Ein Motorradfahrer mit Mundschutzmaske fährt über eine Straße in Teheran | Bildquelle: ABEDIN TAHERKENAREH/EPA-EFE/REX

WHO zum Coronavirus Wachsam, nicht alarmiert

Stand: 24.02.2020 18:43 Uhr

An ihrem Ursprungsort in Wuhan hat die Coronavirus-Epidemie laut WHO ihren Höhepunkt überschritten. Die Weltgesundheitsorganisation wertet das als positives Zeichen - und sieht noch keine Pandemie.

Trotz zahlreicher neuer Infektionen mit dem Coronavirus in Italien und anderswo gibt sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zuversichtlich. Es sei sehr ermutigend, dass die Fallzahlen in China zurückgingen, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf.

Die Ausbreitung des Virus könne noch gestoppt werden. Die Zahlen aus Italien, dem Iran und Südkorea seien gleichwohl sehr beunruhigend, sagte er. Nach WHO-Einschätzung handelt es sich bislang nicht um eine Pandemie, sondern um Epidemien in einzelnen Ländern. Mit Pandemie bezeichnet man die Verbreitung eines neuen Virus auf der ganzen Welt.

Es gebe bislang keine unkontrollierte globale Ausweitung des Virus, sagte Tedros. Von einer Pandemie zu sprechen würde Angst schüren und es sei im Prinzip unerheblich, sagte Tedros. "Es würde kein Menschenleben retten."

Tedros Adhanom Ghebreyesus | Bildquelle: dpa
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WHO-Generaldirektor Tedros sagt, die Ausbreitung des Virus könne noch gestoppt werden.

"Allein verliert jeder, zusammen können wir gewinnen"

Die WHO habe bereits mit der Ausrufung einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite ihre höchste Alarmstufe verhängt. Jetzt sei es an der Zeit, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. "Allein verliert jeder, zusammen können wir gewinnen", sagte Tedros. Die Welt müsse "alles" dafür tun, um sich auf eine "mögliche Pandemie" vorzubereiten.

Der WHO-Experte Bruce Aylward, der eine gemeinsame Expertenmission der WHO und Chinas zu Coronavirus-Epidemie leitet, lobte in Peking die "kühne" Reaktion Chinas auf die von dem Coronavirus verursache Lungenkrankheit Covid-19.

Drastische Maßnahmen, die offenbar wirken

Mit seinen drastischen Maßnahmen habe China "das Steuer herumgerissen" und "möglicherweise Hunderttausende Fälle von Covid-19 hier in China verhindert", sagte Aylward. In China habe sich gezeigt, dass im Kampf gegen das Coronavirus Schnelligkeit am wichtigsten sei.

Nach Ansicht der WHO hat die Coronavirus-Epidemie in der am schwersten betroffenen Millionenstadt Wuhan ihren Höhepunkt überschritten. Die Risiken würden abnehmen, sagte Aylward. Chinas Nationale Gesundheitskommission erklärte, der schnelle Anstieg der Infektionen in Wuhan sei gestoppt, die Epidemie damit allerdings noch nicht beendet.

Das neuartige Coronavirus war im Dezember in China erstmals bei Menschen festgestellt worden. Die Volksrepublik reagierte mit drastischen Schutzmaßnahmen: Ganze Städte - etwa Wuhan - wurden abgeriegelt und damit 56 Millionen Menschen praktisch unter Quarantäne gestellt. Inzwischen starben an der Lungenkrankheit Covid-19 in China mehr als 2500 Menschen, mehr als 77.000 Menschen sind in der Volksrepublik mit dem Virus infiziert.

Mehrere Länder betroffen

In mehreren Ländern hat sich das Coronavirus ausgebreitet. Im Iran tötete das Virus nach staatlichen Angaben zwölf Menschen. Zahlreiche Länder in der Region haben mittlerweile Reisebeschränkungen verfügt. In Südkorea ist die Stadt Daegu stark betroffen.

Innerhalb Europas am stärksten betroffen ist Italien. Dort starben bislang sieben Menschen. Bei den Toten handelt es sich Behördenangaben zufolge um ältere Menschen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Februar 2020 um 18:00 Uhr.

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