Matt Hancock und Gina Coladangelo stehen vor einem Gebäude auf der Straße. | REUTERS

Britischer Ex-Minister Hancock Wo kommen die brisanten Fotos her?

Stand: 28.06.2021 14:56 Uhr

Nach dem Rücktritt des britischen Gesundheitsminister Hancock stellen sich viele Briten die Frage: Wer hat die kompromittierenden Aufnahmen gemacht und der Presse zugespielt?

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Die Fotos sind eindeutig: Zu sehen ist der ehemalige Gesundheitsminister Matt Hancock in enger Umarmung mit seiner Mitarbeiterin Gina Coladangelo. Veröffentlicht hat das Foto in der vergangenen Woche die Boulevard-Zeitung "The Sun". Beide sind mit einem anderen Partner beziehungsweise einer anderen Partnerin verheiratet, haben jeweils drei Kinder. Die Affäre läuft offenbar schon länger.

Christoph Prössl ARD-Studio London

Gegen Abstandsregeln im Büro verstoßen

Nach einigem Hin und Her ist Hancock dann am Samstag zurückgetreten. Hancock begründete den Rücktritt damit, gegen Maßnahmen zur Eindämmung von Corona verstoßen zu haben. In England gelten Abstandsregeln im Büro. In einer Videobotschaft sagte Hancock: "Ich bin mir der Opfer bewusst, die viele in diesem Land erbracht haben und die, die diese Regeln machen, müssen sich daran halten. Deswegen muss ich zurücktreten."

Mittlerweile fragen sich viele Menschen in Großbritannien: Wo kommen die Bilder eigentlich her? Zunächst hieß es, die Aufnahmen seien von einer Überwachungskamera im Büro des Gesundheitsministers gemacht worden. Diese soll dort 2017 angebracht worden sein - warum, ist unklar. Offen ist, wer Zugang zu den Bildern hatte und vor allem, wer die Sequenzen den Medien zugespielt hat. Mit der Überwachung und dem Schutz des entsprechenden Gebäudes ist eine private Sicherheitsfirma beauftragt.

Nach illegalen Kameras suchen

Justizminister Robert Buckland gab am Morgen mehrere Interviews, in denen er forderte, dass die Büros von Ministern regelmäßig auf illegale Kameras untersucht werden müssten. Minister und Regierungsangestellte hätten ein Recht darauf, unbeobachtet zu arbeiten, weil sie oftmals mit vertraulichen Informationen zu tun hätten.

Videoüberwachung sei mittlerweile alltäglich, aber es gebe auch Kräfte, die mit sensiblem Material der Regierung schaden wollten. Am Freitag, nachdem "The Sun" über die Affäre von Hancock berichtet hatte, hat Buckland in der Verwaltung nachgefragt, ob sein Büro auch überwacht werde, wie er dem Radiosender "Times Radio" sagte.

Geheimdienst ermittelt

Die Polizei untersucht den Fall, auch der Geheimdienst MI5 soll in die Untersuchungen einbezogen werden. Innerhalb der Regierung gibt es Sorgen, wie es immer wieder dazu kommt, dass geheime Informationen oder der Inhalt vertraulicher Gespräche an die Öffentlichkeit dringt.

Hancock und die Mitarbeiterin Coladangelo kennen sich bereits aus dem Studium. Die oppositionelle Labour-Partei forderte weitere Aufklärung in dem Fall. Es müsse geklärt werden, wie die ehemalige Lobbyistin an den Job im Gesundheitsministerium gekommen sei. Außerdem bemängelt die Opposition, dass Johnson zunächst an Hancock festgehalten habe.

Hancock stand in den vergangenen Monaten auch wegen seiner Arbeit als Gesundheitsminister in der Kritik. Die Opposition warf ihm vor, dass Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen nach Behandlungen außerhalb dieser Einrichtungen ohne Corona-Test wieder in ihre Zimmer verlegt wurden - obwohl Hancock eine besondere Vorsicht versprochen hatte.

Boris Johnson soll sich abfällig über seine Arbeit geäußert haben, hielt jedoch zunächst an ihm fest, als Hancock ihn nach der Veröffentlichung der Fotos informierte.

Hancock will Abgeordneter bleiben

Matt Hancock kündigte an, sein Mandat als Abgeordneter im Unterhaus behalten zu wollen. In dieser Rolle wolle er Boris Johnson weiterhin unterstützen.

Neuer Gesundheitsminister ist Sajid Javid. Er war Manager der Deutschen Bank und von Juli 2019 bis Februar 2020 Finanzminister. Der pakistanisch-stämmige Brite hat Ökonomie und Politikwissenschaften studiert. Labour kritisierte die Ernennung. Javid habe dem Gesundheitssystem NHS die Einsparungen auferlegt, unter denen der NHS immer noch leide.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juni 2021 um 23:25 Uhr in der Sendung "Informationen am Abend".

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Moderation 28.06.2021 • 21:53 Uhr

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