Michael Cohen | Bildquelle: dpa

Prozess gegen Cohen Trumps Ausputzer muss ins Gefängnis

Stand: 12.12.2018 20:59 Uhr

Trumps Ex-Anwalt Cohen sagt, er habe es als seine "Pflicht" betrachtet, die "schmutzigen Taten" des US-Präsidenten zu vertuschen. Dafür landet er jetzt hinter Gittern - und Trump bleibt im Fadenkreuz der Ermittler.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Die Familie sitzt weinend im Saal des New Yorker Bundesgerichtes, auch Michael Cohen ist geschockt. Sein Anwalt bleibt nach dem Urteil schweigsam und vertröstet die wartenden Reporter auf einen späteren Zeitpunkt.

Das Urteil: drei Jahre Haft für den "Fixer", den Ausputzer, wie er sich einst selbst nannte. Er war Donald Trumps Mann fürs Grobe, ein "Pitbull" und Rechtsbeistand, der damals alles für seinen Mandaten zu tun bereit war.

"Blinde Loyalität" zum US-Präsidenten

"Wenn ein Problem auftaucht, das ihn betrifft, dann betrifft es selbstverständlich auch mich", so klang das einst. Es war ein enges Vertrauensverhältnis, jetzt aber ist ihm seine Nähe zum amtierenden Präsidenten zum Verhängnis geworden.

Seine Schwäche sei die blinde Loyalität zu Trump gewesen, sagte der Angeklagte im Gerichtssaal unmittelbar vor dem Schuldspruch. Der 52-jährige Cohen hatte bereits im August eingeräumt, Schweigegeldzahlungen, unter anderem an den Pornostar Stormy Daniels, im Auftrag des damaligen Präsidentschaftskandidaten Trump gezahlt zu haben.

Donald Trump | Bildquelle: AFP
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US-Präsident Trump versuchte sich früh von Cohen zu distanzieren.

"Alles für Trump getan"

Er bekannte sich zudem der illegalen Wahlkampfhilfe, des Bankbetruges und der Steuerhinterziehung für schuldig. Insgesamt ging es um neun Einzeltaten. Spätestens, als das FBI die Büroräume Cohen durchsuchte, war dem Anwalt offenbar klar, dass es eng wird - und nicht nur ihm, sondern auch dem Präsidenten, der sich zuletzt öffentlich von Cohen distanzierte.

Cohen sei ein Lügner, sagte Trump, eine schwache Person, die lüge, um eine mildere Strafe zu bekommen.  Cohen sieht das anders. Er sagt, er habe alles für Trump getan und als Rechtsbeistand die Notwendigkeit gesehen, Trumps "schmutzige Taten zu vertuschen". Mittlerweile kooperiert er mit dem FBI-Sonderermittler Robert Mueller.

Im November räumte Cohen ein, den Geheimdienstausschuss des Kongresses, der wegen russischer Wahlkampfmanipulation ermittelt, belogen zu haben. Dafür gab es jetzt zwei Monate Haft - zu verrechnen mit den 36 Monaten der Gesamtstrafe. Diese muss Cohen übrigens erst im März kommenden Jahres antreten.

"Als nächstes folgt Trump"

Der Anwalt von Stormy Daniels, die derzeit den Präsidenten verklagt, richtete vor dem Gerichtsgebäude noch eine Drohung in Richtung Trump: Cohen sei jetzt verurteilt, als nächstes folge der US-Präsident.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Cohen in Abstimmung mit und unter Federführung von Trump gehandelt habe. Für den amtierenden US-Präsidenten ist die Verurteilung seines ehemaligen Vertrauten auch deshalb so brisant, weil Trump selbst dadurch immer mehr ins Fadenkreuz der Ermittler gerät und möglicherweise nach Ende seiner Präsidentschaft ebenfalls angeklagt werden könnte.

Trumps Fixer geht ins Gefängnis - Haftstrafe für Ex-Anwalt des Präsidenten
Georg Schwarte, ARD New York
12.12.2018 20:03 Uhr

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