Arbeiter in der Müllverbrennungsanlage "Son Reus" auf Mallorca | Bildquelle: Oliver Neuroth /ARD

Ambitioniertes Gesetz Mallorca sagt Müllbergen Kampf an

Stand: 27.01.2018 02:26 Uhr

Einkaufstüten, Geschirr, Wasserflaschen - alles aus Plastik, alles Einweg. Auf Mallorca war Müllvermeidung bislang ein Fremdwort. Mit einem ambitionierten Gesetz soll sich das nun ändern.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Mallorcas Müllproblem wird am besten in der Verbrennungsanlage "Son Reus" sichtbar: Im Sommer kommen Müllwagen im Fünf-Minuten-Takt. Nacheinander fahren sie in eine große Halle und laden tonnenweise Abfall ab. Es stinkt bestialisch. Jeder, der in diese Zone der Anlage will, muss einen Schutzanzug tragen - dazu Schutzhelm und Atemmaske. Doch der stechende Geruch liegt trotzdem in der Nase.

Für Joan Mateo von der Betreiberfirma ist das Alltag - ebenso die riesigen Mengen Müll im Sommer: "Die Daten, die uns vorliegen, zeigen, dass im Juli und im August auf Mallorca fast doppelt so viel Müll anfällt wie in der Nebensaison. Genau 1,8 Mal so viel."

Müll auf Mallorca | Bildquelle: Oliver Neureuth/ARD
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Müll wird in die Verbrennungsanlage "Son Reus" gebracht.

Im Sommer ist die Anlage zu 90 Prozent ausgelastet. Pro Tag werden dann bis zu 2000 Tonnen Müll verbrannt, also zwei Millionen Kilogramm - vor allem Plastikmüll aus den Hotels. Das kritisieren Umweltschützer massiv, zum Beispiel Joaquin Valdivieso von der Gruppe Terraferida: "Wir hängen hier auf den Balearen ganz schön zurück. Die Politik hat bisher nicht entschlossen genug dafür gekämpft, dass der Müll reduziert und mehr recycelt wird. Viele spanische Regionen sind da deutlich weiter als wir - ganz zu schweigen von Europa, Deutschland zu Beispiel."

Bis 2030 ein Fünftel weniger

Die links-grüne Inselregierung schreitet nun ein. Ein neues Gesetz sieht vor, dass der Plastikmüll in den nächsten Jahren deutlich reduziert wird - im Jahr 2030 soll ein Fünftel weniger anfallen als heute.

"Der beste Müll ist, der gar nicht erst entsteht", sagt Sebastià Sansó, der Generaldirektor für Abfallpolitik im Interview mit einem balearischen Radiosender. Deshalb sollen ab kommendem Jahr Einweg-Plastiktüten aus Geschäften und Supermärkten verschwinden. Außerdem ist geplant, dass Hotels ihren Gästen keine Einweg-Wasserflaschen mehr geben - auch soll Schluss sein mit Kaffeekapseln, die nicht wiederverwertet werden können. Im nächsten Schritt sind Plastikgeschirr oder auch Einwegrasierer fällig.

"Alle müssen wissen, dass es ein ambitioniertes Gesetz ist. Wir werden quasi zu Pionieren. Viele Länder beobachten, wie wir das Ganze umsetzen, auch die EU in Brüssel. Dieses Gesetz ist nötig - mit Blick auf unser Müllproblem. Deshalb folgen nun mutige Schritte."

Joaquin Validivieso | Bildquelle: Oliver Neuroth/ARD
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Joaquin Validivieso kämpft mit seiner Umweltgruppe für Müllvermeidung.

Gesetz konnte im Sommer kommen

Es gehe nicht um Verbote, sondern darum, Alternativen aufzuzeigen. Hier seien vor allem die mallorquinischen Hotels gefragt. Doch vom Hotelverband gibt es bisher keine Reaktion.

Naturschützer zeigen sich dagegen vorsichtig optimistisch. Viele hätten sich zwar zum Beispiel ein Pfandsystem für Flaschen gewünscht - doch so etwas wird erst einmal nicht kommen. In den nächsten Monaten will die Balearen-Regierung ihren Vorstoß ins Parlament einbringen: Zum Sommer könnte das Gesetz schon gelten - und dafür sorgen, dass die Müllwagen in der Verbrennungsanlage Mallorcas künftig nur noch im Zehn-Minuten-Takt vorfahren.

Mallorca will nicht Müllorca werden: Regierung kämpft gegen Plastikmüll
Oliver Neuroth, ARD Madrid
28.01.2018 00:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 27. Januar 2018 um 03:39 Uhr.

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