Spurensuche am Tatort in Kopenhagen

Schüsse bei Veranstaltung mit Mohammed-Zeichner Toter bei Anschlag in Kopenhagen

Stand: 15.02.2015 00:23 Uhr

Rund fünf Wochen nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris erschüttert ein Attentat die Stadt Kopenhagen. Dabei sind mindestens ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden. Ziel war offenkundig eine Veranstaltung mit dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks.

Von Christoph Heinzle, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Tatort war ein Kulturcafé im wohlhabenden Kopenhagener Stadtteil Österbro. Gerade lief dort am Nachmittag die Diskussionsveranstaltung mit dem Titel "Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit” - mit dabei: der schwedische Künstler Lars Vilks, der 2007 in einer Karikatur Mohammed als Hund dargestellt hatte. Daraufhin setzte Al Qaida ein Kopfgeld auf ihn aus, gab es Attentatsversuche und Todesdrohungen.

Christoph Heinzle

Eine Viertelstunde nach Beginn der Diskussion eröffnete ein Unbekannter mit einer automatischen Waffe das Feuer. Er gab bis zu 200 Schüsse durch die Fenster des Cafés ab, die Polizei erwiderte das Feuer. Eine Augenzeugin erzählt: "Ich war mit gerade mit meinem Freund und unserem Hund spazieren. Plötzlich hörten wir viele Schüsse, schnell nacheinander abgefeuert und wir sahen viele Menschen davonrennen. Plötzlich hörten wir eine Frau schreien: Da ist ein Mann mit einem Maschinengewehr! Und dann packte sie ihr Kind und rief: Alle weg von hier! Also schnappten alle ihre Kinder und Hunde und rannten."

Der Künstler Lars Vilks

Der Künstler Lars Vilks blieb unverletzt.

Ein 40-jähriger Zuhörer starb bei der Schießerei. Drei Polizeibeamte wurden verletzt, darunter zwei Personenschützer. Der schwedische Künstler Vilks versteckte sich währenddessen in der Kühlkammer des Cafés. Vermutet wird nun, dass er Ziel des Attentats war. Der französische Botschafter in Kopenhagen, selbst Teilnehmer der Veranstaltung, sieht die Absicht dahinter in einer Linie mit dem Angriff auf Charlie Hebdo.

Ministerpräsidentin sieht terroristischen Angriff

Am Abend kam Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt zum Anschlagsort. "Dänemark ist heute Abend von einem sehr ernsten Akt der Gewalt getroffen worden. Wir sind jetzt sicher, dass es sich um einen politisch motivierten Angriff handelt, einen terroristischen Angriff", sagte sie. "Wir nehmen die Situation extrem ernst. Wir sind überall im Land in hoher Alarmbereitschaft - und unsere oberste Priorität ist es zunächst, die Täter zu fassen - so schnell wie möglich."

Dänemarks Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt spricht von einem "Akt des Terrors".

Dänemarks Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt spricht von einem "Akt des Terrors".

Am Abend veröffentlichte die Polizei das Foto einer Überwachungskamera, das den Täter zeigen soll - in dicker Winterkleidung und mit Mütze. Sie fahndet nach einem 25-30 jährigen Mann, 1,85 groß, möglicherweise mit arabischem Aussehen, aber heller Haut.

Stundenlang zuvor hatte die Polizei von zwei Tätern gesprochen - Zeugenaussagen führten zur Korrektur. Der Schütze war zunächst in einem gestohlenen VW Polo geflohen, ließ ihn aber rasch zurück. Auch die deutsche Bundespolizei ist eingeschaltet und kontrolliert verstärkt das Grenzgebiet zu Dänemark- unter anderem an den Flensburger Grenzübergängen - und sie mobilisierte zusätzliche Kräfte.