Salvini in den vergangenen Wochen verbreitet habe, zu sammeln, sagte Gamberini dem Radiosender Cusano Campus weiter. Zudem habe Salvini zu strafbaren Handlungen aufgerufen, was umso schwerwiegender sei, da es ein Innenminister getan habe.

"Schwer, dem Hass mit einer Klage entgegenzutreten"

Mit der Klage wolle Rackete ein Zeichen setzen. Salvini sei es, "der den Hass bewegt", sagte Gamberini, doch es sei schwer, mit einer Verleumdungsklage diesem Hass entgegenzutreten:

"Es ist, wie mit einem Eimer den Sand aus dem Meer zu schaufeln."

Italiens Vize-Regierungschef Salvini bei einer Rede | Bildquelle: ETTORE FERRARI/EPA-EFE/REX/Shutt
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Italiens Innenminister Salvini muss mit einer Klage wegen Verleumdung durch "Sea-Watch"-Kapitänin Rackete rechnen.

Rackete seit Freilassung untergetaucht

Rackete war als Kapitänin des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3" am Wochenende in den Hafen von Lampedusa gesteuert - ohne Genehmigung der italienischen Behörden. Auf dem Schiff befanden sich 40 Migranten. Zwei Wochen lang hatte die "Sea-Watch 3" auf offener See darauf gewartet, in einen Hafen einfahren zu können. Zuletzt hatte Rackete wegen der kritischen Bedingungen und mangelnden Versorgung den Notstand an Bord erklärt.

Nachdem sie in Lampedusa eingefahren war, wurde Rackete festgenommen und unter Hausarrest gestellt. Am Dienstag hatte eine Richterin die Festnahme für ungültig erklärt. Rackete kam frei und hält sich seitdem an einem geheimen Ort auf - laut ihrem Vater befindet sie sich aber nach wie vor in Italien. Am kommenden Dienstag ist eine Anhörung angesetzt, da Rackete Beihilfe zur illegalen Migration vorgeworfen wird.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juli 2019 um 15:00 Uhr.

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