Proteste gegen ein Fracking-Projekt in Preston New Road | Bildquelle: AFP

Großbritannien Verhaltener Jubel über Frackingstopp

Stand: 02.11.2019 17:36 Uhr

Wegen Erdbebengefahr setzt Großbritannien das umstrittene Fracking vorerst aus. Umweltschützer sehen sich bestätigt - bleiben aber skeptisch.

Von Christoph Heinzle, ARD-Studio London

Als "wunderbare Neuigkeit für die Menschheit" hat Boris Johnson Fracking einst gepriesen. Der britische Premier gehört seit vielen Jahren zu den eifrigsten Verfechtern der Fördertechnik. Jetzt hat seine Wirtschafts- und Energieministerin Fracking erstmal gestoppt.

Aus Sicherheitsgründen, um weitere Erdbeben zu verhindern, sagte Andrea Leadsom der BBC. Man richte sich nach den Erkenntnissen der Wissenschaft. "Und da haben wir eben keine Gewissheit, wo Bruchlinien in der Erde verlaufen. Geologische Studien haben sich als ungenau erwiesen. Und bis wir absolut sicher sind, verhängen wir ein Moratorium", erklärte Leadsom.

Freude und Skepsis über Stopp

Auslöser des Umschwungs war eine Reihe von kleineren Beben im englischen Lancashire im August - verursacht durch Förderaktivitäten im derzeit einzigen Testfeld des Landes.

Eine Studie der britischen Öl- und Gas-Aufsichtsbehörde stellte nun fest, dass weiteres Fracking auch weitere Beben verursachen könnte und die Stärke nicht zu kontrollieren sei. Leadsom stoppte die Gasförderung - bis es überzeugende Beweise gebe, dass Fracking sicher sei.         

Opposition und Umweltbewegung sind erfreut und skeptisch zugleich. Grünen-Chef Jonathan Bartley sagte, das sei eine Riesenanerkennung für alle, die seit zehn Jahren protestieren. Es brauche jetzt aber eine verbindliche Zusage der Regierung, Fracking nie wieder zu erlauben.

Bartley forderte weiter: "Wir müssen über Gas und Heizen neu nachdenken, massiv investieren, um den Gasbedarf zu verringern. Das wird unsere Probleme lösen und nicht, darauf zu warten, ob Fracking sicher gemacht werden kann."

Kühe grasen vor dem Fracking-Projekt des Energieunternehmens Cuadrilla bei Preston New Road nahe Blackpool. | Bildquelle: AFP
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Das Fracking-Projekt des Energieunternehmens Cuadrilla bei Preston New Road nahe Blackpool.

"Fracking bleibt Riesenchance"

Viele sehen den Stopp als Wahlkampfgag. Die Wirtschaftsministerin spricht von einem Aussetzen der Schiefergasförderung, ausdrücklich nicht von einem Ausstieg. Denn die Konservativen wollen durch die Technik große Vorkommen erschließen lassen, um unabhängiger von Erdgasimporten zu werden.

Leadsom beschreibt das so: "Wir werden in den kommenden Jahrzehnten einheimisches, kohlenstoffarmes Gas brauchen, um CO2 zu reduzieren, meint das Komitee gegen den Klimawandel. Der Stopp ist deshalb eine Enttäuschung. Aber Fracking bleibt eine Riesenchance für Großbritannien auf dem Weg in eine CO2-freie Zukunft."

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23.06.2016

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Fracking-Stopp in Großbritannien
Christoph Heinzle, ARD London
02.11.2019 16:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. November 2019 um 14:00 Uhr.

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