Boris Johnson | Bildquelle: ANDY RAIN/EPA-EFE/REX

Vor Tory-Regionalkonferenzen Johnson und Hunt treffen die Basis

Stand: 22.06.2019 08:58 Uhr

Zwei Kandidaten für den Tory-Vorsitz gibt es noch, einer von ihnen wird Premier. Heute präsentieren sie sich erstmals auf einer Regionalkonferenz der Basis. Ein Besuch bei Parteimitgliedern.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

"Jeremy Hunt scheint mir eher ruhiger zu sein. Deshalb fürchte ich, dass sich am Ende Boris allein wegen seiner selbstdarstellerischen Fähigkeiten durchsetzen wird", sagt dieser Konservative aus der zentralenglischen Kleinstadt Loughborough. Er will heute die fast 70 Kilometer nach Birmingham fahren, zur Regionalkonferenz der West Midlands, wo sich Hunt und Johnson erstmals den Mitgliedern stellen.

Sein Parteifreund sagt, ja, Show-Talent habe Johnson, aber er werde auch beweisen, dass er der richtige Kandidat für die May-Nachfolge sei, und gute Arbeit leisten.

Aber auch der Außenminister und frühere Gesundheitsminister hat in diesem Ortsverein Fans. Sie sei froh, dass Hunt es in das Duell schaffte, sagt eine Frau. In ihrer Brexit-Strategie unterschieden sich die beiden zwar, "vielleicht ist Boris ein bisschen fixierter darauf, auch ohne Deal aus der EU auszutreten. Aber Hunt hat einfach die Erfahrung aus mehreren Ressorts."

Jeremy Hunt | Bildquelle: AFP
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Jeremy Hunt hat sich sogar selbst zum Außenseiter erklärt.

Vier Wochen auf Tour 

Vier Wochen lang werden die beiden Kandidaten durchs Land touren und sich auf insgesamt 16 Regionalkonferenzen den Fragen der Parteibasis stellen. Die etwa 160.000 Mitglieder entscheiden anschließend per Briefwahl über ihren neuen Parteivorsitzenden, den die Queen dann auch zum Premierminister ernennen wird, als Führer der stärksten Fraktion im Unterhaus.

In den bisherigen Umfragen unter den Mitgliedern lag Johnson immer vorn. Eigentlich rechnet niemand damit, dass der Außenminister noch an ihm vorbei ziehen könnte. Hunt sieht sich selber als Außenseiter: "Ich bin halt der Underdog in diesem Rennen, aber ich möchte den Leuten beweisen, dass sie falsch liegen", sagt er. Der beste Weg zum Brexit sei es, der EU einen harten Verhandlungspartner zu schicken, der nicht aufgebe, bis er das bekomme, was richtig für das Land sei, und bereit sei, aufzustehen und den Verhandlungstisch zu verlassen."

Der Ex-"Remainer" und das Brexit-Original

Im Gegensatz zum früheren "Remainer Hunt" präsentiert sich Johnson als Brexit-Original: Austritt bis zum 31. Oktober, mit oder ohne Deal. Der frühere Londoner Bürgermeister führte 2016 die offizielle Kampagne für den Austritt an und erklärte damals den Tag, an dem das Ergebnis verkündet wurde, zum Unabhängigkeitstag.

Johnson ist deshalb die Hoffnung der Konservativen: Der Partei sitzt die bei der EU-Wahl so erfolgreiche Brexit-Partei von Nigel Farage im Nacken. Die Basis hat die Nase voll von der Brexit-Hängepartie.

Die allermeisten Mitglieder der Konservativen, überwiegend weiße ältere Männer aus England, wollen einfach nur noch raus aus der EU: 63 Prozent der Torys würden dafür laut einer aktuellen Umfrage auch in Kauf nehmen, dass die Schotten dann vielleicht Großbritannien verlassen. 62 Prozent, dass die britische Wirtschaft schweren Schaden nimmt, 59 Prozent, dass Nordirland an die Republik Irland fällt. Und 54 Prozent der Mitglieder würden sogar das Ende der eigenen Partei akzeptieren.

Hauptsache, endlich raus aus der Europäischen Union. Johnson scheint dafür der geeignete Kandidat zu sein.

Die Kandidaten-Tour beginnt: Johnson und Hunt bei den Tories in Birmingham
Jens-Peter Marquardt, ARD London
22.06.2019 08:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Juni 2019 um 07:50 Uhr.

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