Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Zhao Linjan | Bildquelle: AP

Ursprung des Coronavirus China zeigt auf die USA

Stand: 13.03.2020 12:44 Uhr

Eine weltweite Epidemie und die Frage nach dem Ursprung: Ein Sprecher von Chinas Führung wehrt sich gegen Vorwürfe aus den USA - und versucht, die Verantwortung weiterzureichen.

Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

"Es könnten US-Militärs gewesen sein, die die Epidemie nach Wuhan gebracht haben", twitterte Zhao Lijian am Donnerstagabend auf Englisch. Und der Sprecher des chinesischen Außenministeriums beließ es nicht bei dieser Aussage. Mit mehreren weiteren Tweets verbreitete er Online-Artikel, in denen diverse Verschwörungstheorien zum Ausbruch der Coronavirus-Krise erläutert werden.

Gemeinsam haben die Artikel, dass sie bezweifeln, dass der Ursprung des Krankheitserregers in China liegt. Bereits vergangene Woche hatte Zhao Lijian bei einer Pressekonferenz in Peking gesagt, noch sei ja gar nicht klar, wo das Virus genau herkomme. Entsprechend formulieren das inzwischen auch englischsprachige staatliche chinesischen Medien.

Von höchster Ebene aus

Zhao Lijian ist nicht irgendwer: Als Sprecher des chinesischen Außenministeriums ist er de facto einer der wenigen Sprecher der Staats- und Parteiführung, die sich regelmäßig zu den Angelegenheiten in China äußern.

Auch chinesische Diplomaten im Ausland, Botschafterinnen und Botschafter weltweit, haben sich in den vergangenen Tagen zur Frage geäußert, wo das Coronavirus herkomme. Und immer wieder suggerierten sie bei Veranstaltungen oder in Interviews: Es sei ja gar nicht erwiesen, dass der Ursprung des Virus wirklich in China liege. Entsprechend äußerte sich auch Lin Songtian, Chinas Botschafter in Südafrika.

Kritisches Echo

Der als kritischer Akademiker bekannte Hu Xingdou, Wirtschaftsprofessor an der Technischen Universität Peking, kann mit solchen Aussagen nicht viel anfangen. Ihn besorgt vor allem die Rolle der staatlichen Medien in der Angelegenheit.

"Das Coronavirus ist zuerst in China aufgetreten. Angesichts dessen finde ich, dass sich die chinesische Regierung hier nicht aus der Verantwortung stehlen sollte. Sie sollte nicht die staatlichen Medien dazu nutzen, um den Schwarzen Peter irgendwo anders hinzuschieben."

Ein Mitarbeiter der Stadt Wuhan informiert Anwohner über frisch eingetroffene Lebensmittel | Bildquelle: AFP
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Frische Lebensmittel sind eingetroffen: Ein Mitarbeiter der Stadt Wuhan informiert Anwohner.

"Angelegenheit der Wissenschaft"

In Peking wurde bei einer Pressekonferenz Geng Shuang auf das Thema angesprochen, auch er ist Außenamtssprecher. Direkt äußern wollte er sich zu den umstrittenen Tweets seines direkten Kollegen Zhao Lijian nicht. Er antwortete stattdessen ausweichend:

"Zur Frage, woher das Virus kommt, kann ich nur nochmal sagen: Weltweit wird dazu über mehrere Theorien diskutiert, selbst in den USA. China betrachtet das als Angelegenheit der Wissenschaft."

Peking stellt Gegenfragen

Die Kommunistische Staatsführung hatte sich in den vergangenen Tagen immer wieder darüber verärgert gezeigt, dass Politiker in den USA regelmäßig vom "Wuhan-Virus" oder gar vom "China-Virus" sprechen, wenn sie das Sars-CoV-2-Virus thematisieren. Immer wieder warfen chinesische Offizielle der US-Regierung außerdem vor, zu langsam auf den Krisenausbruch reagiert zu haben.

Klar ist: Zwischen China und den USA hat die Coronavirus-Krise längst auch eine politische Ebene erreicht. Und die Debatte darüber dürfte an Schärfe noch zunehmen.

Chinas Regierung erhebt Vorwürfe gegen die USA
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
13.03.2020 08:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. März 2020 um 12:39 Uhr.

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