Frankreichs Innenminister Castaner stellt sich Fragen von Journalisten | Bildquelle: IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX

Nach Messerattacke in Paris Drängende Fragen an den Innenminister

Stand: 06.10.2019 14:53 Uhr

Wie konnten die Sicherheitsbehörden die Radikalisierung des Attentäters von Paris übersehen? Diese Frage richtet sich vor allem an Innenminister Castaner. Der lehnt einen Rücktritt ab, spricht aber von Schwachstellen.

Frankreichs Innenminister Christophe Castaner hat Defizite bei der Erkennung radikalisierter Bürger eingestanden. Nach dem Messerangriff in der Pariser Polizeipräfektur sagte er in einem TV-Interview, es habe offensichtlich "Schwachstellen" gegeben.

Der Minister betonte erneut, dass es in der Akte des 45 Jahre alten Polizeimitarbeiters keine Hinweise auf Verhaltensauffälligkeiten gegeben habe. Es sei auch nicht vermerkt gewesen, dass sich der mutmaßliche Täter 2015 gegenüber einem Kollegen zustimmend zu dem islamistischen Attentat auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" geäußert haben soll.

Keine persönlichen Konsequenzen

Es müsse nun daran gearbeitet werden, wie Radikalisierung besser erkannt werden könne, betonte Castaner. Er fügte hinzu: "Wenn es Fehler gab, müssen sie korrigiert werden. Wenn es Fehler gab, müssen sie geahndet werden." Einen Rücktritt schloss er für sich aber aus. Diese Frage stelle sich nicht.

Er schlug zudem schärfere Sicherheitsmaßnahmen in der Polizeipräfektur vor. Polizisten würden nicht durchsucht, wenn sie in das Präsidium zurückkehrten, so der Minister. Das müsste verstärkt werden.

Die Opposition erhält den Druck auf den Minister aber aufrecht. Wie der TV-Sender BFMTV meldet, soll er in der kommenden Woche von vier Abgeordneten der Nationalversammlung und vier Senatoren befragt werden - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Geheimdienst wird überprüft

Premierminister Edouard Philippe kündigte unterdessen zwei Überprüfungen an. Eine betreffe die Polizeipräfektur in der französischen Hauptstadt, die zweite die Geheimdienste, die mit der Terrorbekämpfung betraut seien.

Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Tatverdächtige vor rund zehn Jahren zum Islam konvertiert. Außerdem habe der Angreifer Kontakt zu mutmaßlichen Anhängern der salafistischen Bewegung, einer ultrakonservativen Strömung innerhalb des Islams, gehabt.

Eine Tat, die Frankreich erschüttert

Der Mann hatte am Donnerstagnachmittag in der Polizeipräfektur auf der Seine-Insel Île de la Cité vier seiner Kollegen getötet. Anschließend wurde er von einem Polizisten erschossen. Die mutmaßlich terroristisch motivierte Messerattacke hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst.

Für Dienstag sei eine Gedenkfeier in der Polizeipräfektur mit Präsident Emmanuel Macron geplant, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf den Élyséepalast. Nähere Details zu der Feier sollten demnach am Montag bekannt gegeben werden.

Frankreich: Innenminister lehnt Rücktritt ab
Martin Bohne, ARD Paris
06.10.2019 18:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Oktober 2019 um 15:03 Uhr.

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