Ein fast leeres Regal in der Gemüseabteilung in einem Supermarkt in Belfast, Nordirland. | AP

Brexit-Hürden in Nordirland Supermärkte warnen vor leeren Regalen

Stand: 13.01.2021 16:53 Uhr

Der Brexit zeigt erste Folgen in Nordirland. In einigen Landesteilen der britischen Provinz kommt es zu Engpässen bei der Lieferung bestimmter Lebensmittel. Große Handelsketten haben nun einen dramatischen Appell an London gerichtet.

Der Austritt Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt zeigt erste Folgen in Nordirland: Leere Supermarktregale. Die großen Ketten Tesco, Sainsbury's, Asda, Iceland, Co-Op und Marks & Spencer haben nun in einem Schreiben an die britische Regierung vor Engpässen bei der Lebensmittelversorgung gewarnt.

Die Regierung in London müsse dringend eingreifen, um eine "erhebliche Lieferunterbrechung" in den kommenden Monaten zu verhindern, erklärten die Chefs der Handelsketten in einem Brief an Kabinettsminister Michael Gove.

Inzwischen vermehrt Schwierigkeiten im Handel

Großbritannien hatte den EU-Binnenmarkt und die Europäische Zollunion zum Jahreswechsel endgültig verlassen. Zugleich trat am 1. Januar ein zwischen EU und London ausgehandeltes Handelsabkommen in Kraft, das beiden Seiten Handel und Warenaustausch ohne Quoten und Zölle gestattet.

Aber so reibungslos und vor allem unbürokratisch wie vor dem Brexit ist es nun doch nicht. Inzwischen gibt es vermehrt Schwierigkeiten im Handel wegen Zollvorschriften, Bestimmungen zur Lebensmittelsicherheit und zur Mehrwertsteuer.

Probleme bei Importen aus dem Vereinigten Königreich

Davon ist vor allem Nordirland stark betroffen. Zwar gelten für die britische Provinz noch Übergangsregeln, um eine harte Grenze mit dem EU-Mitglied Irland zu vermeiden. Dennoch sind bereits die Regale einiger Supermärkte in Nordirland leer, da es wegen der neuen bürokratischen Hürden Schwierigkeiten bei dem Import frischer Waren aus dem Vereinigten Königreich gibt.

Denn Nordirland ist in einer besonderen Lage: Die Provinz ist zwar Teil des Vereinigten Königreichs, wird aber laut Austrittsabkommen nach den Regeln der EU-Zollunion und des Binnenmarkts behandelt. Damit soll eine harte Grenze zum EU-Mitglied Republik Irland und ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts verhindert werden.

Das bedeutet aber zugleich, dass der Warenverkehr zwischen Nordirland und dem Rest Großbritanniens kontrolliert werden muss, von Zollerklärungen bis Gesundheitsbescheinigungen für tierische Lebensmittelprodukte.

Angesichts der am 31. März endenden Schonfrist für vereinfachte Kontrollen bei der Lebensmittel-Lieferung aus der EU nach Nordirland fordern die Handelsketten nun eine frühzeitige Einigung auf eine Langfrist-Lösung mit der EU, mehr Zeit bei dem Aufbau des neuen Systems und Hilfe bei der Bewältigung der neuen bürokratischen Hürden. Andernfalls seien Lieferengpässe unvermeidlich.

Annähernd leeres Kühlregal in einem Supermarkt in Belfast, Nordirland. | dpa

Bild: dpa

"Vom Farb- zum Schwarzweißfernsehen"

Der Vorsitzende der britischen Lebensmittel- und Getränkevereinigung, Ian Wright, berichtete einem Unterhausausschuss, Nordirland stehe bei der Lebensmittelvielfalt eine Entwicklung wie zurück "vom Farb- zum Schwarzweißfernsehen" bevor.

Er wisse von einer großen britischen Firma, dass die Vorbereitungen für einen Export in die EU, die vor dem Brexit drei Stunden dauerte, nun fünf Tage benötige. Das müsse sich ändern. "Wenn wir keinen Fortschritt sehen, werden die Kosten steigen. Die Auswahl wird abnehmen und auch die Qualität", warnte er. Das sei für niemanden gut.

Die britische Regierung erklärte, sie habe ein Team gebildet, das mit den Supermärkten, der Lebensmittelindustrie und der Exekutive in Nordirland an der Lösung der Probleme arbeitet.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Januar 2021 um 11:52 Uhr.