Mexikanischer Soldat bewacht die Raffinerie des Ölkonzerns PEMEX in Tula (Bundesstaat Hidalgo), wo Tanklastwagen betankt werden. | Bildquelle: AFP

Mexiko Harter Kampf gegen die Benzindiebe

Stand: 12.01.2019 00:21 Uhr

Gegen den massiven Benzinklau greift Mexikos neue Regierung zu drastischen Mitteln: Pipelines wurden stillgelegt. Doch jetzt droht der Megacity Mexiko-Stadt der Stillstand.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Um ein Uhr nachts, mitten in Mexiko-Stadt, warten Tankwart Ruben Linares und seine Kollegen auf eine neue Benzinlieferung. Mit ihnen: eine kilometerlange Schlange verzweifelter Autofahrer. Schon seit dem Morgen stehen die Zapfsäulen still. "So etwas haben wir noch nie erlebt. Benzinmangel!", schimpft Linares. Tankwarte lebten von den Trinkgeldern - "und wenn es kein Benzin gibt, verdienen wir nichts. So einfach ist das."

Seit vier Tagen dauert der Nervenkrieg für die Bewohner der Megacity schon: Tankstellen suchen, die noch geöffnet haben, stundenlanges Schlange Stehen - manchmal umsonst, weil es nicht für alle gereicht hat -, Staus durch die Wartenden vor den noch geöffneten Tankstellen.

Über Nacht hat die neue Regierung den Benzindieben, den "huachicoleros", den Krieg erklärt und die Pipelines schließen lassen. Die Kriminellen hatten sie angezapft. Etwa 2,7 Milliarden Euro betrug der Schaden 2018. Jahrelang war der Staat nicht in der Lage, den Verbrechern das Handwerk zu legen.

Schlange vor einer Tankstelle in Huehuetoca am nördlichen Rand von Mexiko-Stadt | Bildquelle: AFP
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Vor einer Tankstelle in Huehuetoca am nördlichen Rand von Mexiko-Stadt bildet sich eine Schlange.

5000 Tanklastwagen reichen nicht

Erstmals wird jetzt gegen sie ermittelt, die wichtigsten Pipelines vom Militär geschützt. Das neue Verteilsystem funktioniert nur über Tanklastwagen. 5000 sind im Einsatz, aber das sind offensichtlich nicht genug. In der Hauptstadt und auch anderen großen Städten des Erdölförderlandes Mexikos ist Benzin knapp. Sieben Bundesstaaten sind vom Mangel betroffen.

Auch am Morgen haben viele Tankstellen ihre ersehnte Lieferung noch nicht erhalten. Taxifahrer Oscar Mota wartet schon seit zwei Stunden an einer, die beliefert wurde. Er finde es gut, dass der Präsident etwas gegen die "huachicoleros" unternimmt, sagt er. "Aber uns schadet er damit. Wir müssen uns zwei, drei Stunden anstellen, um nur so viel Benzin zu erhalten, wie sie uns geben wollen. Und diese Zeit bezahlt mir niemand."

Taxifahrer Oscar Mota | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt
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Taxifahrer Oscar Mota ärgert sich, dass er stundenlang warten muss, bis er tanken kann.

Laura Carreon | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt
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Laura Carreon hofft darauf, dass die Maßnahmen der Regierung greifen.

Guter Wille, schlechte Planung?

Viele in der Schlange erkennen den guten Willen der Regierung an, etwas gegen Organisierte Kriminalität zu tun, kritisieren jedoch die Planung. In der Millionenmetropole mit ihrem schlechten öffentlichen Nahverkehrsnetz sind alle vom Benzinmangel betroffen. Laura Carreon wird ihre Kinder morgen nicht mehr in die Schule fahren können, wenn sie heute kein Benzin ergattert: "Hoffentlich ist das alles für einen guten Zweck", sagt sie. Irgendwo müsse man ja anfangen, wenn man die Dinge ändern wolle. "Ich hoffe, unser Schlange Stehen lohnt sich."

Unternehmer schlagen Alarm: Millionenschäden seien die Folge, die Versorgung mit Lebensmitteln gerate in Gefahr. Ein Verband fordert, die Pipelines sofort wieder zu öffnen.

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador | Bildquelle: SASHENKA GUTIERREZ/EPA-EFE/REX
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Mexikos Präsident López Obrador mahnt die Bürger zu Geduld. Den Kriminellen müsse das Handwerk gelegt werden.

"Helft uns, damit es keine Panik gibt!"

Präsident Andrés Manuel López Obrador ruft die Bevölkerung zur Geduld auf und macht klar, wer den Benzinhahn in der Hand hat. "Wir werden schon sehen, wer der Stärkere ist. Die Kriminellen verlieren jetzt ihr Einkommen." Natürlich entstünden durch die Maßnahmen Probleme. Deshalb sei er der Bevölkerung dankbar für ihre Unterstützung. "Helft uns, damit es keine Panik gibt. Denkt daran, dass wir genug Benzin haben!" Alles sei nur eine Frage der Verteilung.

Wann es wieder ausreichend Benzin geben wird, ist unklar. Schon schlagen einige Kapital aus dem Mangel: In sozialen Netzwerken wird der Liter Benzin zum doppelten Preis angeboten.

Benzinkrieg in Mexiko
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko-Stadt
11.01.2019 22:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 12. Januar 2019 um 10:52 Uhr.

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