Flüchtlinge in einem Lager in Indien | AP

Konflikt in Myanmar Indien befürchtet Flüchtlingswelle

Stand: 15.03.2021 15:05 Uhr

Der blutige Konflikt in Myanmar hat zunehmend Auswirkungen auf die Nachbarländer. Immer mehr Menschen flüchten etwa nach Indien - darunter auch Polizisten und Feuerwehrleute.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi (zzt. Hamburg)

Angesichts der zunehmenden Gewalt in Myanmar wächst im benachbarten Indien die Sorge vor einer Flüchtlingswelle. Die Regierung in Neu-Delhi forderte die vier an Myanmar grenzenden Bundesstaaten auf, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. In Mizoram, Manipur, Nagaland und Arunachal Pradesh wurden die Grenztruppen in Alarmbereitschaft versetzt.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

Asylsuchende, die Angst um ihr Leben hätten, würden aber versorgt, versicherte der Regierungschef von Mizoram, Zoramthanga einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters. Sie erhielten Unterkunft und Verpflegung, alles Weitere sei Sache der Zentralregierung.

Einen großen Zustrom von Flüchtlingen hat es offenbar noch nicht gegeben, aber Dutzende Sicherheitskräfte aus Myanmar sind nach Indien geflohen, weil sie es ablehnten, den Schießbefehl auf Zivilisten zu befolgen.

Polizisten sollten aufs eigene Volk schießen

Es sei doch die Aufgabe der Polizei, das Volk zu schützen, nicht auf das Volk zu schießen, so Tha Peng, ein ehemaliger Polizist aus Khampat, einer Stadt im Grenzgebiet. "Schon den ganzen Februar gab es Proteste und Demonstrationen gegen den Militärputsch. Aber dann, Ende Februar, sollten wir die Proteste gewaltsam auflösen", so Tha. "Unsere Vorgesetzten gaben den Befehl, notfalls auf die Demonstranten zu schießen. Das konnte ich nicht, aber ins Gefängnis wollte ich auch nicht. Deshalb habe ich alles zurückgelassen, auch meine Familie, und bin geflohen."

Die Vereinten Nationen haben die Gewalt gegen Demonstranten in Myanmar aufs Schärfste verurteilt und internationale Unterstützung für die protestierende Bevölkerung angemahnt.

Die Militärjunta verhafte jeden Tag Dutzende, manchmal Hunderte Menschen, beklagte der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen, Thomas Andrews, Ende vergangener Woche. "Seit Anfang Februar sind bereits mehr als 2.000 Menschen inhaftiert worden. Und die Gewalt gegen Demonstranten, auch gegen friedliche, nimmt ständig zu", so Andrews. "Die Militärführung des Landes ist verantwortlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, einschließlich Tötungen, Folter und Inhaftierungen, unter Verstoß gegen alle Regeln internationalen Rechts."

Proteste auch in Indien

Auch in der indischen Hauptstadt gibt es Proteste. In Neu-Delhi gehen Flüchtlinge aus Myanmar immer wieder auf die Straße, um gegen die Entwicklung in ihrer Heimat zu protestieren, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen ist.

Sie fordern die Rückkehr zur Demokratie und Freiheit für die abgesetzte De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. "Wir sind hier nur Flüchtlinge und können nicht viel tun", sagt James Faani, der Präsident der Flüchtlinge aus dem Chin-Staat in Myanmar. "Aber wir wollen unser Volk in Myanmar unterstützen und wir wollen die internationale Staatengemeinschaft dazu aufrufen, endlich etwas zu unternehmen."

Menschenrechtler appellieren an Indien

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch rief die Regierung in Neu-Delhi dazu auf, keine Flüchtlinge nach Myanmar zurückzuschicken - nicht die geflohenen Polizisten und auch keine Rohingya. Anfang des Monats hatte die indische Regierung die Rückführung von Rohingya-Flüchtlingen nach Myanmar vorbereitet. Schätzungsweise 40.000 Rohingya halten sich in Indien auf. Knapp eine Million in Bangladesch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. März 2021 um 16:00 Uhr.