Bundeskanzlerin Merkel und Israels Premierminister Bennett | EPA

Merkel in Israel Abschiedsbesuch einer guten Freundin

Stand: 10.10.2021 18:04 Uhr

Das Verhältnis Deutschlands zu Israel sei eng und freundschaftlich - so die Kanzlerin bei ihrem letzten Besuch als Regierungschefin. Wie es sich nach der Ära Merkel entwickeln wird, war genauso Thema wie der Atomstreit mit Iran.

Von Tim Aßmann, ARD Studio Tel Aviv

Als gute Freundin begrüßt Naftali Bennett die deutsche Kanzlerin zu Beginn des Besuchsprogramms. Von einer Ehre spricht Israels Regierungschef, und dann würdigt er Angela Merkels Engagement für die deutsch-israelischen Beziehungen, nennt sie sogar Europas moralischen Kompass. Bennett erinnert indirekt an die Rede der Kanzlerin 2008 im israelischen Parlament, als sie Israels Sicherheit zur deutschen Staatsräson erklärte. Dazu sagte er:

Manchmal macht ein Anführer einen großen Unterschied aus, und ich denke ihre Führung legte den Grundstein für Deutschlands anhaltendes Bekenntnis zu Israels Sicherheit. Das wissen wir sehr zu schätzen. Unsere Geschichte ist uns bewusst, und wir schauen gemeinsam optimistisch voraus auf eine bessere Zukunft.
Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern - Merkel beschreibt sie als eng, vielfältig und freundschaftlich und nennt das einen Glücksfall angesichts der deutschen Verantwortung für den Holocaust. Aus dieser Schuld erwächst für die aus dem Amt scheidende Kanzlerin auch weiterhin eine Verpflichtung für ihr Land. "Deutschland ist nicht neutral, wenn es um die Frage der Sicherheit Israels geht, sondern die Sicherheit Israels ist Teil unserer Staatsräson."

Was kommt nach Merkel?

Deutschland gilt vielen Israelis als guter Partner und die Kanzlerin als verlässliche Freundin, doch wie werden sich die Beziehungen künftig, nach Merkel, entwickeln? Diese Frage war bei der Pressekonferenz der Kanzlerin in Jerusalem gleich mehrfach Thema. Merkel erklärte:

Wie ich schon sagte, bin ich optimistisch, dass jede deutsche Bundesregierung - auch die meiner Regierung nachfolgende - sich der Sicherheit Israels verpflichtet fühlt und, das denke ich, wird jeder Nachfolger, der dann Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland wird, so sehen.

Im Mittelpunkt des Gesprächs der Kanzlerin mit Israels Premier Bennett sowie bei der israelischen Kabinettssitzung, an der Merkel teilnahm: der Atomstreit mit dem Iran. Bennett warnte, der Iran stehe an der Schwelle zum Nuklearstaat. "Das iranische Nuklearprogramm hat einen Punkt erreicht, der nun Führung erfordert. Den Iran als Nuklearstaat zu akzeptieren, wäre ein moralischer Schandfleck für die freie Welt und würde den Weltfrieden gefährden."

Das Nuklearabkommen mit dem Iran, auf englisch JCPOA abgekürzt, lehnt Israel unverändert ab. Deutschland hofft auf eine Wiederbelebung der Vereinbarung. Merkel räumte in Jerusalem aber ein, dass die Zeit knapp werde. Sie habe das JCPOA niemals für ideal gehalten, aber immer für besser als gar keine Abmachung zu haben. "Das kann man auch anders sehen. Jetzt sind wir in einer sehr schwierigen Situation, weil die neue amerikanische Administration zwar die Rückkehr in Aussicht gestellt hat, aber Tag für Tag verstreicht, an dem Iran keine Anzeichen macht, die Verhandlungen wieder zu beginnen."

Besuch in Yad Vashem

Mit Blick auf den israelisch-palästinensischen Konflikt unterstrich Merkel Deutschlands Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung. Der israelische Ministerpräsident warnte dagegen, ein palästinensischer Staat werde ein Terrorstaat sein. Am Nachmittag besuchte Merkel zum letzten Mal als Kanzlerin die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und trug sich dort ins Gästebuch ein: "Jeder Besuch in Yad Vashem berührt mich aufs Neue im Innersten. Die hier dokumentierten Verbrechen gegen das jüdische Volk sind uns Deutschen immer währende Verantwortung und Mahnung."

Ehrendoktorwürde für die Kanzlerin

Weiterer Tagesordnungspunkt beim inoffiziellen Abschiedsbesuch: Die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Technion-Hochschule Haifa an die Kanzlerin. Israels Staatspräsident Herzog überraschte Merkel damit, dass ein Förderprogramm für Forscherinnen nach ihr benannt wird. In Israel, das wurde an diesem Tag überdeutlich, wird man sich gerne an die Kanzlerin Angela Merkel erinnern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Oktober 2021 um 20:00 Uhr.