Papst Franziskus nimmt an einer Eucharistiefeier im Regiensaal des Apostolischen Palastes im Vatikan teil.  | Bildquelle: AFP

Anti-Missbrauchskonferenz Papst spricht von "Menschenschindern"

Stand: 09.05.2019 12:36 Uhr

In deutlichen Worten hat Papst Franziskus sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche verurteilt und einen Mentalitätswechel gefordert. Konkrete Schritte nannte er nicht - Opferverbände reagierten enttäuscht.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Grüne Kaseln prägten das Bild in der prächtigen Sala Regia im Apostolischen Palast. Diese Farbe der liturgischen Gewänder, in denen die Teilnehmer der Anti-Missbrauchskonferenz die Abschlussmesse feierten, steht in der katholischen Kirche für Wachsen, Hoffnung und Leben.

Von der Notwendigkeit "einer kopernikanischen Wende" der katholischen Kirche im Kampf gegen sexuellen Missbrauch sprach in der Predigt der australische Erzbischof Benedict Coleridge.

Deutliche Worte

Papst Franziskus nutzte dann seine anschließende Ansprache, um noch einmal seine Betroffenheit angesichts des vielfachen sexuellen Missbrauchs durch Vertreter der katholischen Kirche deutlich zu machen: "Das Echo des stillen Schreis der Kleinen, die in ihnen statt Vätern und geistlichen Führern Menschenschinder gefunden haben, wird die durch Scheinheiligkeit und Macht betäubten Herzen erzittern lassen. Wir haben die Pflicht, diesem erstickten stillen Schrei aufmerksam zuzuhören."

Priester und Bischöfe, die zu "Menschenschindern" werden - es sind mit die bislang schärfsten Worte, die der Papst benutzt hat, um den Missbrauch innerhalb seiner Kirche zu verurteilen.

Papst sagt konsequente Verfolgung von Missbrauchsfällen zu
tagesschau 20:00 Uhr, 24.02.2019, Michael Schramm, ARD Rom

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"Weltweite Verbreitung dieses Übels"

Franziskus widmete sich in seiner Rede auch ausführlich dem sexuellen Missbrauch generell in der Gesellschaft, der allein in Europa millionenfach geschehe, und unterstrich, laut diverser Untersuchungen würde dieser Missbrauch überwiegend in der Familie, in den heimischen vier Wänden stattfinden.

Gleichzeitig stellte Franziskus vor den anwesenden Chefs aller Bischofskonferenzen klar: "Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Die weltweite Verbreitung dieses Übels bestätigt, wie schwerwiegend es für unsere Gesellschaften ist. Das schmälert aber nicht seine Abscheulichkeit innerhalb der Kirche."

Papst nennt keine konkreten Schritte

Am Beginn der Konferenz hatte Franziskus konkrete Ergebnisse im Kampf gegen sexuellen Missbrauch angemahnt. In seiner abschließenden Ansprache, verurteilte er Missbrauch scharf, räumte die Versäumnisse der Vergangenheit ein und mahnte einen Mentalitätswechsel an.

Franziskus verzichtete aber weitgehend darauf, selbst konkrete Schritte der katholischen Kirche im Kampf gegen den Missbrauch zu benennen. Stattdessen wiederholte er unter anderem seine Aussage aus dem Dezember, die Kirche werde jeden, der derartige Delikte begangen hat, an die Justiz übergeben. Der Papst stellte gleichzeitig klar, es sei künftig eine verpflichtende Norm für alle Bischofskonferenzen weltweit, Fälle von Missbrauch unnachsichtig zu verfolgen:

"Kein Missbrauch darf jemals vertuscht, so wie es in der Vergangenheit üblich war, oder unterbewertet werden, da die Vertuschung von Missbrauch die Verbreitung des Übels begünstigt und zusätzlich eine weitere Stufe des Skandals darstellt."

Papst Franziskus nimmt an einer Eucharistiefeier im Regiensaal des Apostolischen Palastes im Vatikan teil. | Bildquelle: AFP
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Die Farbe grün steht in der katholischen Kirche für Wachsen, Hoffnung und Leben. Was folgt auf die Anti-Missbrauchskonferenz?

Opfer forderten Degradierung

Opferverbände hatten in den vergangenen Tagen mit Nachdruck gefordert, dass am Ende der Konferenz auch konkrete Veränderungen im Kirchenrecht stehen. Unter anderem die verbindliche Vorschrift, dass Priester und Bischöfe in den Laienstand degradiert werden, wenn sie Missbrauch begangen oder gedeckt haben.

Franziskus stellte an das Ende seiner Rede einen allgemeinen Appell für einen entschiedenen Kampf gegen Missbrauch innerhalb und außerhalb der Kirche: "Eindringlich appelliere ich an alle Verantwortungsträger und an die einzelnen Personen, in allen Bereichen, gegen den Missbrauch von Minderjährigen zu kämpfen im sexuellen wie in den anderen Bereichen, denn es handelt sich um abscheuliche Verbrechen, die auf dem Antlitz der Erde ausgemerzt werden müssen."

Michael Schramm, ARD Rom, zum Anti-Missbrauchsgipfel und dessen Folgen
tagesschau24 15:00 Uhr, 24.02.2019

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"Eine vertane Chance"

Opferverbände kritisierten die Rede des Papstes. Es sei ein schamloser Versuch, sich an die Spitze der Bewegung im Kampf gegen Missbrauch zu setzen, ohne wirkliche Veränderungen anzugehen, schrieb Matthias Katsch von der deutschen Betroffenenorganisation Eckiger Tisch via Twitter. Thomas Schüller, Direktor für Kanonisches Recht an der Universität Münster, nannte die Papst-Rede ein "Fiasko" und eine "vertane Chance".

Papst-Rede zur Missbrauchskonferenz
Jörg Seisselberg, ARD Rom
24.02.2019 15:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Februar 2019 um 13:00 Uhr.

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