Rettungskräfte versuchen in die Mine zu gelangen | Bildquelle: REUTERS

Grubenunglück in Indien 15 Kinder in Mine eingeschlossen

Stand: 29.12.2018 09:52 Uhr

Seit mehr als zehn Tagen werden in Indien 15 Kinder und Jugendliche vermisst. Nach einem Grubeneinsturz in einer illegalen Kohlemine sind sie verschollen. Rettungsbemühungen waren bisher vergeblich.

Sabina Matthay, ARD-Studio Südasien

Tausende kleine Kohleminen fressen sich in die Hügelkette nördlich von Shillong, Einheimische sprechen von Rattenlochbergbau. In solch eine illegale Mine waren die Jungen ohne jeglichen Schutz auf Bambusleitern hinabgestiegen, um Kohle mit der Spitzhacke aus Erdspalten zu kratzen. Dann brach Wasser ein, ein Stollen stürzte ein. Seither sind die 15 komplett abgeschnitten von der Außenwelt, ihr Schicksal ist unklar.

Wassermassen behindern Rettung

Arbeiter machen sich zum Abstieg in die Mine bereit: Die Männer richten ihre Atemmasken und Sturzhelme, überprüfen die Funkgeräte und Pfeifen, bevor sie in einen Schacht hinuntergelassen werden. Sie sollen die Lage in der Mine erkunden, vor allem den Wasserstand feststellen.

Rettungskräfte mit einer Wasserpumpe | Bildquelle: REUTERS
galerie

Rettungskräfte bringen eine Wasserpumpe

An die Bergung der Teenager, die unter Tage gefangen sind, ist noch nicht zu denken, erklärt O. K. Singh vom indischen Katastrophenschutz: "Der Wasserpegel sinkt einfach nicht, wir brauchen also mehr Pumpen, dann erst kann die Suche nach den Jungen richtig losgehen." Denn dazu müsste der Pegel beträchtlich sinken, derzeit steht das Wasser mehr als 20 Meter hoch. Doch immer wieder werden neue Überflutungen festgestellt, und die leistungsstarken Pumpen, die die staatliche Kohlegesellschaft zur Verfügung stellen will, müssen erst aus einem anderen Bundesstaat herbeigeschafft werden. Das kann dauern.

Beim Katastrophenschutz hofft man, dass die Jungen sich in eine Luftblase retten konnten. Taucher am Unglücksort berichten von Gasgeruch, die Herkunft ist unbekannt.

15.000 Tote in knapp 20 Jahren

Es ist nicht die erste Tragödie unter Tage in den Rattenlochminen von Meghalaya. Seit Anfang des Jahrtausends starben dort schätzungsweise 15.000 Bergleute, meist Jungen und Männer aus Nepal oder Bangladesch, für deren Verschwinden sich niemand interessiert. Illegaler Bergbau ist zwar seit 2014 verboten, doch die Nachfrage nach Kohle in Indien steigt, in Meghalayas Hügeln lagern rund 600 Millionen Tonnen Steinkohle, deshalb ziehen immer noch legale und illegale Bergbauunternehmen in die Region.

Das Verbot kann vor allem deshalb nicht durchgesetzt werden, weil Polizisten, die den Abtransport von Kohle überprüfen sollen, sich schmieren lassen, genau wie Politiker und Beamte, von denen manche selbst direkt am illegalen Bergbau beteiligt sind.

Indien: Bergleute in 'Rattenlochmine' verschollen
Sabina Matthay, ARD Neu-Delhi
29.12.2018 09:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Dezember 2018 um 11:50 Uhr.

Darstellung: