Messungen in Fukushima | Bildquelle: KIMIMASA MAYAMA/EPA-EFE/REX

"Weltspiegel" aus Fukushima Böden versiegelt - Probleme gelöst?

Stand: 11.03.2019 10:02 Uhr

2011 führte ein Tsunami zur Atomkatastrophe in Fukushima. Mittlerweile gehen wieder täglich Arbeiter hier ein und aus - in Straßenkleidung. Betreiber Tepco verbreitet Optimismus - Kritiker sind skeptisch.

Von Ulrich Mendgen, ARD-Studio Tokio

Die Blumenbeete scheinen frisch geharkt. Die verspiegelten Scheiben geputzt. Schon die Vorfahrt soll den Eindruck von Ordnung und Sauberkeit vermitteln. Dass der Technologiepark, der hier seine Besucher begrüßt, in Wirklichkeit eine Atomruine ist, die vor Jahren noch die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzte - es ist im ersten Moment schwer zu glauben.

Heute gehen hier Hunderte Arbeiter täglich ein und aus, von Krisenstimmung ist dabei nichts mehr spürbar. Tepco hat den Betriebsablauf neuorganisiert. So darf auf 96 Prozent des Geländes inzwischen einfache Straßenkleidung getragen werden. Tepco verweist stolz darauf, dass die Oberflächenstrahlung abgesenkt werden konnte.

Mit Spritzbeton gegen den strahlenden Staub

Möglich wurde das durch die Versiegelung des Bodens. Großflächig verteilter Spritzbeton hat den strahlenden Staub fixiert. Damit werde das tägliche Arbeiten hier gefahrlos möglich, so Tepco. Auch einen kleinen Supermarkt gibt hier es für die Beschäftigten, und Aufenthaltsräume für das Mittagsschläfchen.

Selbst unmittelbar vor den Reaktorgebäuden bleiben die Gastgeber gelassen. Hideki Yagi, in der Unternehmenskommunikation für "Risikokommunikation" zuständig, ist ein Mann in mittleren Jahren, der äußerlich wie die verkörperte Seriosität schlechthin auftritt. Jetzt gibt er ungerührt an Ort und Stelle ein Interview - ohne schwere Schutzkleidung.

Fukushima - acht Jahre nach der Katastrophe
Weltspiegel, Ulrich Mendgen, ARD Tokio

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Erster Kontakt mit zerstörten Brennstäben

Für Herrn Yagi ist es ein besonderer Tag. Denn gerade erst ist es gelungen, den geschmolzenen Kernbrennstoff in Reaktor 2 zum ersten Mal zu berühren. Mit einem ferngesteuerten Roboter, denn für Menschen wäre ein Kontakt tödlich.

Acht Jahre nach der Kernschmelze ist das der erste physische Kontakt mit den zerstörten Brennstäben. Auf etwa 880 Tonnen wird das sogenannte Corium geschätzt, der Brei aus dem, was einmal ein Reaktorkern war. Doch Yagi ist ganz sicher: Tepco wird das Corium bergen und unschädlich machen. Wie genau das gelingen soll, bleibt vorerst offen. Aber die Aktion soll in spätestens 40 Jahren abgeschlossen sein.

Kritiker sind skeptisch: Noch nie ist es gelungen, eine solche Menge hochradioaktiven Materials zu bewegen. In anderen havarierten Atomkraftwerken, sei es Three Mile Island in den USA oder Tschernobyl in der Ukraine, hat man lieber die Finger davon gelassen. Dort wurde das Corium vor Ort beerdigt.

Spezielles Reinigungsverfahren für verstrahltes Wasser

Was Tepco leisten will, wäre eine Weltpremiere. Ebenso wie die Entsorgung des verstrahlten Wassers, das sich überall auf dem Gelände in haushohen Tanks befindet. Laut Tepco ist es gelungen, die Menge des einströmenden Grundwasser zu reduzieren. Durch ein Reinigungsverfahren wird demnach die Strahlung des Wasser verringert.

Aber teilweise überschreitet es immer noch die gesetzlich vorgegebenen Strahlungsgrenzwerte. Eine Regierungskommission empfahl, das Wasser einfach ins Meer abzulassen. Dagegen laufen die Fischer an der Ostküste Sturm. Greenpeace empfiehlt, das Wasser lieber auf Dauer oberiridisch zu lagern. Aber der Platz wird knapp.

Sendungsbild Fukushima WS
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In einigen Bereichen von Fukushima sind Schutzanzüge weiterhin vorgeschrieben.

Kein erhöhter Strahlenwert

Am Ausgang will Tepco endgültig überzeugen: Der "Body-Scan", der für jeden einzelnen Gast die Zahl der radioaktiven Zerfallsprozesse im Körper anzeigt, registriert keinen erhöhten Wert. Und der persönliche Dosimeter zeigt eine kumulierte Belastung von 46 Mikrosievert an, was der Strahlung während eines One-Way-Flugs von Tokio nach New York entsprechen soll.

Doch wie groß die Katastrophe ist und bleibt, wird bei der Heimfahrt wieder deutlich - vorbei an verlassenen Siedlungen und Bergen von verstrahlter Erde, erkennbar an den fein säuberlich aufgereihten schwarzen Säcken. Es ist ein Erbe für viele weitere Generationen.

Über dieses Thema berichtete der Weltspiegel am 03. März 2019 um 19:20 Uhr.

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