Rettungskräfte im Überschwemmungsgebiet in New Bern, North Carolina | Bildquelle: dpa

Tropensturm "Florence" "Dieser Sturm ist unerbittlich"

Stand: 15.09.2018 22:38 Uhr

Mehrere Todesopfer, eine Million Menschen ohne Strom, weite Landstriche überflutet: Die Menschen im Südosten der USA kämpfen gegen Tropensturm "Florence". Laut Experten könnte es noch schlimmer werden.

Mindestens elf Menschen sind im US-Bundesstaat North Carolina infolge des Tropensturms "Florence" ums Leben gekommen. Eine Mutter und ein Baby starben, als ein Baum auf ihr Haus in Wilmington fiel. In Pender County erlag eine Frau einem Herzinfarkt. Rettungskräfte konnten sie wegen Trümmerteilen nicht rechtzeitig erreichen. In Lenoir County erlitt ein Mann einen Stromschlag an einem Notstromaggregat. Ein anderer stürzte, als er draußen nach seinen Jagdhunden sehen wollte.

Eine Mutter und ihr Baby kamen in Wilmington ums Leben, als ein Baum auf ihr Haus stürzte. | Bildquelle: AFP
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Eine Mutter und ihr Baby kamen in Wilmington ums Leben, als ein Baum auf ihr Haus stürzte.

Flächendeckende Stromausfälle

Starker Wind zerstörte zahlreiche Gebäude und Straßen und riss Bäume um. Anhaltender Regen überschwemmte ganze Ortschaften. In einigen Städten fiel innerhalb eines Tages 60 Zentimeter Regen.

Zwar wird "Florence" nicht länger als Hurrikan eingestuft, sondern als ein tropischer Sturm. Dessen Zentrum bewegt sich aber nur langsam voran, sagt Steve Goldstein vom Nationalen Wetter Dienst: "Der Sturm hängt fest über der Küste von North Carolina. Die Folge sind schwere Überschwemmungen in North und South Carolina auch in den kommenden Tagen." An der Küste drohen weitere Sturmfluten.

Knapp eine Million Haushalte und Firmen sind ohne Strom. Wind und Regen hatten die oberirdischen Stromleitungen abgerissen und elektrische Anlagen unter Wasser gesetzt. "Sobald die Situation es zulässt, stehen wir bereit, die kritische Infrastruktur zu reparieren", sagte Jeff Byard vom US-Katstrophenschutz FEMA.

Menschen suchen in einer Notunterkunft in Grantsboro, North Carolina, Schutz vor dem Hurrikan "Florence". | Bildquelle: REUTERS
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Menschen suchen Schutzunterkünfte auf wie hier in Grantsboro in North Carolina.

"Dieser Sturm ist tödlich"

"Wir wissen, dass es noch Tage weitergehen wird", sagte der Gouverneur von North Carolina, Roy Cooper. "Dieser Sturm ist unerbittlich und quälend. Es gibt wahrscheinlich keinen Ort oder keine Person, die nicht betroffen sein wird", sagte er auf "CNN". "Fakt ist, dieser Sturm ist tödlich." Cooper ordnete per Erlass an, dass etwa Betroffene leichter als bisher an Übergangswohnungen kommen.

Der Gouverneur forderte Bewohner auf, dem Drang zu widerstehen, sich selbst ein Bild von den Schäden machen zu wollen: "Viele Straßen sind überschwemmt und nicht befahrbar. In vielen Gegenden wird es noch schwieriger. Wir haben Tage voller Regen vor uns. Das heißt, die Flüsse werden steigen und Gemeinden überschwemmen."

Mindestens sechs Tote infolge des Tropensturms "Florence"
tagesthemen 23:15 Uhr, 15.09.2018, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Noch immer Menschen eingeschlossen

Die Behörden gehen davon aus, dass insgesamt fünf Millionen Menschen von den Überschwemmungen betroffen sein könnten. Rund zwei Millionen Menschen in North Carolina, South Carolina und Virgina wurden zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. Nicht alle folgten den Aufrufen.

