Polizisten in Hongkong | Bildquelle: dpa

Proteste und Zusammenstöße Zwei Deutsche in Hongkong festgenommen

Stand: 15.11.2019 17:59 Uhr

In Hongkong sind zwei deutsche Staatsbürger festgenommen worden. Einem Medienbericht zufolge handelt es sich um Austauschstudenten einer Kunsthochschule. Sie werden vom deutschen Generalkonsulat betreut.

Bei den Protesten in Hongkong sind zwei deutsche Staatsbürger festgenommen worden. Laut "Bild"-Zeitung handelt es sich um Austauschstudenten der Lingnan-Universität - eine Hochschule, an der Kunst, Wirtschaft und Sozialwissenschaften gelehrt werden und an der es zuletzt Ausschreitungen gegeben habe. Der Deutschen Presse-Agentur teilte das Auswärtige Amt auf Anfrage mit: "Unser Generalkonsulat in Hongkong betreut zwei deutsche Staatsangehörige konsularisch und steht im Kontakt zu deren Rechtsanwalt sowie den Behörden vor Ort."

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf die Polizei, dass es sich um zwei 22 und 23 Jahre alte Männer handele. Sie seien demnach am Donnerstag aufgegriffen worden, weil sie sich an einer nicht genehmigten Versammlung beteiligt hätten. Dem 22-Jährigen wird laut Polizei darüber hinaus ein Verstoß gegen das Vermummungsverbot vorgeworfen. Gegen 21 Uhr hätten die Polizisten eine Gruppe von Demonstranten im Distrikt Tuen Mun auseinandergetrieben und danach die beiden Ausländer an einer Bushaltestelle gestoppt. Sie seien für die Dauer der Ermittlungen festgesetzt worden.

Zusammenstöße an Universitäten

Am Dienstag war es an Hochschulen zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Vor allem an der Chinesischen Universität feuerte die Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen auf Demonstranten, die Barrikaden errichtet hatten. Die Demonstranten schleuderten Steine auf Polizisten. Aus Angst vor Angriffen flohen aus Festland-China stammende Studenten aus Hongkong.

"Es tut mir leid zu hören, dass die deutschen Studenten festgenommen wurden", zitiert die "Bild" einen Hongkonger Aktivisten. "Die Polizei nimmt zurzeit flächendeckend Leute fest. Viele wurden festgenommen, weil sie einen Slogan skandiert haben, einige haben gar nichts getan, und gegen die meisten wurde keine Anzeige erhoben."

Weiteres Todesopfer

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong gibt es seit Monaten Proteste. In den vergangenen Tagen hatte die Gewalt dabei noch einmal deutlich zugenommen. Wie die Behörden am Donnerstagabend mitteilten, gab es ein weiteres Todesopfer. Demnach erlag ein 70-jähriger Mann seiner Verletzung. Er war tags zuvor in einer Auseinandersetzung zwischen Anti-Regierungsdemonstranten und Anwohnern von einem Pflasterstein am Kopf getroffen worden. 

Am Montag hatte ein Polizist einem jungen Demonstranten in den Bauch geschossen. Außerdem zündete ein radikaler Demonstrant einen Sympathisanten der Regierung an. Sein Zustand ist kritisch. Gleiches gilt für einen 15-Jährigen, der laut Berichten von einem Tränengas-Kanister am Kopf getroffen worden war.

Angriff auf Justizministerin in London

Parallel zu den Protesten in Hongkong wurde nach Regierungsangaben Justizministerin Teresa Cheng in London am späten Donnerstagabend von Demonstranten angegriffen und verletzt. Es war die erste direkte Auseinandersetzung zwischen einem Hongkonger Regierungsmitglied und den Demonstranten - noch dazu im Ausland. Cheng war in der britischen Hauptstadt, um für Hongkong unter anderem als Geschäftsmetropole zu werben.

Die Ministerin sei von Dutzenden China-Gegnern und Unabhängigkeitsbefürwortern umringt und attackiert worden, teilte die chinesische Botschaft in London mit. Sie sei zu Boden gestoßen worden und habe eine Handverletzung erlitten. Scotland Yard bestätigte, dass eine Frau am Donnerstagabend mit Verletzungen am Arm ins Krankenhaus gebracht wurde, äußerte sich aber zum Hergang des Vorfalls zurückhaltend. Die Ermittlungen zu den Hintergründen dauerten an, hieß es. Festnahmen habe es keine gegeben.

In einer früheren Version dieses Beitrags wurde die Lingnan-Universität als Kunsthochschule bezeichnet. Tatsächlich ist das Lehrangebot der Universität breiter. Wir haben den Beitrag entsprechend angepasst.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. November 2019 um 19:00 Uhr.

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