Johnson London Attacke | Bildquelle: AFP

Wahlkampf nach Attacke in London Gegenseitige Schuldzuweisungen

Stand: 01.12.2019 14:23 Uhr

Die Messerattacke in London bestimmt nun den Wahlkampf: Premier Johnson macht Labour für die vorzeitige Freilassung des Täters verantwortlich, Oppositionsführer Corbyn erhebt seinerseits Vorwürfe gegen die Konservativen.

Der britische Premierminister Boris Johnson und der Oppositionsführer Jeremy Corbyn haben vor den Parlamentswahlen ihre Lager gegenseitig für den Terroranschlag mit zwei Toten in London verantwortlich gemacht.

Johnson warf der früheren Labour-Regierung vor, Schuld daran zu haben, dass der Attentäter vorzeitig aus der Haft entlassen wurde. Die Freilassung sei aufgrund von Gesetzesänderungen möglich gewesen, "die von der Labour-Partei vollzogen wurden", sagte Johnson bei einer BBC-Talkshow. Labour regierte in Großbritannien zuletzt von 1997 bis 2010.

"Ich denke, es ist abstoßend, dass Einzelpersonen, die so gefährlich wie dieser Mann sind, nach der Ableistung von nur acht Jahren freikommen sollten, und deshalb werden wir das Gesetz ändern", sagte Johnson.

London Attentat Johnson | Bildquelle: AFP
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Premierminister Boris Johnson besuchte den Tatort und kritisierte die vorzeitige Haftentlassung des Täters.

Johnson: 74 Gefangene vorzeitig entlassen

Johnson kündigte außerdem eine härtere Gangart gegen Schwer- und Sexualverbrecher sowie Terroristen an. Außer Usman K. seien etwa 74 weitere wegen terroristischer Aktivitäten verurteilte Gefangene vorzeitig entlassen worden. Diese Fälle würden nun überprüft.

Usman K. war ursprünglich zu einer mehrjährigen Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. Er hatte unter anderem einen Anschlag auf die Londoner Börse im Jahr 2010 geplant. Das Urteil wurde später abgemildert - gegen Auflagen wurde er Ende vergangenen Jahres auf Bewährung freigelassen.

Der Attentäter Usman K. hatte am Freitag eine Frau und einen Mann nahe der London Bridge getötet und drei weitere Menschen verletzt.

IS reklamiert Angriff in London für sich

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" hat die tödliche Messerattacke auf der London Bridge für sich reklamiert.

Das Sprachrohr des IS, Amaq, teilte mit, der mutmaßliche Täter habe "zu den Kämpfern des IS" gehört und sei dem Aufruf gefolgt, Bewohner jener Länder anzugreifen, die der Anti-IS-Koalition angehörten.

Der 28-jährige Usman K. hatte zwei Menschen durch Messerstiche getötet und drei weitere verletzt, bevor er von Passanten überwältigt und von Polizisten erschossen wurde.

Corbyn: Wenig Geld für Sicherheit

Corbyn wiederum warf den Konservativen von Johnson vor, für die Sicherheit wenig Geld ausgeben zu wollen. Der Oppositionskandidat sagte, er halte es nicht zwangsläufig für nötig, dass alle Terrorhäftlinge ihre vollständige Haftstrafe absitzen müssten.

Corbyn London Attacke | Bildquelle: AFP
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Oppositionsführer Jeremy wirft den Konservativen vor, wenig Geld für die Sicherheit auszugeben.

Die Briten wählen am 12. Dezember ein neues Parlament. Johnsons Konservative führen die Umfragen mit großem Abstand an. Das reine Mehrheitswahlsystem in Großbritannien macht Vorhersagen aber sehr schwer. Nur die Kandidaten mit den meisten Stimmen in einem der 650 Wahlkreise ziehen ins Parlament ein. Die Stimmen für unterlegene Kandidaten verfallen.

Messerangriff von London - Boris Johnson besucht den Tatort
Stephan Laack, ARD London
01.12.2019 15:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 30. November 2019 Deutschlandfunk um 18:27 Uhr in der Sendung "Informationen am Abend" sowie die tagesschau um 20:00 Uhr.

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