Tommie Smith und John Carlos bei der Siegerehrung  | Bildquelle: picture-alliance / United Archiv

50 Jahre Black-Power-Faust Ein stummer Schrei nach Gerechtigkeit

Stand: 16.10.2018 10:49 Uhr

Es war ein Zeichen, das um die Welt ging: Die gereckte Faust in einem schwarzen Handschuh. Bei den Olympischen Spielen 1968 protestierten zwei Sprinter damit gegen Rassismus. Die Geste ist noch immer aktuell.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Eine Hand in einem schwarzen Handschuh in den Himmel gereckt - so stehen die beiden Läufer Tommie Smith und John Carlos in schwarzen Socken ohne Schuhe auf dem Podest bei der Siegerehrung. Es ist ein stummer Protest gegen die Diskriminierung von Schwarzen in den USA, während die Nationalhymne bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko läuft.

"Die Leute nennen es 'Black Power'," erzählt Tommie Smith. "Klar, ich bin schwarz. Klar, wir haben Stärke gezeigt. Aber es war ein Hilferuf: Ich bin hier, nehmt mich wahr. Ich bin in Not. Was brauche ich? Gerechtigkeit." 

Die ehemaligen Sprinter John Carlos (li.) und Tommie Smith (re.). | Bildquelle: AP
galerie

Die ehemaligen Sprinter John Carlos (li.) und Tommie Smith (re.) setzten mit ihrer gereckten Faust ein Zeichen, das um die Welt ging.

Ende von zwei Sportkarrieren

Es ist der Höhepunkt ihrer Sportkarriere - persönlich aber deren Ende. Im Olympiastadion in Mexiko-Stadt werden sie ausgepfiffen. Beide Männer werden aus dem US-Olympiateam ausgeschlossen.

Zwar werden sie von Schwarzen und Bürgerrechtlern gefeiert, als sie in die USA zurückkehren. Aber ihr Leben habe eine entscheidende Wende genommen, erklärt Bronze-Gewinner John Carlos. "Wir haben keine Jobs gefunden danach. Es kam kein Geld mehr rein. Viele, die du für deine Freunde gehalten hast, haben sich abgewandt. Unsere Kinder wurden in der Schule gemobbt, wenn die Mitschüler herausfanden, wer der Vater ist. Meine erste Frau hat das alles nicht mehr ertragen und sich das Leben genommen."

Black-Power in Mexiko 1968
tagesschau24 11:00 Uhr, 16.10.2018, Florian Riesewieck, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

 Zeichen ging um die Welt

Politisch war die Black-Power-Faust ein Zeichen, das um die Welt ging. Aber für die beiden Amerikaner und den weißen Australier, der sich mit ihnen solidarisierte, war es der Moment, der sie zu verschmähten Außenseitern machte. Erst viel später wurden sie für ihren Black-Power-Gruß gewürdigt. 2016 ehrte Präsident Barack Obama sie im Weißen Haus, als das aktuelle Team der USA dort empfangen wurde.

Der schwarze Weitspringer Ralph Boston, der bei den Olympischen Spielen in Mexiko ebenfalls auf dem Podium protestierte, weiß, wie monumental das Zeichen war, mit dem die beiden 200-Meter-Läufer Geschichte schrieben. "Diese Jungs haben mehr dafür getan, dieses Land zu verändern, als wir je verstehen werden", sagt er.

Tommie Smith jubelt, nachdem er die Ziellinie erreicht hat. | Bildquelle: AFP
galerie

"Diese Jungs haben mehr dafür getan, dieses Land zu verändern, als wir je verstehen werden", sagt der ehemalige Weitspringer Ralph Boston über die Sprinter Tommie Smith und John Carlos.

 Probleme bestehen weiter

Die Probleme sind längst nicht gelöst. Football-Profi Colin Kaepernick kniete vor zwei Jahren als Erster im stummen Protest gegen Diskriminierung und Polizeigewalt gegen Schwarze zur Nationalhymne. Andere ahmten es nach. Die Diskussion über diese Geste entzweit seitdem Sportfans und Amerikaner. Carlos schüttelt über die Kritik an dem Sportler den Kopf - 50 Jahre, nachdem er und Smith die Faust in den Himmel reckten.

"Wie sagt man einem Menschen, dass er von der Gesellschaft suspendiert ist, nur weil er Athlet ist?", fragt Carlos. "Dass man sich keine Sorgen machen soll um das Leben derjenigen, mit denen man groß geworden ist? Denen, die keine ordentliche Wohnung haben, die auf der Straße getötet werden. Wie kann man ihm denn sagen, dass er Athlet ist und nichts damit zu tun hat, welche gesellschaftlichen Probleme es gibt?"

Reaktion auf schwarze Sportler heute ähnlich

Die Situation für Schwarze in den USA hat sich seit dem Protest von Carlos und Smith deutlich verändert. Die Reaktion auf schwarze Sportler, die bei der Nationalhymne stumm gegen gesellschaftliche Missstände protestieren, ist aber ähnlich geblieben.

Auch Kaepernick ist seinen Job los. Er macht weiter - nur jetzt auf anderen Bühnen. Seit einigen Wochen ist er das prominente Gesicht einer großen Werbekampagne von Nike. Und auch Smith und Carlos sagen noch Jahrzehnte später, dass sie trotz des hohen Preises, den sie zahlen mussten, jederzeit wieder dieses Zeichen setzen würden. Ein stummer Schrei nach Gerechtigkeit, der immer noch gilt.

50 Jahre Black-Power-Faust bei Olympia: Sportler zahlen hohen Preis für Engagement
Martina Buttler, WDR Washington
16.10.2018 11:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

Darstellung: