Jamal Khashoggi (Archiv Foto von 2011) | Bildquelle: AFP

Fall Khashoggi "Washington Post" publiziert letzten Beitrag

Stand: 18.10.2018 09:29 Uhr

Die "Washington Post" hat eine letzte Kolumne des mutmaßlich getöteten Journalisten Khashoggi veröffentlicht. Darin schreibt er über die Bedeutung einer freien Presse für die arabische Welt und verweist auf einen Vorfall in Ägypten.

Die "Washington Post" hat den letzten Beitrag des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi publiziert. In der Kolumne schreibt Khashoggi von der Inhaftierung eines bekannten Autors und verweist auf einen Vorfall in Ägypten, wo die Regierung die Kontrolle über eine Zeitung übernahm.

"Arabische Regierungen haben freie Hand"

"Was die arabische Welt am meisten braucht, ist Meinungsfreiheit", steht über dem Artikel des vermissten Journalisten. Er schrieb darin, Aktionen wie die ägyptische Beschlagnahme einer Zeitung hätten keine Gegenreaktion der internationalen Gemeinschaft mehr zur Folge. Stattdessen folge auf eine etwaige Verurteilung schnell Stille. "Die arabischen Regierungen haben freie Hand, die Medien unter wachsendem Tempo weiter zum Schweigen zu bringen.

"Das letzte Stück von ihm"

Die "Washington Post" machte in einem Begleittext deutlich, dass sie nicht mehr davon ausgehe, dass der Journalist noch am Leben sei. Die zuständige Redakteurin Karen Attiah schrieb, man habe mit der Veröffentlichung auf Khashoggis Rückkehr warten wollen, um den Text gemeinsam mit ihm zu redigieren. "Jetzt muss ich akzeptieren: Das wird nicht passieren. Das ist das letzte Stück von ihm, das ich für die 'Post' redigieren werde." Der Meinungsbeitrag zeige Khashoggis "Leidenschaft" für Freiheit in der arabischen Welt, schrieb Attiah. "Eine Freiheit, für die er offenbar sein Leben gegeben hat."

US-Demokraten fordern Aufklärung

Unterdessen gerät US-Präsident Donald Trump im Fall Khashoggi unter Druck. Elf Senatoren der oppositionellen Demokraten fordern von dem Präsidenten und von der von seinen Söhnen geführten Firmengruppe Aufklärung "über jedwede finanzielle Verbindungen zwischen der Trump-Organisation und dem Königreich Saudi-Arabien". Es gebe Anlass zur Sorge über "finanzielle Interessenskonflikte". Trump hatte am Dienstag auf Twitter erklärt: "Fürs Protokoll, ich habe keinerlei finanzielle Interessen in Saudi-Arabien."

In einem Schreiben der elf Senatoren an Trump heißt es: "Es ist zwingend erforderlich, dass die Sanktionsentscheidung und die US-Politik gegenüber Saudi-Arabien im Allgemeinen nicht durch Interessenkonflikte beeinflusst werden, die aufgrund Ihrer engen finanziellen Beziehungen zu Saudi-Arabien oder der Ihrer Familie bestehen könnten."

Die demokratischen Senatoren verweisen darauf, dass vergangene Woche 22 ihrer Kollegen über Parteigrenzen hinweg den Präsidenten aufgefordert hatten, das Verschwinden Khashoggis zu untersuchen und Sanktionen gegen Saudi-Arabien zu prüfen.

Erneut Durchsuchungen des Konsulats?

Türkische Ermittler haben offenbar erneut das saudi-arabische Konsulat in Istanbul durchsucht, wo Khashoggi Anfang des Monats spurlos verschwand. Ein Reuters-Augenzeuge beobachtete, wie Einsatzkräfte unter anderem den Garten des Anwesens und dort geparkte Fahrzeuge untersuchten. Zuvor war bereits die Residenz des saudi-arabischen Konsuls durchsucht worden.

Türkische Berichte über Folter und Tötung Khashoggis

Der regierungskritische saudische Journalist hatte am 2. Oktober das Konsulat in Istanbul betreten und wird seitdem vermisst. US-amerikanische und türkische Medien berichteten seitdem über immer neue Details über Khashoggis angebliche Tötung im Konsulat.

Die türkische Zeitung "Yeni Safak" meldete unter Berufung auf eine angebliche Audioaufnahme von dem Geschehen, saudi-arabische Agenten hätten dem regierungskritischen Journalisten während eines Verhörs die Finger abgeschnitten und ihn später enthauptet.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 18. Oktober 2018 um 05:43 Uhr.

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