Eine Frau füllt sich in Berlin einen Becher an einem Wasserspender. | Bildquelle: dpa

Neue Verordnung EU-Bürger haben Recht auf Trinkwasser

Stand: 17.12.2020 04:53 Uhr

Sauberes, schadstofffreies Trinkwasser muss in der EU künftig allen zugänglich sein - kraft einer neuen Verordnung des EU-Parlaments. Das "Recht auf Wasser" ist der Erfolg einer Bürgerinitiative.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Studio Brüssel

Mehr öffentliche Trinkbrunnen, schärfere Qualitätskontrollen, weniger Plastikmüll: Mit der am Dienstag vom Europäischen Parlament beschlossenen Reform der EU-Trinkwasserrichtlinie will die EU das Vertrauen der Menschen ins Leitungswasser stärken. Die Grenzwerte für Schadstoffe wie Blei oder für Bakterien wie Legionellen werden gesenkt - und für sogenannte Hormongifte wie den Weichmacher Bisphenol-A werden zum ersten Mal Obergrenzen eingeführt, das gilt auch für Mikroplastik.

Europastaatsminister Michael Roth als Vertreter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hält die Reform der Wasserrichtlinie nach 20 Jahren für überfällig. "Wir stimmen sicherlich - egal wo wir politisch stehen und welche Institution wir vertreten - darin überein, dass sauberes, gesundes Wasser die wichtigste Grundlage für ein gutes Leben ist."

Eine Million Menschen haben kein frisches Wasser

Die europäischen Mitgliedsstaaten müssen ihren Bürgern künftig den Zugang zu sauberem Trinkwasser einfacher machen. Vor allem denen, die besonders viel Schutz brauchen oder ausgegrenzt sind - wie etwa Obdachlose. Aktuell haben eine Million Menschen in Europa kein frisches Wasser, acht Millionen keine sanitären Anlagen. Das sei ein Grund zu großer Sorge und müsse ein Weckruf sein für die Politik in ganz Europa, betonte die schwedische Sozialdemokratin Jytte Güteland.

In den Innenstädten soll es demnächst mehr frei zugängliche Zapfstellen geben. Außerdem müssen die Mitgliedsländer in öffentlichen Gebäuden für kostenlose Wasserspender sorgen. Laut EU-Kommission können die Haushalte in Europa jedes Jahr mehr als 600 Millionen Euro sparen, wenn sie weniger Flaschenwasser verbrauchen und stattdessen Leitungswasser trinken. Dadurch würde auch deutlich weniger Plastikmüll anfallen.

Recht auf Wasser: Erfolg der ersten EU-Bürgerinitiative

"Wir bekommen europaweit öffentliche Trinkbrunnen, und die Mitgliedsstaaten werden verpflichtet, alle notwenigen Maßnahmen zu ergreifen, um genachteiligten Gruppen einen besseren Zugang zu Wasser zu ermöglichen", kündigt der SPD-Abgeordnete Tiemo Wölken an.

Restaurantbesitzer und Kantinenbetreiber werden aufgerufen, ihren Gästen Leitungswasser anzubieten - entweder umsonst oder gegen kleines Geld. Die Versorgungsunternehmen müssen ihre Kunden transparenter über Verbrauch und Kosten informieren und mehr gegen Wasserverluste tun.

Sven Giegold, der Verhandlungsführer der Grünen, spricht von einem Meilenstein - und erinnert daran, wer den Anstoß dazu gegeben hatte. "Wir haben es den Bürgerinnen und Bürgen zu verdanken, die 1,8-millionenfach die europäische Bürgerinititative 'Recht auf Wasser' unterschrieben haben. Und es war diese Bürgerinitiative, die uns alle zum Jagen getragen hat."

Die Forderung nach "Right2Water", also einem Recht auf Wasser, war 2013 die erste erfolgreiche europäische Bürgerinitiative. Die Mitgliedsstaaten der EU haben jetzt zwei Jahre Zeit, um die neuen Regeln einzuführen.

Sauberes Wasser für alle! EU beschließt Reform der Trinkwasserrichtlinie
Stephan Ueberbach, ARD Brüssel
16.12.2020 11:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Dezember 2020 um 18:35 Uhr.

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