im Matsch versunkene Häuser in Petobo | Bildquelle: AFP

Nach Erdbeben in Indonesien "Hier stand mein Dorf"

Stand: 04.10.2018 08:57 Uhr

Hunderte Häuser sind durch das Erdbeben in Indonesien vom Erdboden verschluckt - und mit ihnen die Bewohner. Angehörige suchen auch sechs Tage danach verzweifelt. Nun kommt erste Hilfe an.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur, zzt. in Palu

Ein alter Mann betet neben der Leiche seines Sohnes. Hunderte Tote haben sie aufgereiht vor der eingestürzten Moschee, in der 34 junge Männer während des Freitagsgebetes von herabstürzenden Teilen erschlagen wurden.

Von überall her aus Palu wurden Leichen hierhergebracht, weil es einer der wenigen freien Plätze ist zwischen all den Trümmern. Eingehüllt in Decken oder blaue Kunststoffsäcke - sie sollen schnellstmöglich in Massengräbern beigesetzt werden - aus Angst vor Seuchen in der tropischen Schwüle.  

Ein Vater steht regungslos am Rand, still, ohne Tränen. Er hat gerade vom Tod seines Sohnes erfahren: "Sie haben mir gesagt, dass mein Sohn nicht zurückkommt. Ich bin nicht wütend - was kann ich tun, wenn es Gottes Wille ist? Ich bin am Samstagmorgen das erste Mal hergekommen und habe ihn gesucht, aber nicht gefunden. Also bin ich jeden Tag wiedergekommen."

Verzweifelte Suche nach Angehörigen

Am Flughafen von Palu lädt das Militär Reis aus den Frachtmaschinen. Eine junge Frau drängt sich hektisch durch die Menge, hält allen Wartenden das Foto eines zweijährigen Mädchens vors Gesicht. Die Welle hat ihr die kleine Tochter entrissen beim Spaziergang am Meer am Freitag - seitdem sucht sie nach ihr.

"Haben Sie dieses kleine Mädchen gesehen? Vielleicht hat jemand anders meine kleine Marie mitgenommen, vielleicht ist sie auch von einem Militärflugzeug aus der Stadt geflogen worden. Ich weiß es einfach nicht, aber ich weiß, dass sie noch lebt. Eine Mutter spürt das. Sie kann noch nicht richtig sprechen, nur Mami und Papi."

Hoffnung auf Überlebende schwindet

Auch am sechsten Tag, nachdem die Wasserwand Palu in eine Trümmerwüste verwandelte, sind viele Überlebende ohne Nachricht von ihren Lieben. Viele Leichen werden noch unter den eingestürzten Häusern vermutet - womöglich auch noch Überlebende, aber die Hoffnung schwindet mit jeder Stunde.

Schweres Räumgerät ist da, aber es mangelt an Treibstoff. Das Problem ist fehlende Transportkapazität - zahlreiche Länder haben daher Herkules-Frachtflugzeuge angeboten.

Tsunamiopfer warten weiter auf Hilfeleistungen
tagesthemen 22:30 Uhr, 04.10.2018, C. Drexel / B. Hartig, NDR

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Letztlich fehlt es an allem - an Wasser, Zelten, medizinischer Ausrüstung. Und je länger der Mangel dauert, desto wütender werden die Menschen. Ließ die Polizei Plünderer anfangs gewähren, feuert sie inzwischen Warnschüsse in die Luft. Hilfstransporte in die Stadt werden von Militärpatrouillen begleitet, damit sie nicht ausgeraubt werden.

In Palu kommt die Hilfe inzwischen langsam an, denn auf die Stadt konzentrieren sich Rettungs- und Hilfsmission seit Tagen.

Hunderte Häuser versunken

In den entlegeneren Gebieten des Katastrophengebietes ist die Lage noch verzweifelter: Ein Bagger gräbt sich durch den schwarzen Matsch von Petobo. Matsch - so weit das Auge blickt. Keine Steinhaufen, Betonarmierungen und zerbeulte Autowracks wie in Palu, sondern einfach nur schwarzer Matsch. "Hier stand mein Dorf", sagt ein fassungsloser Mann am Rande. "49 Häuser - alle weg: Meine Familie, meine Nachbarn, alle vom Erdboden verschluckt."

Flüssige Erde nennen Geologen das Phänomen, wenn ein heftiges Erdbeben den Boden derart durchschüttelt, dass er sich wie Wasser verhält. Alles darauf versinkt. Ingesamt 744 Häuser sind so verschwunden in Petobo - und Hunderte Menschen. Dass die Zahl der Toten dramatisch steigen wird, ist klar. Die Frage ist, ob jemals klar sein wird, wie viele Opfer es tatsächlich gab.

ein Satellitenbild nach dern Erdbeben in Petobo zeigt große braune Flächen | Bildquelle: AP
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In Petobo sind Hunderte Häuser in der Erde versunken. Das Phänomen, das bei schweren Erdbeben auftritt, ist als Bodenverflüssigung bekannt.

"Die Menschen haben kein Vertrauen mehr in den Boden, auf dem sie stehen", sagt Lokalpolitiker Yahdi Basma. Vor allem aber haben sie Hunger, Durst und kein Dach über dem Kopf.

Hilfe kommt kaum an

"Hier ist bisher noch keine Hilfe angekommen, nichts", klagt der Mann in der Region Donggala. Deshalb macht er sich jetzt auf den Weg nach Palu. So wie Hunderte andere auch - in der Hoffnung, dass sie dort mit dem Lebensnotwendigen versorgt werden.

Immerhin bedroht der Vulkanausbruch auf Sulawesi die Rettungsarbeiten nicht, denn der Vulkan Soputan liegt 1000 Kilometer von Palu entfernt in einer äußerst spärlich besiedelten Region.

Fassungslose Trauer und banges Hoffen: Suche nach Überlebenden dauert an
Holger Senzel, ARD Singapur
04.10.2018 10:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

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Holger Senzel, NDR

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