Militär in Idlib | via REUTERS

Syrien-Konflikt Waffenruhe in Idlib in Kraft getreten

Stand: 06.03.2020 05:04 Uhr

Im syrischen Idlib ist die von Russland und der Türkei vereinbarte Waffenruhe um Mitternacht in Kraft getreten - und es herrscht wohl "relative Ruhe". Die EU-Außenminister treffen sich heute, um die Lage zu beraten.

In der seit Monaten heftig umkämpften nordsyrischen Provinz Idlib ist in der Nacht eine zwischen Russland und der Türkei vereinbarte Waffenruhe in Kraft getreten. Kurz nach Inkrafttreten der Feuerpause um Mitternacht (Ortszeit) herrschte in der Region eine "relative" Ruhe, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Weder die syrische Regierungsarmee noch die mit ihr verbündeten russischen Verbände hätten zunächst ihre Luftangriffe in Idlib fortgesetzt. 

Die EU-Außenminister wollen heute über die Situation in dem Bürgerkriegsland Syrien beraten. Das Krisentreffen in Zagreb war kurzfristig angesetzt worden, nachdem sich die Lage in der syrischen Provinz Idlib zuletzt immer weiter verschärft hatte. Nach Angaben von Bundesaußenminister Heiko Maas ist die Waffenruhe Voraussetzung für humanitäre Hilfe. Deutschland habe die UN unterrichtet, dass es kurzfristig bereit sei, zusätzliche 100 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Zudem seien laut Maas mehrere EU-Staaten bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, die sich an der Grenze zu Griechenland aufhalten.

Noch einige Stunden vor der Waffenruhe hatte die türkische Armee Stellungen der syrischen Regierungsarmee mit Drohnen angegriffen, wie das Verteidigungsministerium in Ankara mitteilte. Bei diesen Angriffen um 16.00 Uhr Ortszeit seien 21 syrische Soldaten "neutralisiert" worden.  Die türkischen Drohnenangriffe waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums ein Vergeltungseinsatz für die Tötung von mehr als 30 türkischen Soldaten durch die syrischen Regierungstruppen in jüngster Zeit. 

Gefechte in anderen Landesteilen

Während nach Mitternacht laut der Beobachtungsstelle dann "relative" Ruhe eintrat, feuerte die syrische Regierungsarmee in an die Provinz angrenzenden Gebieten von Aleppo und Hama mehrfach Artillerie auf Positionen der Aufständischen ab. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort. Die Angaben der Aktivisten-Organisation sind von unabhängiger Seite oft kaum nachprüfbar.

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte die Hoffnung, dass die Feuerpause in eine "dauerhafte" Einstellung der Kämpfe mündet. Die Bevölkerung in Idlib habe bereits "enormes Leiden" hinter sich, erklärte Guterres in New York. Er forderte die Konfliktparteien zur Einleitung eines politischen Prozesses auf.

Putin und Erdogan vereinbarten Waffenruhe

Russlands Präsident Wladimir Putin und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatten sich bei einem Treffen gestern in Moskau auf die Waffenruhe geeinigt. Es soll zudem einen Sicherheitskorridor entlang einer strategisch wichtigen Autobahn geben. Russland und die Türkei unterstützen in dem Konflikt die verfeindeten Parteien. Moskau steht an der Seite der syrischen Regierungstruppen, deren Gegner werden teilweise von der Türkei unterstützt.

Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin | MICHAEL KLIMENTYEV/SPUTNIK/KREML

Erdogan und Putin hatten mehr als sechs Stunden lang über die Lage in Idlib beraten. Bild: MICHAEL KLIMENTYEV/SPUTNIK/KREML

In Idlib gehen die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad mit russischer Unterstützung seit Dezember massiv gegen die letzten Hochburgen islamistischer Milizen vor. Knapp eine Million Menschen sind seitdem nach UN-Angaben in die Flucht getrieben worden. 

Karte des Sicherheitskorridors entlang der M4 in Idlib

Entlang der Schnellstraße M4 soll ein zwölf Kilometer breiter Sicherheitskorridor durch die Provinz Idlib führen, auf dem russische und türkische Truppen patrouillieren.

Die Türkei startete ihrerseits vor einigen Tagen eine große Militäroffensive gegen die Regierungstruppen in der Region, nachdem bei einem syrischen Luftangriff auf türkische Beobachterposten 34 Soldaten getötet worden waren. Am Donnerstag wurden zwei weitere türkische Soldaten bei Beschuss durch die syrische Regierungsarmee getötet, wie das Verteidigungsministerium in Ankara mitteilte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. März 2020 um 04:55 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
AA 06.03.2020 • 10:29 Uhr

um 09:10 von andererseits

Sie haben vergessen wer den Krieg in Syrien angefangen hat. Die EU und vor allem D hat 2011 als erstes Kindermedikamenten Sanktionen gegen Syrien eingeführt um dort Unruhe zu stiften. Die USA, NATO und die EU haben erst den Chaos entstehen lassen und die IS großgezogen. Das war weder Putin noch Erdogan die den IS installierten. Also schieben sie nicht die Schuld auf andere. Ich kann mich noch ganz gut erinnern was für ein Land Syrien vor IS war. Keiner wollte aus Syrien raus. Jetzt hat der Werte Westen das Land ruiniert, wie den gesamten Nahen Osten, siehe Irak, Libyen und wäscht sich die Hände in Unschuld. Suchen sie die Schuld bei sich, bevor sie jemand anderen anprangern. Wie ich sehe ist es jetzt große Mode geworden. Russland und Putin an allem Schuld geben. In D wird immer lauter die Stimme das UdSSR den zweiten Weltkrieg angefangen hat.Soweit sind wir schon.