Eine aus dem Küstenort Houdeida vertriebene Familie in einer Unterkunft in Sanaa | Bildquelle: dpa

Krieg im Jemen Wenn Menschen Blätter essen vor Hunger

Stand: 22.09.2018 00:57 Uhr

Im Jemen wird die Not immer schlimmer. UN-Experte Lowcock sagte im Sicherheitsrat, die Lage habe sich auf eine geradezu alarmierende Weise verschlechtert. Manche Menschen würden sogar Blätter essen.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Im kriegsgeplagten Jemen droht der Kampf gegen eine schwere Hungersnot nach UN-Angaben verlorenzugehen. Das das Land leide unter der schlimmsten humanitären Krise der Welt, warnte der UN-Experte Mark Lowcock im Sicherheitsrat in New York. Die Lage im Jemen sei trostlos, so der Untergeneralsekretär für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten der UN.

UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock | Bildquelle: SALVATORE DI NOLFI/EPA-EFE/REX/S
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Die Lage vor Ort habe sich alarmierend verschlimmert, sagte Nothilfekoordinator Lowcock.

Lowcock sagte, die Situation habe sich auf eine geradezu alarmierende Weise verschlechtert. Das liege insbesondere am Wertverlust der Währung um etwa ein Drittel. Lebensmittel hätten sich damit  drastisch verteuert. Schon jetzt gebe es in dem Bürgerkriegsland kleine Gebiete, wo man von einer Hungersnot sprechen müsse. Menschen würden aus lauter Not Blätter essen.

Lebensader des Landes bedroht

Die Währung des Landes müsse gestützt werde, so Lowcock. Sie sei um rund 30 Prozent gesunken. Und der Kampf um den Hafen von Houdeida westlich der Hauptstadt Sanaa am Roten Meer dürfe nicht dazu führen, dass diese Lebensader für den Jemen blockiert werde. Kämpfer müssten Zivilisten und zivile Einrichtungen schützen. So würden etwa in den "Red Sea Mills" in Houdeida 45.000 Tonnen Getreide lagern, genug um Millionen Menschen einen Monat lang zu ernähren. Doch aufgrund der Kämpfe seien die Silos unzugänglich.

Schon jetzt seien 22 Millionen Menschen, drei von vier Einwohnern des Landes, auf Hilfe angewiesen, so Lowcock. Acht Millionen Menschen wüssten nicht, wo sie ihre nächste Mahlzeit herbekämen. Diese Zahl drohe deutlich anzusteigen.

Der Jemen-Konflikt entzündete sich an der Einnahme der Hauptstadt Sanaa durch die schiitischen Huthi-Rebellen 2014. Dabei wurde damals die international anerkannte Regierung verdrängt. Seit 2015 bekämpft eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition die Huthis. Mehr als 10.000 Menschen sind in dem Krieg umgekommen, rund zwei Millionen wurden vertrieben.

Wenn Menschen Blätter essen – UN-Experte spricht von "trostloser Lage" im Jemen
Kai Clement, ARD New York
21.09.2018 23:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. September 2018 um 06:45 Uhr.

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