Kofi Annan | Bildquelle: REUTERS

Zum Tod von Kofi Annan Unermüdlich für eine bessere Welt

Stand: 18.08.2018 16:01 Uhr

"Die Welt ist in Unordnung", sagte einst Kofi Annan. Seine Lebensaufgabe war, dagegen etwas auszurichten. Mit Beharrlichkeit ist ihm das gelungen. Er blickte aber auch auf schmerzhafte Niederlagen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Unermüdlich hat er dafür gekämpft, die Welt zu versöhnen. Und immer war er besorgt: "Die Welt ist in Unordnung", sagt der Vermittler, Gemeinschaftsdenker und Weltverbesserer. Die väterliche Stimme hat oft gemahnt. Langsam und bedächtig, so sprach Kofi Annan nicht erst, seit er weiße Haare hatte.

Der Sohn eines ghanaischen Häuptlings hatte seine Karriere in den 1960er-Jahren bei den UN begonnen. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Ghana, der USA und der Schweiz. Annan war ein Karrierebürokrat: Mit 24 Jahren stieg er als Verwaltungsbeamter bei der Weltorganisation ein. 35 Jahre später saß er im Chefbüro des UN-Hochhauses am East River in Manhattan.

Die Gabe zu überzeugen

In den zehn Jahren an der Spitze der UN bewies er, dass man als Generalsekretär einer oft ohnmächtigen Weltorganisation durchaus Macht entwickeln kann. In seine Amtszeit als oberster UN-Diplomat fielen auch die Terroranschläge des 11. September 2001 in den USA. Damals sagt Annan: "Wird sind ins dritte Jahrtausend eingetreten, durch ein Tor des Feuers. Wenn wir nach diesem Horror besser und fairer sehen, werden wir sehen, dass die Menschlichkeit unteilbar ist."

Annan leitete die Vereinten Nationen ruhig und diplomatisch durch Kriege in Afghanistan, im Irak und im Sudan. Im politischen Pokerspiel mit Diktatoren wie Saddam Hussein oder dem sudanesischen Gewaltherrscher Al Bashir bewies Annan stets seine Qualitäten. Er hatte die Gabe zu überzeugen und tat es mit leisen Tönen. Vergeblich kämpfte er um Reformen der Vereinten Nationen: Er wollte sie weniger bürokratisch machen.

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Trauer um Kofi Annan

Staatsbegräbnis Kofi Annan in Accra/Ghana

Mit einem Staatsbegräbnis ist der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan in seiner Heimat Ghana beigesetzt worden. "Er war ein außergewöhnlicher globaler Anführer", sagte UN-Generalsekretär António Guterres bei dem Begräbnis in Accra. Er lobte Annan als würdevollen und mutigen Diplomaten, der sein Amt mit moralischer Überzeugung ausführte. | Bildquelle: AP

"Nie wieder Ruanda"

Dass er in seiner langen diplomatischen Karriere auch Fehler machte, gab er zu. Eine seiner großen Niederlagen war der Völkermord in Ruanda im Jahr 1994. Annan war als Untergeneralsekretär für die Einsätze der UN-Friedenstruppen zuständig. Doch die Blauhelme versagten: Sie griffen im Völkermord nicht ein. Mehr als 800.000 Menschen wurden ermordet. "Ich hätte mehr tun sollen", gab Annan später zu und wiederholte immer wieder: "Nie wieder Ruanda".

2001 erhielt Kofi Annan zusammen mit den Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis. Das Komitee würdigte seinen Einsatz für eine "besser organisierte und friedlichere Welt".

Appellieren, vermitteln, überreden. Das waren die Feinwerkzeuge dieses Mannes, der erst im April 80 Jahre alt wurde. Im Alter von 74 Jahren nahm Annan noch einmal eine Herausforderung an: Er wurde er UN-Sonderbeauftragter für Syrien. "Man hat mir eine sehr schwere Aufgabe gegeben, ich stelle mich einer großen Verantwortung", sagt er damals. Das Amt gab er fünf Monate später zurück.

Kofi Annan bei einem Treffen mit Baschar al Assad
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Die Aufgabe als Sondergesadter in Syrien gab Annan nach fünf Monaten wieder ab.

"Wir haben Spaß dabei"

Als er einmal gefragt wurde, wie er all die schweren Aufgaben gemeistert habe, hatte Kofi Annan zwei Antworten: "Ich bin auf drei Kontinenten groß geworden und habe dort gearbeitet. Da siehst du die Welt aus einer anderen Perspektive und verstehst sie." Doch allgemeingültiger ist die zweite Antwort: "Wir arbeiten hart - aber wir haben Spaß dabei."

Kofi Annan hat auch mit 80 noch hart gearbeitet. In seiner eigenen Stiftung - für nicht weniger als eine bessere Welt.

Kofi Annan - Kämpfer für eine bessere Welt
Antje Passenheim, WDR
18.08.2018 15:08 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 18. August 2018 Inforadio um 13:08 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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