Der Start der chinesischen Mondmission "Langer Marsch 5" | Bildquelle: AP

Raumschiff gestartet China greift nach Mondgestein

Stand: 23.11.2020 22:27 Uhr

Es wird einer von Chinas bisher schwierigsten Raumflügen: Ein Raumschiff soll erstmals seit 40 Jahren wieder Mondgestein zur Erde bringen. Die Mission gilt als Chinas Wegbereiter für den Mars.

China hat ein unbemanntes Raumschiff auf den Weg zu einer Landung auf dem Mond gebracht. Bei dem Flug sollen erstmals seit mehr als vier Jahrzehnten wieder Gesteinsproben zur Erde geholt werden. Die Rakete vom Typ "Langer Marsch 5" hob am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab. Das nach der chinesischen Mondgöttin "Chang'e" benannte Raumschiff soll voraussichtlich am Sonntag einen Lander auf den Mond bringen, der Gestein und Bohrproben einsammelt.

Chinesische Rakete startet zum Mond
tagesschau 12:00 Uhr, 24.11.2020, Daniel Satra, ARD Peking

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Bei einer erfolgreichen Rückkehr wäre China nach den USA und der Sowjetunion in den 1960er und -70er Jahren die dritte Raumfahrtnation, der ein solches Vorhaben gelingt. Das Raumschiff soll in dem nach dem deutschen Astronomen Karl Rümker (1788-1862) genannten Vulkangebiet landen. Es liegt im "Ozean der Stürme" im oberen, linken Teil der erdzugewandten Seite des Mondes.

Zwei Wochen Zeit

Die Mission gilt als eine der kompliziertesten, die Chinas Raumfahrt jemals unternommen hat: Erstmals würde eine chinesische Aufstiegsstufe wieder vom Mond starten, Gesteinsproben mitnehmen und ein Docking-Manöver im Orbit des Erdtrabanten vornehmen, bevor die Rückkehrkapsel zur Erde zurückfliegt. Das Landemodul kann nur einen Mondtag - etwa 14 Erdtage - auf der Mondoberfläche bleiben, da es nicht beheizbar ist und den eiskalten Nächten nicht widerstehen kann.

Das 8200 Kilogramm schwere Raumschiff besteht aus vier Modulen: Dem Orbiter mit der Rückkehrkapsel sowie dem Lander mit der Aufstiegsstufe. Nach dem Aufsetzen auf der Mondoberfläche soll das Landegerät mit einem langen Arm rund zwei Kilogramm Mondgestein und auch Proben aus Bohrungen bis zu zwei Meter Tiefe zusammentragen und in einer Kammer verstauen.

Forscher erhoffen sich von den Proben wichtige neue Erkenntnisse über die vulkanische Aktivität und die Geschichte des Mondes. Die Apollo-Missionen der USA hatten rund 380 Kilogramm Mondgestein mitgebracht. Die Sowjetunion sammelte insgesamt 300 Gramm ein - zuletzt mit der unbemannten "Luna 24"-Mission 1976, als rund 170 Gramm Mondstaub zur Erde gebracht wurden.

Der Griff nach dem Mars?

Verläuft die Mission erfolgreich, wäre sie ein großer Fortschritt für das chinesische Raumfahrtprogramm. Nach Ansicht mancher Experten könnte sie den Weg für eine ähnliche Mission zum Mars bereiten oder auch für eine bemannte Mondmission.

Der Astronom Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik verwies darauf, dass China mit den Missionen "Chang'e 3" und "Chang'e 4" bereits zwei Mal auf dem Mond gelandet sei. Mit einer "Chang'e 5"-Testmission habe es 2014 bewiesen, dass es zurück zur Erde navigieren und eine Kapsel dort landen lassen kann. Nun müsse es nur noch zeigen, dass es auf dem Mond Proben nehmen und von dort wieder starten kann. "Deshalb bin ich ziemlich optimistisch, dass China das durchziehen kann", sagte McDowell.

China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm mit Missionen zum Mond und Mars sowie dem Aufbau einer eigenen Raumstation. Im Januar 2019 landete China als erste Raumfahrtnation mit "Chang'e 4" auf der relativ unerforschten erdabgewandten Seite des Mondes. Es wurde ein Rover ausgesetzt, der weiter die Oberfläche erforscht.

Daniel Satra, ARD Peking, zur chinesischen Mondmission
tagesschau24 11:00 Uhr, 24.11.2020

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. November 2020 um 06:00 Uhr.

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