Proteste in Bethlehem | Bildquelle: AP

Weihnachten in Bethlehem "Enttäuschend, dass ich das hier sehen muss"

Stand: 24.12.2017 12:28 Uhr

Einmal der Geburtsstätte von Jesus Christus ganz nah sein - dieser Gedanke führt jedes Jahr zur Weihnacht Pilger aus der ganzen Welt nach Bethlehem. Trotz Warnungen wegen möglicher Ausschreitungen reisten offenbar viele an. Die Gewalt vor Ort schockierte und enttäuschte sie.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Palästinensische Pfadfinder marschieren durch Bethlehem. Hunderte Jugendliche laufen über die Sternstraße. An den Häusern hängen leuchtende Engel. Am Mittag zog der Erzbischof von Jerusalem in die Stadt ein, zwischen Jerusalem und Bethlehem liegen nur zehn Kilometer.

Für Weihnachten sind Pilger aus der ganzen Welt nach Bethlehem gekommen, unter ihnen ein älterer Mann aus Kanada: "Dass ich hier sein kann, dass ich die Orte sehen und berühren kann, an denen Jesus war. Ich kann das schwer beschreiben. Das ist wie ein Wunder für mich."

Doch eine Sache treibt den Kanadier um: Dass es in Bethlehem auch kurz vor Weihnachten zu Zusammenstößen zwischen palästinensischen Jugendlichen und israelischen Soldaten gekommen ist, das sei für ihn als Christ sehr verletzend gewesen. "Ich kam gerade aus einem Museum raus, da verbrannten palästinensische Jugendliche Reifen. Tränengas lag in der Luft. Steine flogen. Das hat mich enttäuscht. Es hat mich enttäuscht, dass ich das hier in Bethlehem sehen muss."

Gewaltsame Auseinandersetzungen in Bethlehem zwei Tage vor Heilig Abend | Bildquelle: AFP
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In den Tagen vor Weihnachten gab es gewaltsame Auseinandersetzungen in Bethlehem und anderen Teilen der palästinensischen Gebiete. Mehrere Länder rieten deshalb ihren Staatsbürgern, die Gebiete zu meiden.

Für Weihnachten hat sich Bethlehem herausgeputzt. In der Altstadt ist es bisher friedlich geblieben. Auf dem Krippenplatz neben der Geburtskirche steht ein prächtiger Weihnachtsbaum. Doch auch hier sind die Menschen wütend, dass Donald Trump Anfang des Monats Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkannt hat. Am Krippenplatz hängen große Transparente, auf denen steht: "Jerusalem ist die ewige Hauptstadt von Palästina."

Der Erzbischof von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, hatte im Vorfeld von Weihnachten eine neue Diskussion über Jerusalem gefordert. Die Politik sei bei dem Konflikt abwesend, es gebe keine konkreten Visionen und Perspektiven für die Region. Die Gewalt der vergangenen Tage müsse komplett aufhören.

Gefühlt weniger Touristen

Wegen der Zusammenstöße hatten mehrere Länder ihren Staatsbürgern geraten, die palästinensischen Gebiete zu meiden. Händler in Bethlehem berichten, dass dieses Jahr deutlich weniger Touristen zu Weihnachten in die Stadt kommen. "Dieses Jahr ist vieles anders", sagt ein palästinensischer Reiseführer, "normalerweise muss ich mit meinen Gruppen vor Weihnachten mindestens eine Stunde warten, um in die Geburtsgrotte von Jesus zu kommen, jetzt ist es fast leer dort. Schon nach wenigen Minuten können wir runtergehen. Ich mache das hier seit 20 Jahren. Das ist das erste Mal, dass ich die Geburtskirche in einem traurigen Zustand sehe."

Nicht alle sind so pessimistisch wie der Reiseführer. Viele Hotels melden, dass sie ausgebucht sind. Die meisten Besucher werden am Abend erwartet. Kurz vor Mitternacht beginnt für die Katholiken der Höhepunkt des Weihnachtsfestes.

Touristen fotografieren die berühmte Krippe in Bethlehem. | Bildquelle: AFP
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Die Geburtskirche und die Krippe auf dem Krippenplatz sind die Anziehungspunkte für Pilger in der Weihnachtszeit in Bethlehem.

Pierbattista Pizzaballa, der Erzbischof von Jerusalem, feiert die Christmette in der lateinischen Katharinenkirche, die direkt neben der Geburtskirche liegt. Anschließend steigt er in die Geburtsgrotte hinab und legt eine Figur des Jesuskindes hinein. Es ist der vielleicht ruhigste Moment eines ansonsten recht lauten Weihnachtsfestes in Bethlehem. Den ganzen Tag lang ziehen die palästinensischen Pfadfinder durch die Stadt - und machen mächtig Lärm.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Dezember 2017 um 12:12 Uhr.

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