Frauen bei einer Demo gegen Vergewaltigungen in Islamabad | Bildquelle: dpa

Nach Protesten in Pakistan Premier will härtere Strafen für Vergewaltiger

Stand: 15.09.2020 19:21 Uhr

In Pakistan werden Vergewaltiger kaum strafrechtlich verfolgt. Im Gegenteil: Häufig heißt es, Frauen seien selbst schuld. Nun hat sich Premier Khan für harte Strafen bis hin zu Kastration ausgesprochen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi, zzt. Hamburg

Vor dem Hintergrund großer Demonstrationen von Frauen in mehreren Städten Pakistans, hat sich Premierminister Imran Khan für härtere Strafen bei Vergewaltigungen ausgesprochen. Zugleich regte er aber eine Abstufung sexueller Gewalt gegen Frauen an, was solche Taten in bestimmten Fällen weniger schlimm erscheinen lässt.

Besonders schlimme Vergehen sollten mit Kastration bestraft werden, sagte Khan in einem Interview mit dem pakistanischen Fernsehen: "So wie es bei Mord Abstufungen gibt, sollte das auch bei Vergewaltigungen gelten", sagte Khan. "Bei besonders schweren Fällen sollten die Täter kastriert werden, damit sie so etwas nicht wieder tun können."

Meistens gar keine Strafen

In den meisten Fällen werden bei Vergewaltigungen die Täter überhaupt nicht bestraft, sondern stattdessen die Frauen beschuldigt, selbst schuld zu sein.

Am vergangenen Wochenende gingen Tausende Frauen in Islamabad und anderen Städten auf die Straße, um für Gerechtigkeit zu demonstrieren, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen war. Auslöser war die Gruppenvergewaltigung einer jungen Mutter, während die Täter die Kinder der Frau mit einer Waffe bedrohten.

"Was ist das für ein islamisches Land, in dem eine Frau vor den Augen ihrer Kinder von mehreren Männern vergewaltigt wird und das in der Metropole Lahore", sagt Demo-Teilnehmerin Tahira Abdullah. "Und der Polizeichef beschuldigt die Frau, warum sie um diese Zeit überhaupt auf der Straße gewesen sei, warum sie alleine im Auto gefahren sei und diese und nicht eine andere Straße genommen habe. Das ist doch eine Schande."

"Schande für Regierung und Polizei"

Die Bemerkungen des Polizeichefs hatten die Proteste der Frauen noch angeheizt. Doch diese Haltung sei symptomatisch für die Gesellschaft in Pakistan, so Nazia Zuberi Hassan, eine andere Aktivistin auf einer Demo in Karachi. Sie sagt: "Das ist doch eine Schande für unser Land, für die Regierung und die Polizei. Dass so etwas Schreckliches überhaupt passieren kann - und obendrein werden noch die Frauen beschuldigt. In so einem Land kann doch keine Frau sicher sein."

Inzwischen sind offenbar 15 Verdächtige festgenommen und verhört worden. Bei einigen wurden nach Angaben der Polizei in Lahore Schmuck und andere Wertgegenstände der vergewaltigten Frau sichergestellt.

Opfer statt Täter werden belangt

Vergewaltigungen werden in Pakistan auch deshalb nur selten strafrechtlich verfolgt, weil Vergewaltigungsopfer die hohen Anforderungen an die Beweislage nicht erbringen können und unter Umständen Gefahr laufen, wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs belangt zu werden.

Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen werden jedes Jahr fast 1000 Frauen Opfer von sogenannten Ehrenmorden, weil sie angeblich die konservativen Normen von Ehe und Sexualität verletzt haben.

Nach Protesten: Pakistans Premierminister Khan will härtere Strafen bei Vergewaltigungen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
15.09.2020 18:34 Uhr

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