Demonstration gegen Rassismus in Amsterdam | REUTERS

Tod von George Floyd Proteste und Kniefall weltweit

Stand: 01.06.2020 21:56 Uhr

Demos von Amsterdam bis New York: Weltweit drücken viele ihre Anteilnahme und Wut aus nach dem Tod des Schwarzen Floyd. Fußballprofis und Prominente solidarisieren sich mit dem Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Eine Woche nach Tod des schwarzen US-Amerikaners Georg Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz wird nicht nur in Dutzenden Städten der USA demonstriert. Auch in anderen Ländern sind die Anteilnahme und Solidarität groß.

In Amsterdam versammelten sich etwa 10.000 Menschen und riefen "I can't breathe" ("Ich bekomme keine Luft") und "Black lives matter" ("Das Leben von Schwarzen zählt"). Viele ignorierten dabei die Corona-Abstandsregeln. Proteste gab es auch in Berlin und Zürich. Im Laufe der Woche sind Aktionen in London, Paris und mehreren australischen Städten geplant.

Fußballer solidarisieren sich

Die Fußball-Profis des englischen Tabellenführers FC Liverpool schlossen sich mit einem symbolischen Kniefall den Protesten an. Die Spieler des deutschen Trainers Jürgen Klopp stellten sich während des Trainings am Anstoßkreis auf und knieten nieder, um ihre Unterstützung zu zeigen. Am Wochenende hatten auch einige Bundesliga-Profis mit Armbinden, T-Shirts und Gesten ihre Empörung über den Tod Floyds ausgedrückt.

Auch in den USA selbst war die Geste des Kniefalls zu sehen. So knieten sich immer wieder Polizisten vor Demonstranten hin, um ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen.

Ein Polizist kniet vor Demonstranten in New York. | AFP

Geste der Solidarität mit Opfern rassistischer Gewalt: ein Polizist bei Protesten in New York Bild: AFP

"The Show Must Be Paused"

Am Dienstag will die US-Musikbranche ein Zeichen setzen - und eine Pause einlegen. Den bekannten Slogan "The Show Must Go On" ("Die Show muss weitergehen") wandelten sie dafür um in "The Show Must Be Paused" ("Die Show muss pausieren"). Mehrere große Plattenfirmen beteiligen sich, wie Atlantic Records, Capitol Music, Warner Records und Sony Music. Columbia Records betonte, der Tag sei kein freier Tag, sondern ein Moment, in dem darüber nachgedacht werden solle, wie es gemeinsam "in Solidarität" weitergehen könne. "Wenn die Musik aus ist, können wir vielleicht wirklich zuhören."

Auch viele große US-Unternehmen positionierten sich, verurteilten Rassismus und äußerten Sympathie mit den friedlichen Demonstranten. So sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg: "Wir stehen an der Seite der 'Black Community'". Ähnliche Botschaften kamen von Intel, Netflix, Google und Nike.

Obama: "Wut für Veränderungen nutzen"

Der frühere US-Präsident Barack Obama rief dazu auf, berechtigte Wut über Missstände im Land auf friedliche Weise für echte Veränderungen zu nutzen. Dann könne dieser Moment ein wirklicher Wendepunkt werden. Die Proteste seien Ausdruck einer echten und legitimen Enttäuschung über ein "jahrzehntelanges Versagen" bei der Reform von Polizei und Strafjustiz in den Vereinigten Staaten. Am Ende müssten Forderungen aber in Gesetze und institutionelles Handeln übertragen werden.

Obama forderte von den Demonstranten, auf Gewalt zu verzichten. Wer wolle, dass die Strafjustiz und die amerikanische Gesellschaft insgesamt höheren ethischen Maßstäben folgt, der müsse diese Maßstäbe selbst vorleben.

Trump fordert hartes Durchgreifen

Unterdessen lenkte Präsident Donald Trump den Blick erneut auf die gewalttätigen Demonstranten und Plünderer und verlangte ein härteres Vorgehen. In einer Videokonferenz warf er den Gouverneuren der einzelnen Bundesstaaten vor, zu zurückhaltend zu agieren. "Die meisten von Ihnen sind schwach", sagte Trump an die Gouverneure gerichtet. "Sie müssen Leute festnehmen, Sie müssen sie verfolgen, Sie müssen sie zehn Jahre ins Gefängnis stecken und Sie werden dieses Zeug nie wieder sehen."

Auf die Forderung, der Präsident solle sich mit einer Ansprache an die Nation wenden, reagierte das Weiße Haus zurückhaltend. Sprecherin Kayleigh McEnany machte - wie zuvor Trump selbst - die linke und antifaschistische Gruppe Antifa für Gewaltausbrüche verantwortlich. "Eine nationale Ansprache aus dem Oval Office wird die Antifa nicht stoppen", sagte sie dem Fernsehsender Fox News. "Was die Antifa stoppen wird, sind Taten." Sie drängte die Gouverneure der Bundesstaaten, verstärkt die Nationalgarde einzusetzen.

Das US-Justizministerium teilte mit, dass es von der Antifa und ähnlichen Gruppen angestiftete und ausgeführte Gewalt im Zusammenhang mit den Unruhen als einheimischen Terrorismus ansehe und entsprechend behandeln werde.

"Unruhen bringen meinen Bruder nicht zurück"

Der Bruder von George Floyd rief die Menschen zu friedlichen Protesten auf. "Ich verstehe, dass ihr sauer seid", sagte Terrence Floyd durch ein Megafon vor einer Menschenmenge in Minneapolis. Unruhen und Vandalismus würden seinen Bruder aber nicht zurückbringen. Vor seiner Ansprache verharrte er mehrere Minuten lang schweigend an jener Kreuzung, wo ein weißer Polizist seinem Bruder vor einer Woche das Knie so lange in den Hals gedrückt hatte, bis er nicht mehr atmen konnte und schließlich starb.

George Floyds Bruder Terrence  | CRAIG LASSIG/EPA-EFE/Shutterstoc

Terrence Floyd beim Gedenken an seinen Bruder George Bild: CRAIG LASSIG/EPA-EFE/Shutterstoc

Neue Autopsie - neues Ergebnis

Der Anwalt der Familie von George Floyd veröffentlichte das Ergebnis einer von ihr in Auftrag gegebenen Autopsie der Leiche Floyds. Demnach führte der auf seinen Hals und seinen Rücken ausgeübten Druck zum Erstickungstod. Das Ergebnis steht damit im Widerspruch zur amtlichen Untersuchung, der zufolge es "keine physischen Beweise" gebe, "die die Diagnose einer traumatischen Erstickung oder Strangulation stützen".

Auch eine zweite, unabhängige Autopsie bestätigte, dass dieser bei einem Polizeieinsatz vergangene Woche erstickt ist. "Die Beweise belegen das mechanischen Ersticken als gewaltsame Todesursache", sagte Dr. Allecia Wilson von der Universität in Michigan. Sie ist eine der beiden Gerichtsmediziner, die die unabhängige Untersuchung durchführten. Der auf Floyds Hals und seinen Rücken ausgeübte Druck habe zum Erstickungstod geführt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juni 2020 um 20:00 Uhr.