Soldat der armenischen Armee beim Abfeuern einer Kanone. | Bildquelle: dpa

Konflikt im Südkaukasus Angriff auf Hauptstadt von Bergkarabach

Stand: 02.10.2020 14:36 Uhr

Die Lage im Südkaukasus eskaliert weiter. Nach armenischen Angaben ist die Hauptstadt von Bergkarabach von Soldaten Aserbaidschans angegriffen worden. Zuvor hatte sich Armenien zu Waffenstillstandsgesprächen bereit erklärt.

Sechs Tage nach Beginn der heftigen Kämpfe um Bergkarabach im Südkaukasus spitzt sich der Konflikt weiter zu. Nach Angaben des armenischen Verteidigungsministeriums sollen Streitkräfte Aserbaidschans die Hauptstadt von Bergkarabach angegriffen haben. Bei der Attacke auf Stepanakert seien mehrere Menschen verletzt worden, erklärte ein Ministeriumssprecher. "Es gibt viele Verletzte in der Zivilbevölkerung, und die zivile Infrastruktur wurde beschädigt."

Zuvor hatte sich Armenien zu Waffenstillstandsverhandlungen mit Aserbaidschan bereit erklärt. Armenien stehe für Gespräche über eine Waffenruhe innerhalb der sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OSZE) bereit, teilte das armenische Außenministerium in der Hauptstadt Jerewan mit. Die Minsk-Gruppe wird zusammen von Russland, Frankreich und den USA geleitet. Zuletzt hatte sie den sofortigen Waffenstillstand in der Konfliktregion gefordert. Die letzten größeren Verhandlungen im Minsk-Format waren 2010 gescheitert. 

EU bietet Unterstützung an

Die Regierung von Aserbaidschan bekräftigte derweil ihre Forderung an Armenien, alle Truppen aus der umkämpften Region abzuziehen. "Wenn Armenien ein Ende dieser Eskalation will, muss es die Besatzung beenden", sagte der außenpolitische Berater von Präsident Ilham Alijew, Hikmet Hadschijew.

Die Staats- und Regierungschef der EU hatten ein sofortiges Ende der Gewalt in der Konfliktregion Bergkarabach im Südkaukasus gefordert. Der Verlust von Menschenleben und die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung seien nicht hinnehmbar, heißt es in einer Erklärung aus Brüssel. Aserbaidschan und Armenien sollten ohne Vorbedingungen Verhandlungen beginnen.

Bergkarabach international nicht anerkannt

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell solle prüfen, wie Europas Unterstützung aussehen kann. Die EU-Kommission kündigte die Bereitstellung von humanitärer Nothilfe für die Zivilbevölkerung in der Region an. Dabei geht es um Lebensmittel, medizinische Ausrüstung und weitere Hilfsgüter für Tausende Menschen. Der für das Krisenmanagement zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic erklärte: "Menschenrechte müssen respektiert und der Schutz von Zivilisten und Infrastruktur sichergestellt werden."

Der seit Jahren schwelende Konflikt um Bergkarabach mit seinen etwa 150.000 Einwohnern war am Sonntag wieder in Gewalt umgeschlagen. Bei den Gefechten wurden seitdem fast 200 Menschen getötet, darunter 30 Zivilisten. Wegen der erneuten Welle von Gewalt hatten sowohl Armenien als auch Aserbaidschan das Kriegsrecht verhängt. Die Nachbarstaaten machten sich gegenseitig für die Eskalation verantwortlich.

Bergkarabach liegt in Aserbaidschan, wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt, welche die Region auch unter ihrer Kontrolle haben. Die selbsternannte Republik hatte sich 1991 von Aserbaidschan losgesagt, wird international allerdings nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich daher als Teil Aserbaidschans.

In dem Konflikt spielt auch die Konkurrenz zwischen Russland und der Türkei um Einfluss in der südlichen Kaukasusregion eine wichtige Rolle. Das ölreiche Aserbaidschan hat seine Armee in den vergangenen Jahren hochgerüstet und kann auf die Unterstützung der Türkei zählen. Russland gilt historisch als Armeniens Schutzmacht und unterhält dort einen Militärstützpunkt. Zugleich pflegt Moskau gute Beziehungen auch zu Aserbaidschan und beliefert es mit Waffen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Oktober 2020 um 14:00 Uhr.

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