Eine Frau hält einen Flyer mit dem Bild von Lyra McKee in den Händen | Bildquelle: REUTERS

Nach Unruhen in Nordirland Festnahmen nach Tod einer Journalistin

Stand: 09.05.2019 13:28 Uhr

Vor drei Wochen wurde die junge nordirische Journalistin McKee erschossen - die britische Polizei könnte der Aufklärung ihres Todes nähergekommen sein: In Belfast wurden vier Personen unter Terrorverdacht festgenommen.

Drei Wochen nach dem gewaltsamen Tod einer Journalistin bei Ausschreitungen in Nordirland hat die Polizei einen 15-Jährigen und drei Erwachsene unter Terrorverdacht festgenommen. Neben dem Teenager handelt es sich um drei Männer im Alter von 18, 38 und 51 Jahren. Sie würden in Belfast verhört, berichtete die Polizei. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen hätten Polizisten vier Häuser in der Stadt durchsucht.

Die Polizei hatte bisher in Zusammenhang mit dem Tod zwei junge Männer und eine 57-jährige Frau festgenommen: Alle drei wurden später jedoch ohne Anklage wieder freigelassen.

"Neue IRA" bekannte sich

Die 29-jährige Journalistin Lyra McKee war am 18. April am Rande von Protesten in Londonderry erschossen worden. Die militante katholisch-nationalistische Gruppe "Neue IRA" bekannte sich zu der Tat und bat um Entschuldigung - es habe sich aber um ein "tragisches Versehen" gehandelt. Laut Polizeiangaben wurde McKee getroffen, als jemand auf Polizisten schoss.

Die "Neue IRA" ging aus Splittergruppen der Untergrundorganisation IRA (Irisch-Republikanische Armee) hervor, die 30 Jahre gewaltsam versuchte, eine Vereinigung der beiden Teile Irlands herbeizuführen.

Gedenken an Journalistin McKee | Bildquelle: AP
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Tatort in Londonderry: Der Tod Lyra McKees ist Folge der wachsenden Spannungen in Nordirland.

Neue Spannungen nach Jahren der Ruhe

Der Konflikt, bei dem etwa 3700 Menschen ums Leben kamen und 50.000 verletzt wurden, ging 1998 mit dem Karfreitagsabkommen zu Ende. In dem Abkommen willigten militante Gruppen in die Entwaffnung ein. Die Parteien einigten sich auf engere Zusammenarbeit.

Die im Rahmen des Friedensprozesses geschaffene Einheitsregierung mit Katholiken und Protestanten in Nordirland zerbrach 2017. Danach haben die Spannungen wieder zugenommen. Die Gesellschaft im britischen Nordirland ist tief gespalten in Protestanten, die sich als Briten verstehen, und Katholiken, die sich als Iren definieren.

Londonderry war 1972 Schauplatz des "Bloody Sunday". Damals schossen britische Soldaten auf unbewaffnete Teilnehmer einer ungenehmigten Demonstration. 14 Menschen wurden getötet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Mai 2019 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.

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