Einsatzkräfte müssen deshalb immer wieder eingeschlossene Bewohner aus den Wassermassen retten. In der Stadt New Bern in North Carolina, die direkt an einem Fluss liegt, brachten Rettungsteams mehr als 200 Menschen in Booten in Sicherheit. Dutzende weitere mussten aus einem beschädigten Motel befreit werden.

In der Stadt Jacksonville mussten Rettungskräfte 20 Bewohner eines Apartmenthauses retten. Steigendes Wasser hatte sie eingeschlossen. Die Behörden in Jacksonville suchen Freiwillige mit Booten, die bei Rettungseinsätzen in den Fluten helfen können.

Notfallsanitäter Raffi Hovsepian | Bildquelle: dpa
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Die Notunterkünfte sind nicht nur für Anwohner offen. Auch Sanitäter wie Raffi Hovsepian warten hier auf ihre nächsten Einsätze.

"Eine ganze Weile nicht zurückkehren"

Die Behörden gehen nicht davon aus, dass betroffene Anwohner schnell in ihre Häuser zurückkehren können. "Wenn sie die Küste verlassen mussten und in einem Schutzraum leben, dann werden sie eine ganze Weile nicht zurückkehren können. Irgendwann können sie zurück. Aber für einige wird es nicht mehr möglich sein, wenn wir uns die Schäden anschauen", sagte der Chef der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA, Brock Long.

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Auswirkungen von Tropensturm "Florence"

Hurrikan Florence in Lumberton

Der Hurrikan ist vorbei, doch die Wassermassen bleiben: Der Südosten der Vereinigten Staaten kämpft nach dem Sturm "Florence" mit enormen Fluten, die noch schlimmer werden sollen. Ein Mitglied der Küstenwache patrouilliert hier in der Stadt Lumberton/North Carolina. | Bildquelle: REUTERS

Verbilligte Kredite für den Wideraufbau

US-Präsident Donald Trump hat North Carolina zum Katastrophengebiet erklärt. Damit gibt der Bund Geld für betroffene Gemeinden frei. Amerikaner können so zum Beispiel verbilligte Kredite für den Wideraufbau bekommen. Das geht frühestens, wenn der Sturm Mitte der kommenden Woche durchgezogen ist und die Pegel der Flüsse wieder fallen.

Die Behörden in den betroffenen Regionen warnen bereits vor Umweltkatastrophen infolge des Tropensturms. Durch die Überschwemmungen könnten Industrieabfälle in die Umwelt gelangen. Eine Gefahr gehe auch von überfluteten Schweinefarmen aus.

Vom Tropensturm zum Hurrikan

Tropische Wirbelstürme entstehen über dem Meer, wenn das Wasser mindestens 26 Grad warm ist und stark verdunstet. Ihre Stärke wird nach der von den Meteorologen Herbert Saffir und Robert Simpson entwickelten Skala eingeteilt. Demnach ist in den USA bei einer maximalen Windgeschwindigkeit unter 63 Kilometern pro Stunde von einem Tropentief die Rede. Bei Tempo 63 bis 118 gilt es als Tropensturm, darüber wird Hurrikanstärke erreicht. Ein Hurrikan der Kategorie 1 reicht bis Tempo 153. Stufe 2 gilt bis 177, Stufe 3 bis 208 und Stufe 4 bis 251 Kilometer pro Stunde. Hurrikans der höchsten Kategorie 5 haben eine Windgeschwindigkeit von mehr als 252 Kilometern pro Stunde.

Hurrikans erzeugen zwar enorme Windgeschwindigkeiten, bewegen sich aber oft nur mit etwa 15 Kilometern in der Stunde vorwärts. Das ist verheerend, weil Niederschläge dann stunden- oder tagelang auf fast dasselbe Gebiet niederprasseln.

Oft nehmen Wirbelstürme bei ihrem Zug über das Meer an Stärke zu. Über Land verlieren sie schnell an Kraft, da der Nachschub feuchtwarmer Luftmassen fehlt. Bei Windgeschwindigkeiten unter 120 Kilometern pro Stunde wird ein Hurrikan zu einem Tropensturm herabgestuft.

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Tropensturm "Florence" hängt über Südostküste fest
Torsten Teichmann, ARD Washington
15.09.2018 18:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtet tagesschau24 am 15. September 2018 um 15:00 Uhr.

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