Das Graffito zeigt die Freiheitsstatue, ein New Yorker Taxi und einen Ghettoblaster. | Bildquelle: ALBA VIGARAY/EPA-EFE/REX

Ausstellung in New York Zeitreise mit der Graffitiszene

Stand: 11.07.2019 15:56 Uhr

In den 1970er- und 1980er-Jahren waren die USA der Hotspot der Graffitiszene. Eine Schau in New York zeichnet den Weg der Straßenkunst in die Museen nach. Zu sehen gibt's große Namen wie Haring oder Banksy.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

"Beyond the Streets" will eigentlich keine historische Ausstellung sein. Doch sie erinnert den Besucher sofort an ein New York, das es so nicht mehr gibt: Das der 1970er und 1980er Jahre. Als kein U-Bahn-Waggon silbern und sauber in die Haltestelle eingefahren ist, sondern innen wie außen mit bunten Graffiti besprüht war. Ziemlich jede Wand, jeder Hauseingang und jedes Rolltor war in diesen Jahrzehnten in New York ähnlich besprüht.

Damals gab es eine Subkultur im "Big Apple", die in Zeiten von Video-Überwachung und Null-Toleranz-Politik so nicht mehr möglich ist. Und die ihre Wurzeln eigentlich gar nicht in New York hat.

Menschen stehen vor einem Graffito des Kollektivs "Tats Cru". | Bildquelle: ALBA VIGARAY/EPA-EFE/REX
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Das Kunstwerk des Kollektivs "Tats Cru" kann in New York besichtigt werden.

Philadelphia als Wiege der Graffiti-Szene

"In Philadelphia ging es los mit Graffiti, manche sagen 1965 - so richtig aber erst 1967. Und dann auch in New York. Aber anfangs war die Szene in Philadelphia viel, viel größer", sagt Roger Gastman. Er ist so etwas wie ein Graffiti-Historiker, ein Anthropologe städtischer Subkultur. In Philadelphia soll es bereits eine Anti-Graffiti-Bewegung gegeben haben, als die Graffiti-Kultur in New York erst im Entstehen war, erzählt Gastman.

Gastman war einmal selbst Teil der Szene. Als Teenager begann er in Maryland mit dem Taggen, - dem Sprayen von Signaturkürzeln - später sammelte und verkaufte er Fotos und veröffentlichte Bücher. Jetzt hat er die Ausstellung "Beyond the Streets" kuratiert und dabei auch einen kleinen Teil seiner Sammlung untergebracht - eine Kollektion von Anti-Graffiti-Kampagnen.

Anti-Graffiti-Kampagnen in der Schau

"Mein Lieblingsstück aus Philadelphia: 'Graffiti-Schmierer sind gemein, grausam und haben keinen Respekt vor sich oder anderen'", beschreibt der Kurator. Auch ein Foto von einem Schulwettbewerb von 1972, bei dem Kinder Anti-Graffiti-Poster entworfen haben, stellt Gastman als besonderes Stück der Ausstellung vor.

Ein Poster aus den 1980ern aus Chicago, das den Notruf 911 mit einer furchterregenden Schlange darauf zeigt, ist für ihn "eine kleine Spaß-Kollektion" über die die Leute sagen: "Hört mit dem Scheiß auf, das ist illegal."

Die bunte Kunstinstallation des Teams "Dabsmyla" zeigt zwei Frauengemälde inmitten von Blüten. | Bildquelle: ALBA VIGARAY/EPA-EFE/REX
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Bunte Kunstinstallation des Teams "Dabsmyla".

Illegale Subkultur, die es weit gebracht hat

Die Ausstellung zeigt vor allem, wie weit es diese zunächst illegale Subkultur gebracht hat. Über die Straße hinaus findet sie sich heute in Galerien, Ausstellungen und ist eine kommerzielle Kunstszene geworden, in der der Eintritt zu dieser Graffiti- und Streetart-Austellung in New York 25 Dollar kostet.

Da passt es, dass die Ausstellungsmacher für ein paar Monate zwei Etagen in einem nagelneuen Bürogebäude im Williamsburg angemietet haben. Eine Gegend, in der früher die Untergrundkultur blühte, die heute aber durchgentrifiziert ist.

Große Namen wie Banksy, Keith Haring oder Leaking Jonas

"Bei der Ausstellung geht es nicht darum, die gute alte Zeit heraufzubeschwören oder die Straße zurückzuerobern. Es geht darum, die besten Künstler zu zeigen, die ihre Wurzeln in der Szene haben und sich weiterentwickelt haben", erklärt Gastman. Die Schau will neue Werke zeigen und nicht nur die Kunst, die die Sprayer früher auf der Straße erschaffen haben.

Große Namen finden sich unter den Werken: Banksy, Keith Haring oder Takashi Murakami - für den die Graffiti- und Streetart der 1970er bis heute eine Inspiration ist. Der New Yorker Hip-Hop-Band Beasty Boys ist eine ganze Abteilung gewidmet mit Devotionalien aller Art.

Manche Künstler machen inzwischen ganz andere Sachen, wie Kenny Scharf. Dieser hatte Anfang der 1980-er die Graffiti-Szene in New York geprägt. Er steuerte zur Ausstellung eine riesige Skulptur bei.

Eine Besucherin geht an der Kunstinstallation von Kenny Scharf in der New Yorker Ausstellung vorbei. | Bildquelle: ALBA VIGARAY/EPA-EFE/REX
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Kenny Scharf prägte Anfang der 1980-er die Graffiti-Szene in New York. Er zeigt eine große Kunstinstallation in der Ausstellung. 

Andere zitieren sich selbst: Leaking Jonas ist einer der bekanntesten Künstler, der es aus der Graffitiszene in die Galerie geschafft hat. "Für die Ausstellung hat er den Soul-Train noch einmal gemalt, den er 1975 an einen New Yorker Vorortzug gesprüht hatte", sagt Gastman. Jonas habe das Kunstwerk innerhalb von 30 Stunden am Stück gesprayt. "So, wie er damals auch die Waggons besprüht hat. Ergänzt um ein bisschen Neon-Licht. Weil Neon alles besser macht", schildert der Kurator.

Noch bis Ende August ist die Schau mit rund 150 Kunstwerken in New York zu sehen. Gastman verhandelt aber bereits über neue Ausstellungsorte. "Beyond the Streets" eben.

Beyond the Streets - Graffiti- und Streetart-Ausstellung in New York
Peter Mücke, ARD New York
11.07.2019 13:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juli 2019 um 05:19 Uhr.

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