Der Strand von Hurghada am Rotes Meer in Ägypten | Bildquelle: AFP

Müllproblem in Ägypten Plastikverbot am Roten Meer

Stand: 01.06.2019 03:25 Uhr

Tüten, Flaschen, Zahnbürsten - im Roten Meer in Ägypten sammelt sich der Plastikmüll. Weil die touristische Region von Delfinen, Korallen und Fischen abhängt, gilt in einer Provinz des Landes nun ein Plastikverbot.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Vor der Küste von Hurghada ist das Wasser so klar, dass die Korallen und Clownsfische von der Oberfläche aus zu sehen sind. Aus der Ferne nähert sich eine Gruppe Delfine: fünf, sechs, sieben große Tiere. In Paaren schnellen sie durchs Wasser, drehen sich um die eigene Achse, tauchen auf und holen Luft. Eine Weile lassen sie sich bestaunen, dann nehmen sie Kurs aufs offene Meer.

"Die Tiere haben gespielt", erklärt Tauch-Guide Andreas Krieg das Verhalten der Delfine. Einige hätten sich in der Schlafphase befunden, andere in der Spielphase. "Hast du gesehen, dass sie auch mit der Qualle gespielt haben?"

Fische an einem Korallenriff vor der Küste Hurghadas im Roten Meer in Ägypten | Bildquelle: AFP
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Fische an einem Korallenriff vor der Küste Hurghadas. "Plastiktüten sehen oft aus wie Nahrung", sagen Wissenschaftler.

Neugierde wird zum Verhängnis

Diese Neugierde wird den Tieren leicht zum Verhängnis. Denn sie spielen auch mit Plastiktüten - und davon gibt es im Roten Meer jede Menge. Der Müll von Einheimischen und Touristen landet häufig im Wasser.

Und später finde er sich im Magen der Tiere, sagt die Schweizer Zoologin Angela Ziltener. Sie erforscht das Verhalten von Delfinen im Roten Meer. "Plastiktüten zum Beispiel sehen oft aus wie Nahrung", so Ziltener. Schildkröten würden Quallen jagen und fressen. Sie würden Plastiktüten mit Nahrung verwechseln. Delfine würden mit allem spielen, was herumschwimmt, auch mit Plastik. Das könne tödlich enden, wenn sie sich darin verheddern.

Verbot gilt 800 Kilometer bis zum Sudan

Verendende Tiere, Strände voller Plastikmüll - das will der Gouverneur der ägyptischen Provinz Bahr Al-Ahmar, Ahmed Abdallah, unbedingt vermeiden. Er hat ein Verbot für Einwegplastik erlassen. Es gilt seit Beginn des Monats Juni. In Hurghada und bald auch in anderen Orten der Provinz dürfen Supermärkte keine Plastiktüten mehr ausgeben. Kunden müssen auf Strohhalme und Einwegbesteck verzichten.

Das Verbot gilt zwar nur in der Provinz Bahr Al-Ahmar. Doch die erstreckt sich etwa 800 Kilometer am Roten Meer entlang bis zur Grenze zum Sudan. Ahmed Abdallah will sicherstellen, dass die Gegend attraktiv bleibt.

Taucher sammeln Plastikmüll an einem Korallenriff vor der Küste Hurghadas im Roten Meer in Ägypten | Bildquelle: AP
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Taucher sammeln Plastikmüll an einem Korallenriff vor der Küste Hurghadas.


Tourismus die wichtigste Einkommensquelle

"Für uns hier in Hurghada und in der Provinz Rotes Meer ist der Tourismus die wichtigste Einkommensquelle", sagt Abdallah. Er wolle die Branche bewahren und die Qualität steigern. "Und um die Qualität zu steigern, müssen wir auch auf die Umwelt und die Gesundheit achten."

Überzeugt hat den Gouverneur die ägyptische Nichtregierungsorganisation HEPCA. Die setzt sich schon seit Jahren für das Verbot von Einwegplastik ein. Dabei gehe es nicht allein um den Umweltschutz, sagt die stellvertretende Direktorin Heba Shawky: "Wir wollen mehrere Ziele erreichen. Zuallererst geht es uns um die Gesundheit der Menschen. Außerdem wollen wir die Mentalität der Menschen ändern, indem wir ihnen klar machen, dass wir ohne Plastik auskommen können und dass uns Plastik schadet." Darüber hinaus wolle HEPCA Plastik reduzieren, "weil es im Meer landet und unsere natürlichen Ressourcen zerstört", so Shawky.

Umweltschutz für viele ein Luxusproblem

Das ist keine leichte Aufgabe in einem Land, in dem viele Menschen ihren Müll überall entsorgen: am Straßenrand, auf den Feldern, im Fluss. Wie schädlich Plastik für die Umwelt, aber auch für die Menschen sein kann, ist vielen Ägyptern nicht bewusst.

Armut und Analphabetismus sind weit verbreitet. Umweltschutz wirkt auf viele wie ein Luxusproblem. Das ist ein Grund, warum längst nicht alle Einheimischen vom Plastikverbot überzeugt sind.

Fische an einem Korallenriff vor der Küste Hurghadas im Roten Meer in Ägypten | Bildquelle: AFP
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Viele Menschen in Ägypten entsorgen ihren Müll am Straßenrand, auf den Feldern, im Fluss. Am Ende landet vieles im Meer.

Plastiktüten - selbstverständlicher Service

In dem kleinen Supermarkt von Abdallah Gad in Hurghada stapelt sich die Ware bis unter die Decke. Die Regale sind vollgepackt mit Schuhputzzeug, Waschpulver und Geschirrspülmittel. Kinder aus der Nachbarschaft kaufen Eis und Schokoriegel. Männer und Frauen besorgen Batterien, Brot oder eine Packung Reis. Fast alle nehmen auch eine oder gleich mehrere Plastiktüten - für Inhaber Abdallah Gad ein Service, der einfach dazugehört. Auf Papiertüten umzusteigen, wie der Gouverneur es will, kann sich der Händler noch nicht vorstellen.

"Ein Kilo Plastik ergibt 200 Tüten. Damit kann ich 200 Kunden bedienen - für 30 Pfund. Aber wie viel kosten Papiertüten?", sagt Gad. "Wichtig ist für mich, dass die Papiertüten nicht mehr kosten als die Plastiktüten. Sie müssen für mich bezahlbar sein."

Erst Verwarnung, dann Bußgeld

Wer gegen das Plastikverbot in der Provinz verstößt, muss erst mit einer Verwarnung und dann mit einem Bußgeld rechnen. Bei einem dritten Verstoß soll der Betrieb dann geschlossen werden - so sieht es der Plan vor.

Shawky von HEPCA setzt weniger auf Strafen. Sie und ihre Kollegen wollen überzeugen. Sie halten Vorträge in Schulen, verteilen Mehrweg-Einkaufstaschen und zeigen Alternativen zu Plastik auf. "Wir haben viele Strategien, aber es wird dauern", sagt Shawky. "Das sage ich auch den Leuten, die immer pessimistisch sind. Wir umarmen keine Bäume. Manche Ziele brauchen Leidenschaft, Zeit und Mühe, um sie zu erreichen."

Ägypten macht Ernst: Plastikverbot am Roten Meer
Anne Allmeling, ARD Kairo
31.05.2019 20:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Mai 2019 um 17:55 Uhr.

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