Proteste gegen Morales in der Nähe des Präsidentenpalastes | Bildquelle: AP

Machtkampf in Bolivien Staatssender besetzt, Polizei meutert

Stand: 10.11.2019 05:23 Uhr

Seit Wochen gibt es in Bolivien Proteste gegen Staatschef Morales. Nun sind offenbar auch Polizisten ins Lager der Demonstranten gewechselt. Zwei staatliche Sender wurden gezwungen, ihr Programm zu unterbrechen.

Nach der umstrittenen Präsidentenwahl wächst der Druck auf Boliviens Staatschef Evo Morales: In mehreren großen Städten haben sich Polizisten Berichten zufolge den Protesten gegen ihn angeschlossen. Die Polizeiwache am Präsidentenpalast in La Paz verließ demnach ihren Posten.

Regierungsgegner drangen zudem in die Zentralen der staatlichen Sender Bolivia TV und Radio Patria Nueva ein und unterbrachen das Programm. Patria Nueva-Chef Ivan Maldonado sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Wir sind gewaltsam verjagt und bedroht worden."

Staatschef Morales twitterte, organisierte Gruppen hätten die Mitarbeiter der Sender bedroht und eingeschüchtert und sie dann gezwungen, ihre Arbeitsplätze zu verlassen. "Sie sagen, dass sie die Demokratie verteidigen, verhalten sich aber wie in einer Diktatur." Die Häuser der Gouverneure zweier Departments sowie das seiner Schwester seien angezündet worden.

Morales spricht von Putschversuch

Morales hatte einige Stunden zuvor in einer Fernsehansprache erneut von einem Putschversuch gesprochen und seine Anhänger aufgefordert zu mobilisieren. Die Polizei ermahnte er, die Verfassung zu erfüllen.

Oppositionsführer Luis Fernando Camacho dankte der Polizei auf Twitter dafür, dass sie auf der Seite des Volkes stehe. Er bedankte sich auch bei den Streitkräften. Deren Oberbefehlshaber Williams Kaliman hatte auf einer Pressekonferenz erklärt, Soldaten würden nicht gegen das Volk vorgehen.

Polizisten, die auf dem Dach eines Sicherheitsstandes auf einer Polizeistation stehen, schwenken bolivianische Flaggen, im Vordergrund stehen Demonstranten. | Bildquelle: dpa
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Polizisten, die auf dem Dach eines Sicherheitsstandes auf einer Polizeistation stehen, schwenken bolivianische Flaggen, im Vordergrund stehen Demonstranten.

Seit Wochen Proteste gegen offizielles Wahlergebnis

In Bolivien gibt es seit Wochen massive Proteste gegen das von der Wahlkommission verkündete offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahl. Demnach trug Amtsinhaber Morales knapp den Sieg davon. Die Opposition vermutet Wahlbetrug.

Morales ist der dienstälteste Präsident des Kontinents. Bereits seit 2006 leitet der frühere Koka-Bauer die Geschicke Boliviens. Der 59-Jährige hatte sich zum dritten Mal zur Wiederwahl gestellt, obwohl die Verfassung nur eine Wiederwahl vorsieht. Morales überwand diese Hürde mit Hilfe der Justiz, die die Begrenzung der Amtszeiten als Verletzung seiner Menschenrechte bezeichnete.

Präsident Morales entgleitet die Kontrolle über das Land
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
10.11.2019 07:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2019 um 05:00 Uhr.

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