Ein Gemüsehändler in Amritsar zählt sein Geld vor einem Stapel Zwiebelsäcke. | Bildquelle: RAMINDER PAL SINGH/EPA-EFE/REX

Steigende Zwiebelpreise Das politischste Gemüse Indiens

Stand: 08.10.2019 13:29 Uhr

Die Zwiebel ist wichtiger Bestandteil der indischen Küche - gerade in ärmeren Familien. Doch dieses Jahr hat heftiger Regen die Ernte verdorben. Weil bald Wahlen anstehen, wird der Preis zum Politikum.

Von Tobias Zacher, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

In einer der engen Gassen auf dem Mehrauli-Markt im Süden von Neu-Delhi ist Sunita Kumani auf der Suche - nach günstigen Zwiebeln. Seit Wochen steigen die Preise, und das ist ein Problem für die Hausfrau. "Zwiebeln sind für mich unverzichtbar", klagt sie. "Für meine Familie brauche ich etwa ein Kilo pro Woche. Wie sollen wir sonst essen? Ich würde auch 100 Rupien pro Kilo bezahlen, aber dann müssen wir auf andere Zutaten verzichten und hätten weniger zu essen."

Zwiebeln sind eine der wichtigsten Zutate in der indischen Küche: Mittags, zum Abendessen und immer wieder auch zum Frühstück. Und wenn Geld oder andere Zutaten knapp sind, dann essen die Menschen in einigen Regionen schlicht "Kanda Bhakari": Zwiebeln mit Brot.

Glückliche Händler, frustrierte Kunden

Doch diesen Sommer haben Überflutungen Teile der Ernte zerstört. Die steigenden Preise für Zwiebeln treffen viele Menschen. Sunita Kumani kauft ihre heute bei Manhor Lal - für 50 Rupien das Kilo, umgerechnet gut 60 Cent. Um Geld zu sparen hat sie extra einen Umweg auf sich genommen, denn normale Markthändler, wie sie überall in der Stadt stehen, verlangen mindestens ein Drittel mehr.

In Dhaka stehen zahlreiche Inder Schlange für staatlich subventionierte Zwiebeln. | Bildquelle: AFP
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Wie hier in Dhaka stehen Inder derzeit vielerorts Schlange für staatlich subventionierte Zwiebeln.

Als Großhändler für Zwiebeln und Kartoffeln hat Manhor Lal einen Vorteil. "Die Geschäfte laufen gut", berichtet er. "Im Moment kommen mehr Kunden, weil es bei mir besonders günstig ist. Trotzdem sollte der Preis weiter sinken. 30 Rupien wären ein fairer Preis, vor allem für ärmere Menschen.“

Regierung verhängt Exportverbot

Die Zwiebel ist wohl das politischste Gemüse Indiens. Vor allem im dicht besiedelten Norden ist sie beliebt. Und die vielen Menschen dort können mit ihren Stimmen wahlentscheidend sein. In drei Bundesstaaten Indiens wird in diesem Jahr noch gewählt. Ernährungsminister Ram Vilas Paswan kämpft deshalb gegen hohe Zwiebelpreise. "Wir haben maximale Lagermengen festgelegt und außerdem ein Exportverbot für Zwiebeln verhängt."

Außerdem wurden öffentliche Vorräte angezapft und sogar Zwiebeln aus Ägypten importiert. Trotzdem ist der Preis für das Kilo derzeit doppelt so hoch wie noch im August. Und Experten erwarten, dass sich die Lage erst entspannt, wenn die nächste Ernte auf den Markt kommt. Wegen der vielen Überschwemmungen passiert das aber in diesem Jahr erst Mitte November. 

Indiens Zwiebelpreise steigen
Tobias Zacher, ARD Neu-Delhi
08.10.2019 12:50 Uhr

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